Bundesmittel für Domjüch-Verein: Jugendprojekt zur NS-Geschichte in Neustrelitz
Domjüch-Verein erhält Bundesmittel für NS-Jugendprojekt

Bundesförderung für historische Aufarbeitung in Neustrelitz

Der Neustrelitzer Verein zum Erhalt der Domjüch – Ehemalige Landesirrenanstalt erhält eine bedeutende finanzielle Unterstützung vom Bund. Wie der Bundestagsabgeordnete Frank Junge in einer aktuellen Pressemitteilung bekannt gab, fließen 54.000 Euro Fördermittel in ein besonderes Jugendprojekt zur Erinnerungskultur. Der SPD-Politiker vertritt seinen Wahlkreis in Mecklenburg-Vorpommern und betonte die Wichtigkeit dieser Initiative.

Auswahl durch unabhängige Jury

Die Mittelvergabe erfolgte im Rahmen der Förderlinie „Jugend erinnert engagiert“. Eine unabhängige Jury wählte bundesweit insgesamt 18 Projekte aus, die mit einer Gesamtsumme von 800.000 Euro bedacht wurden. Das Neustrelitzer Vorhaben gehört damit zu den ausgewählten Initiativen, die historische Bildung mit künstlerischen Ansätzen verbinden.

„Ich freue mich sehr, dass mit dem Projekt an der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch ein wichtiger Erinnerungsort gestärkt wird“, erklärte Frank Junge. „Die Auseinandersetzung mit der Geschichte der NS-Zeit und ihren Auswirkungen bis in die Gegenwart bleibt eine zentrale gesellschaftliche Aufgabe.“

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Kreative Projektwoche mit 120 Jugendlichen

Das Projekt des Domjüch-Vereins verbindet historisch-politische Bildung auf innovative Weise mit künstlerischen Ausdrucksformen. Konkret plant der Verein eine inklusive Projektwoche, an der etwa 120 Jugendliche teilnehmen werden. Gemeinsam mit professionellen Kunstschaffenden erarbeiten sie verschiedene Werke, die sich kreativ mit historischen Menschenbildern, NS-Unrecht und aktuellen Menschenrechtsthemen auseinandersetzen.

„Die Jugendlichen setzen sich dabei kreativ mit historischen Menschenbildern, NS-Unrecht und Menschenrechten auseinander“, erläutert Christel Lau vom Domjüch-Verein. „Ihre Arbeiten werden beim Fest des Gedenkens und der Vielfalt am 11. Juli öffentlich präsentiert.“

Bewegte Geschichte der Heilanstalt Domjüch

Die Heilanstalt Domjüch blickt auf eine äußerst bewegte Vergangenheit zurück. In ihren Anfangsjahren war sie bekannt für eine fortschrittliche pädagogische und therapeutische Praxis. „Die Einrichtung bot Raum für kreative Entfaltung, individuelle Förderung und ein menschenwürdiges Zusammenleben“, erklärt Christel Lau. „Diese humanistischen Ideale stehen im krassen Widerspruch zu dem, was später in der NS-Zeit hier geschah.“

Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurde die Anstalt Teil des verbrecherischen Systems. „Nachweislich ging von hier beispielsweise am 11. Juli 1941 ein Transport mit 100 Patienten in die Heil- und Pflegeanstalt Bernburg, wo sie Opfer der NS-Euthanasie-Morde wurden“, führt Lau aus. Dieser historische Kontext bildet die Grundlage für das aktuelle Bildungsprojekt.

Lernraum für gegenwärtige Generationen

Das Projekt des Domjüch-Vereins verfolgt mehrere Ziele gleichzeitig. Einerseits sollen die verschiedenen Geschichten der Heilanstalt ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden. „Wir wollen auch die Namen der Betroffenen aus dem Vergessen holen“, betont Christel Lau. Andererseits wird der historische Ort als Lernraum für die heutige Generation genutzt.

Es gehe darum, dass Schülerinnen und Schüler erfahren, wie gesellschaftliche Haltungen und Menschenbilder das Leben von Einzelnen und Gruppen beeinflussen können. „Und wie wichtig die Achtung der Menschenrechte ist“, ergänzt Lau. Das Projekt schafft damit eine Brücke zwischen historischer Aufarbeitung und gegenwärtigen gesellschaftlichen Debatten.

Die Bundesmittel ermöglichen es dem Verein, diese wichtige Bildungsarbeit mit Jugendlichen durchzuführen und die Erinnerung an die Opfer der NS-Zeit wachzuhalten. Das Gelände der ehemaligen Irrenanstalt an der Domjüch soll als Erinnerungsort erhalten bleiben – eine Aufgabe, der sich der Neustrelitzer Verein seit vielen Jahren widmet.

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