Deutschland kommt in Sachen Wärme mal wieder richtig in Wallung. Nach dem Wandel vom Kachelofen zur Zentralheizung herrschte lange Klarheit, wie Häuser und Wohnungen im Winter warm werden. Doch nun sind die Fragezeichen wieder größer geworden. Öl und Gas gelten als Energien von gestern. Wie sieht die Zukunft aus?
Was hat bei der Wärme in Zukunft Potenzial?
Die kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Instrument für Städte und Gemeinden, um die Wärmeversorgung bis 2045 auf erneuerbare Energien umzustellen. Sie analysiert den aktuellen Wärmebedarf und ermittelt Potenziale für erneuerbare Energien und Abwärme. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) verpflichtet Kommunen sogar zur Erstellung einer solchen Planung.
Häufig geht es um einen Plan, welche Gebiete durch Fernwärme oder dezentrale Lösungen wie Wärmepumpen versorgt werden können. Letztere gelten als die Öltanks und Gasthermen von morgen.
Was bedeutet eigentlich Fernwärme?
In großen Städten wie Schwerin und Rostock sind bereits tausende Haushalte an Fernwärmenetze angeschlossen. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie betont: „In den Städten ist grüne Fernwärme eine Chance für mehr Klimaschutz.“
Unter Fernwärme versteht man die Versorgung von Gebäuden über ein Wärmenetz mit thermischer Energie. In einem Kraftwerk, einer Solarthermieanlage, einer Geothermieanlage oder mittels einer Großwärmepumpe wird Wasser erhitzt, das dann über isolierte, meist unterirdisch verlaufende Rohre direkt in die angeschlossenen Gebäude geliefert wird.
In kleineren Orten wie Boizenburg oder Ludwigslust sieht das theoretisch ähnlich aus, doch die Praxis ist anders. Laut Wirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern nutzten im Jahr 2023 nur 122 Adressen in Boizenburg und 25 in Ludwigslust Fernwärmenetze. Die Wärme stammt dort vorzugsweise aus Biogasanlagen, deren Abwärme genutzt wird, um Häuser, Wohnungen und Wasser konstant auf 60 bis 70 Grad Celsius zu erwärmen.
Nutzer berichten, dass dies kein schlechtes Konzept sei. Während des Ukrainekriegs sorgte die Gasmangellage dafür, dass öffentliche Räume nur auf 19 Grad beheizt werden sollten, während die Fernwärme unabhängig vom Weltgeschehen weiterfloss. Fernwärme kann hier also einen Vorteil darstellen.
Fernwärme klingt gut, ist aber kompliziert
Doch dieser Vorteil muss sich auch lohnen. In vielen kommunalen Wärmeplanungen zeigt sich, dass Fernwärme zwar ein Mittel der Wahl wäre, aber der Leitungsbau die Versorger zurückschrecken lässt. Die Kosten für das Verlegen von Leitungen sind nur in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte, wie Wohngebieten mit Mehrparteienhäusern, zu decken. In Einfamilienhausgebieten ist eine Realisierung schwierig bis unmöglich.
Erschwerend kommt die Lage im Biogassektor hinzu. In Dalkendorf bei Teterow wird die Biogasanlage des ortsansässigen Betriebs BGA Dalkendorf zum Jahresende abgeschaltet. Damit entfällt die Abwärme, mit der das örtliche Nahwärmenetz gespeist wurde. Rund 40 Haushalte sind betroffen. Das Netz wird zum Januar 2027 stillgelegt. Grund ist das Ende der EEG-Förderung für die 2006 in Betrieb genommene Anlage.
Laut Genossenschaft wurden durch das Wärmenetz jährlich rund 150 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Künftig sei wegen des erwarteten Einsatzes fossiler Energieträger mit höheren Emissionen zu rechnen.
Fernwärme hat Chancen, die Ziele müssen aber klar sein
Es ist davon auszugehen, dass es bei der Realisierung der Wärme der Zukunft in Deutschland noch eine ganze Zeit lang turbulent zugehen wird. Die Wärmewende, also die Energiewende im Wärmebereich, ist Voraussetzung dafür, dass die Energiewende als Ganzes gelingt. Fernwärme soll ein wichtiger Baustein sein. Dafür müssen bestehende Fernwärmenetze dekarbonisiert, also auf niedrigere Temperaturen und auf erneuerbare Energien oder Abwärme umgestellt werden.
Das kostet Geld und erfordert ein Umdenken, wie der Fall der Biogasanlage in Dalkendorf zeigt.



