Richterbund schlägt Alarm: Fallzahlen am Sozialgericht Schwerin versechsfacht
Fallzahlen am Sozialgericht Schwerin versechsfacht

Massiver Anstieg der Verfahren am Sozialgericht Schwerin

Der Richterbund Mecklenburg-Vorpommern hat eine dramatische Entwicklung am Sozialgericht Schwerin bekannt gegeben und fordert umgehende Maßnahmen von der Politik. Innerhalb von nur 20 Monaten haben sich die Fallzahlen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung mehr als versechsfacht. Die Zahl der offenen Verfahren stieg von ursprünglich 611 auf aktuell 3690 Fälle an.

Rekordbestand und massive Überlastung

Insgesamt verwaltet das Sozialgericht Schwerin derzeit einen Rekordbestand von 5480 Verfahren. Nach Einschätzung des Richterbundes handelt es sich dabei wahrscheinlich um die am stärksten belastete Dienststelle der gesamten Landesjustiz in Mecklenburg-Vorpommern. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Jahr 2025 standen neun Planstellenrichter zur Verfügung, die effektiv mit 7,9 Arbeitskraftanteilen in der Rechtsprechung eingesetzt wurden.

Dem gegenüber steht jedoch eine Gesamtbelastung von 13,35 Arbeitskraftanteilen. Dies entspricht einer Pro-Stellen-Belastung von etwa 1,7 und verdeutlicht die enorme Arbeitsverdichtung, mit der die Richter konfrontiert sind. Die Situation erfordert nach Ansicht des Richterbundes schnelles Handeln und zusätzliches Personal.

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Personalmangel und drohende Pensionierungswelle

Besonders kritisch ist die Lage, weil erfahrene Kräfte das Gericht in naher Zukunft altersbedingt verlassen werden. Das Gericht ist daher dringend auf die Zuweisung neuer Kollegen angewiesen. Auch die vom Justizministerium bereits angekündigte Unterstützung für die Serviceeinheiten wird nach Einschätzung des Richterbundes nur dann nachhaltig wirken, wenn das Sozialgericht Schwerin auch im richterlichen Bereich personell verstärkt wird.

Die bisher unternommenen Schritte des Justizministeriums werden zwar begrüßt, gelten jedoch als nicht ausreichend, um dauerhaft einen Abbau der Verfahren sicherzustellen. Constanze Oehlrich, Vorsitzende und rechtspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Landtag, richtete einen klaren Appell an Justizministerin Jacqueline Bernhardt von der Partei Die Linke.

„Es braucht jetzt zügig mehr Personal in Schwerin und eine nachhaltige Personalstrategie für die Justiz“, betonte Oehlrich. Einzelne kurzfristige Unterstützungsmaßnahmen reichten nicht aus, um die strukturellen Probleme zu lösen und den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Sozialgerichtssystem in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es insgesamt vier Sozialgerichte. Neben dem Standort in der Wismarschen Straße in Schwerin existieren weitere Gerichte in Rostock, Neubrandenburg und Stralsund. Die aktuelle Krise betrifft jedoch insbesondere das Schweriner Gericht, das mit dem massiven Anstieg der Klagen im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung zu kämpfen hat.

Der Richterbund Mecklenburg-Vorpommern hat seine Warnung am Mittwoch öffentlich gemacht und macht deutlich, dass ohne umfassende personelle Verstärkungen die Funktionsfähigkeit der Sozialgerichtsbarkeit in Schwerin gefährdet sein könnte. Die dramatische Zunahme der Verfahren stellt das gesamte Justizsystem vor erhebliche Herausforderungen.

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