Hochschul-Skandal in Neubrandenburg: AfD kritisiert SPD-Filz und fordert rasche Aufklärung
Der scheidende Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion Mecklenburg-Vorpommern, Nikolaus Kramer, hat die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen einen Professor der Hochschule Neubrandenburg zwar begrüßt, gleichzeitig aber als deutlich zu spät kritisiert. Er wirft der rot-roten Landesregierung ein zögerliches Vorgehen vor und spricht von möglichen parteipolitischen Verflechtungen, die eine Aufklärung behindern könnten.
Mutmaßlicher Prüfungsbetrug reicht bis 2017 zurück
Hintergrund sind schwere Vorwürfe des Prüfungsbetrugs bei akademischen Abschlüssen, die bereits in die Jahre 2017 und 2018 zurückreichen. Der beschuldigte Professor soll Abschlüsse an bevorzugte Studenten regelrecht verschenkt haben, indem er Studienleistungen aus völlig anderen Fächern umfassend für einen Bachelor in „Berufspädagogik für Gesundheitsberufe“ anerkannte. Erforderlich waren lediglich eine Abschlussarbeit und eine mündliche Prüfung, die er zudem ohne Zweitgutachter abgenommen haben soll.
Kramer erklärte, das Land Mecklenburg-Vorpommern reagiere erst jetzt auf diese schwerwiegenden Vorfälle und erwecke damit den Eindruck, nur unter öffentlichem Druck zu handeln. „Derart verspätet hinterlässt der Schritt den Eindruck von Unwillen und Aussitzen-Wollen“, so der AfD-Politiker.
Vorwurf parteipolitischer Verflechtungen
Der AfD-Fraktionschef verband seine Kritik mit dem deutlichen Vorwurf eines tief verwurzelten SPD-Parteifilzes. „Der verantwortliche Hochschullehrer gilt als Sozialdemokrat und mutmaßlich bevorteilte Personen zählen auch zur sozialdemokratischen Blase, die seit Langem die Schaltpositionen in MV besetzt und ‚unter sich‘ verteilt“, sagte Kramer. Das „Schneckentempo und der auffällig schwache Aufklärungswille“ der Landesregierung ließen sich als Ausdruck dieses Filzes deuten.
Bereits ein Ex-Kollege des Professors hatte 2018 in Dienst- und Fachaufsichtsbeschwerden den – bislang unbewiesenen – Verdacht geäußert, dass der Hochschullehrer und einzelne bevorteilte Studenten aufgrund einer gemeinsamen Parteizugehörigkeit zueinanderfanden.
Verfahrensverlauf und aktuelle Entwicklungen
Das Wissenschaftsministerium MV weiß seit Dezember 2023 durch einen Hinweisgeber von den Vorwürfen. Im Jahr 2025 wurde ein Ermittlungsführer eingesetzt und eine externe Kanzlei mit Untersuchungen beauftragt. Erst seit Kurzem läuft nun ein formelles Disziplinarverfahren gegen den beschuldigten Professor.
Kramer selbst hatte im Frühjahr 2025 mit einer parlamentarischen Anfrage im Landtag dazu beigetragen, dass die Vorfälle öffentlich bekannt wurden. Hochschulinterne Verfahren hatten die Anschuldigungen im Jahr 2019 jedoch als ungerechtfertigt eingestuft.
Forderungen nach Transparenz und Sorge vor Verjährung
Der AfD-Fraktionschef fordert nun „endgültige Aufklärung ohne falsche Rücksichtnahme und ohne weitere jahrelange Verzögerungen“. „Nachdem das Disziplinarverfahren nun eingeleitet ist, erwarte ich vom Ministerium Neutralität und ein sauberes Verfahren – damit Transparenz und Reputation des Wissenschaftsbetriebes in Neubrandenburg nicht noch mehr Schaden nehmen“, mahnte er.
Die möglichen Folgen des Disziplinarverfahrens reichen von einem Verweis über Geldbußen bis zur Entlassung aus dem Beamtenverhältnis. Allerdings weist der Strafrechtsexperte Prof. Dr. Holm Putzke von der Universität Passau darauf hin, dass sich inzwischen die Frage der Verjährung stellen könnte. Auch die CDU-Fraktion in MV hatte bereits gewarnt, dass man bei der Aufklärung nicht „im Schlafwagen unterwegs sein“ dürfe.
Das Wissenschaftsministerium MV betonte hingegen auf Nachfrage, dass die Ermittlungen unabhängig und mit hoher Priorität vorangetrieben würden. Die Schwere der Anschuldigungen und die Komplexität der Vorgänge verpflichteten allerdings zu Genauigkeit und Gründlichkeit. Vorverurteilungen seien nicht statthaft, und die Vorwürfe könnten sich im Laufe des Verfahrens noch als unhaltbar erweisen.



