„Eventin“ vor Rügen: Dehoga-Chef warnt vor Anschlagsgefahr und fordert Abzug des Tankers
Seit nunmehr 15 Monaten liegt die „Eventin“, ein fast 300 Meter langer und mit rund 100.000 Tonnen Öl beladener Tanker der russischen Schattenflotte, vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. In unmittelbarer Sichtweite der Insel Rügen, die wirtschaftlich stark vom Tourismus abhängig ist, stellt das Schiff eine anhaltende Bedrohung dar.
Zweiter Sommer mit gestörtem Urlaubsidyll
Jetzt droht bereits der zweite Sommer, in dem zehntausende Urlauber den ungestörten Blick auf die Ostsee entbehren müssen. „Der Tanker ist nicht nur optisch unschön, sondern auch gefährlich“, betont Lars Schwarz, Präsident des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Mecklenburg-Vorpommern, mit Nachdruck. In der jüngeren Vergangenheit habe es genügend Anschläge auf kritische Infrastruktur gegeben – auch im Ostseeraum. Deshalb drohe zweifellos die Gefahr, dass auch die hochbeladene „Eventin“ Ziel eines Anschlags werden könnte, beispielsweise mit Drohnen, so Schwarz im Gespräch mit dem Nordkurier.
Klare Forderung: „Das Ding muss weg“
Für den Dehoga-Chef ist die Lage eindeutig: „Das Ding muss weg aus unserem Gefahrengebiet. Es muss jetzt ein pragmatischer Umgang mit dem Tanker gefunden werden. Es kann nicht sein, dass es nun ein jahrelanges juristisches Tauziehen um das Schiff gibt. Mecklenburg-Vorpommern muss ein klares Zeichen setzen, dass der Tanker in unseren Gewässern nichts zu suchen hat.“ Was das Öl angeht, das in den Tanks des Schiffes lagert, hat Schwarz einen durchaus außergewöhnlichen Vorschlag. In der aktuellen Umfrage des Nordkurier habe doch eine Mehrheit der Bürger Mecklenburg-Vorpommerns zu verstehen gegeben, dass sie kein Problem damit hätte, wieder russisches Öl zu beziehen. „Dann sollen wir das Öl doch bitte schön für unsere Zwecke verwenden.“
Komplexes juristisches Verfahren
Der Tanker war im Januar 2025 nördlich von Rügen havariert und wird seither von den deutschen Behörden festgehalten. Der Zoll strebt weiterhin eine Einziehung und Verwertung des Schiffs samt Ladung an, obwohl der Bundesfinanzhof (BFH) in München im Rahmen eines Eilverfahrens auch in zweiter Instanz entsprechende Verfügungen gestoppt hat. Damit läuft es wahrscheinlich auf ein Hauptverfahren am Finanzgericht Hamburg hinaus. Die EU zählt das 20 Jahre alte Schiff zur sogenannten Schattenflotte, mit der Russland Sanktionen umgeht. Gegen die Listung hat der Eigner vor dem Gericht der EU Klage eingereicht. Als Grund gibt er an, das Schiff habe „zu keinem Zeitpunkt beabsichtigt, sanktionierte Ölprodukte in die Europäische Union zu transportieren“. Die Einfuhr in deutsche Hoheitsgewässer sei unfreiwillig aufgrund eines „technischen Defekts erfolgt und durch das Recht auf Anlaufen eines Nothafens gedeckt“.
Die Situation bleibt somit angespannt: Während die Tourismusbranche auf Rügen um ihre Sommersaison bangt, ziehen sich die juristischen Auseinandersetzungen weiter hin. Die „Eventin“ symbolisiert nicht nur ein maritimes Problem, sondern auch die geopolitischen Spannungen, die bis in die Ostsee reichen.



