Kritik an Güstrows Wollhalle: Mischkonzept zwischen Laienkunst und Profikünstlern sorgt für Debatte
Debatte um Güstrows Wollhalle: Mischkonzept in der Kritik

Kritik am Konzept der Wollhalle Güstrow: Zwischen Laienkunst und touristischer Attraktivität

Das markante Fachwerkgebäude am Franz-Parr-Platz in Güstrow blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Einst als Pferdestall, Theaterwerkstatt und Wollhandelsplatz genutzt, beherbergt es heute die Städtische Galerie Wollhalle. Doch das populäre, soziale Konzept der Einrichtung, das sich an ein breites Publikum richtet, steht zunehmend in der Kritik.

Forderung nach mehr professioneller Ausrichtung

Andreas Wittenburg, Betreiber der Galerie „Kunst am Dom“, äußert deutliche Bedenken: „Ich denke, die Wollhalle sollte auch für ein überregionales Publikum attraktiver werden.“ Seiner Meinung nach sollte die Städtische Galerie professionellen Schauen vorbehalten sein, um zu einem touristisch attraktiven Ort zu werden. Als Beispiel nennt er die Idee, den international renommierten Maler Neo Rauch zur 800-Jahr-Feier Güstrows zu gewinnen.

Zudem kritisiert Wittenburg die äußere Präsentation der Wollhalle. „Selbst ein Schriftzug am Gebäude, der die Wolle als Galerie ausweist, fehlt.“ Seiner Ansicht nach verbiete sich bei einem gemischten Konzept zugleich der Anspruch, große Kunst zu zeigen.

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Touristische Perspektive: Wunsch nach hochkarätigen Attraktionen

Olav Paarmann, Geschäftsführer des Hotels am Schloßpark Güstrow, teilt diese Einschätzung aus touristischer Sicht. „Als Touristiker würde ich mir wünschen, dass wir unseren Gästen einen Magneten anbieten, etwas Hochkarätiges.“ Er plädiert dafür, über den Güstrower Tellerrand hinauszuschauen und Ausstellungen zu zeigen, die die Urlaubsdestination im norddeutschen Raum attraktiver machen.

Dennoch verzeichnet die Wollhalle bei bestimmten Veranstaltungen regen Zulauf. Die Finissage der Laienkunstausstellung 2024 lockte zahlreiche Besucher an, was die Beliebtheit des aktuellen Konzepts unterstreicht.

Bürgermeister verteidigt Mischkonzept mit Augenmaß

Bürgermeister Sascha Zimmermann hält vorerst am bewährten Mischkonzept fest, zeigt sich aber offen für neue Ideen. „Ich kann mir vorstellen, dass wir mit großartigen, überregional wichtigen Künstlern die touristische Saison in den Herbst hinein verlängern.“ Gleichzeitig betont er realistisch: „Allerdings sind wir nicht der Louvre und auch nicht das Barberini in Potsdam.“

Im Sommer, wenn ohnehin mehr Besucher in Güstrow unterwegs sind, sollte die Wollhalle seiner Meinung nach dem bisherigen Konzept treu bleiben: Eine bunte Mischung zeigen und vorwiegend Künstlern der Region Raum bieten. „Und darunter waren auch schon richtig gute wie der Bildhauer Thomas Jastram oder der Maler Henning Spitzer.“

Kulturauftrag und touristische Realitäten

Zimmermann verweist auf den Kulturauftrag der Kommune, der auch die Einbeziehung von Laien umfasst. „Und die leisten Erstaunliches.“ Zudem bezweifelt er, dass Touristen extra wegen einer einzelnen zugkräftigen Ausstellung nach Güstrow reisen und dort übernachten würden.

„Den Charme macht der Gesamtverbund aus Wollhalle, Barlachatelier und Schloss aus.“ Für diesen Verbund benötige man jedoch ein tragfähiges Nachnutzungskonzept für Ausstellungen im Schloss, das derzeit noch ausstehe.

Ausblick: Professionelle Ausstellungen bereits geplant

In diesem Jahr stehen bereits zwei Ausstellungen mit professionellen Künstlern auf dem Programm der Wollhalle. Ab Mai wird die 36. Landesweite Kunstschau „Hochstapeln“ des Landesverbandes Bildender Künstler präsentiert. Ab Ende Juli widmet sich die Städtische Galerie dem Lebenswerk des bedeutenden Güstrower Grafikers Manfried Scheithauer.

Die Debatte um die künftige Ausrichtung der Wollhalle zeigt die Spannung zwischen lokalem Kulturauftrag und touristischen Ambitionen. Während einige Akteure mehr überregionale Strahlkraft fordern, betont die Stadtverwaltung die Bedeutung eines ausgewogenen Konzepts, das sowohl Laien als auch professionelle Künstler berücksichtigt.

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