Groß Nemerow: Vom DDR-Vorzeigebetrieb zum modernen Gemeindegelände
In der Gemeinde Groß Nemerow zwischen Neubrandenburg und Neustrelitz verschwindet nach und nach das architektonische Erbe der DDR-Zeit aus dem Ortsbild. Das ehemalige Gelände der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft „Rotes Banner“, einst ein stolzer Vorzeigebetrieb der Region, wird aktuell einer grundlegenden Transformation unterzogen. Bürgermeister Martin Lembke beschreibt die Dimensionen des Areals als „riesengroß“ und betont die Bedeutung der Umgestaltung für die Zukunft der Gemeinde.
Historischer Rückblick und jahrzehntelanger Leerstand
Die Gebäude der LPG „Rotes Banner“ wurden Anfang der 1960er-Jahre errichtet und bis kurz vor der Wende intensiv genutzt. In den Jahren nach der Wiedervereinigung fanden kurzzeitig die Deutsche Post und die Telekom in der Tollensestraße eine Unterkunft. Seit Mitte der 1990er-Jahre herrschte jedoch überwiegend Leerstand, und einige Gebäude verwilderten zusehends. Ein mittlerweile abgerissenes Bauwerk war in den vergangenen Jahren beispielsweise stark zugewuchert.
Neben den bereits beseitigten Strukturen soll auch das alte Lehrlingswohnheim, an dem noch die Aufschrift „Jugendklub“ an vergangene Treffpunkte erinnert, in Zukunft abgerissen werden. Laut Bürgermeister Lembke sind hier allerdings noch „Grundstücksfragen in Klärung“, sodass der Abriss möglicherweise erst zum Frühsommer in Angriff genommen werden kann.
Parkplatz als dringende Entlastung für Schulverkehr und Veranstaltungen
Die unmittelbare Priorität für das Gelände an der Tollensestraße liegt in der Schaffung eines Parkplatzes. Dieser soll insbesondere den Schulverkehr ordnen und erleichtern, da sich an der Ecke Tollensestraße/Stargarder Straße eine Kindertagesstätte und eine Grundschule befinden. Eltern erhalten dadurch eine einfachere Möglichkeit, ihre Fahrzeuge abzustellen, während auch Lehrer und Hort-Mitarbeiter die neuen Parkplätze nutzen können.
Darüber hinaus wird der Parkplatz bei Veranstaltungen für zusätzliche Entlastung sorgen. Groß Nemerow beherbergt als jährliches Highlight ein großes Dorffest und veranstaltet regelmäßig Events rund um den Reitsport an der Bundesstraße 96. Die neue Infrastruktur wird somit die gesamte Gemeinde in ihrem sozialen und kulturellen Leben unterstützen.
Langfristige Vision: Wohngebäude und Einbindung des Pferdesports
Langfristig könnten auf dem gut 9000 Quadratmeter großen Areal auch Wohngebäude entstehen, wie Bürgermeister Lembke in die Zukunft blickt. Allerdings stehen diese Pläne noch nicht endgültig fest, da verschiedene Fragen – insbesondere im Zusammenhang mit dem Pferdesport – geklärt werden müssen.
Der Pferdesport hat in Groß Nemerow eine lange Tradition. Mitte der 1960er-Jahre gründete der Vorstand der LPG „Rotes Banner“ eine Reitsportgruppe, und der örtliche Reitsportverein feierte im Jahr 2025 seinen 60. Geburtstag. Heute sind in diesem Bereich noch viele Pferde anzutreffen, und die Reitsportanlage befindet sich in direkter Nähe der abgerissenen Gebäude.
„Die Pferde gehören zum Bild von Groß Nemerow“, betont der Bürgermeister. Daher müssen bei allen Überlegungen zur Bebauung des Grundstücks mit Wohngebäuden die Interessen des Pferdesports berücksichtigt und mit den Beteiligten abgestimmt werden. Diese ganzheitliche Herangehensweise sichert eine nachhaltige Entwicklung, die sowohl die historischen Wurzeln als auch die zukünftigen Bedürfnisse der Gemeinde respektiert.



