Mülldeponie Ihlenberg beendet Restmüllverarbeitung - Arbeitsplätze in Gefahr
Ihlenberg-Deponie steigt aus Müllverarbeitung aus - Jobs bedroht

Mülldeponie Ihlenberg beendet Restmüllverarbeitung - Arbeitsplätze in Gefahr

Die landeseigene Sondermülldeponie Ihlenberg im Nordwestkreis von Mecklenburg-Vorpommern stellt in den kommenden Monaten die Restabfallbeseitigung für Hausmüll aus der Region ein. Künftig werden nur noch Rückstände aus Müllverbrennungsanlagen eingelagert, wie die Ihlenberger Abfallgesellschaft (IAG) am Mittwoch bekannt gab. Die bisherige Restabfallbehandlungsanlage (RABA) wird im Frühjahr endgültig geschlossen, da Entsorgungsverträge mit Landkreisen und Kommunen nicht verlängert wurden.

Sozialverträgliche Lösungen für Beschäftigte gesucht

Die Schließung der Sortieranlage bedroht zahlreiche Arbeitsplätze bei der IAG. Geschäftsführer Peter Axmann kündigte Gespräche mit betroffenen Mitarbeitern über sozialverträgliche Lösungen an. Den Beschäftigten sollen individuelle Angebote unterbreitet werden, um Kündigungen möglichst zu vermeiden. Konkrete Zahlen zu betroffenen Stellen nannte Axmann nicht.

In Betriebsratskreisen wurde die Entscheidung mit absolutem Unverständnis und Entsetzen aufgenommen. Gespräche mit der Geschäftsführung seien ergebnislos verlaufen, und betroffenen Kollegen sei ein Ende der Beschäftigung bei der IAG angekündigt worden. Insgesamt beschäftigt die Deponie in allen Bereichen etwa 140 eigene Mitarbeiter.

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Recyclingquote sinkt durch direkte Müllverbrennung

Bisher hatte die Deponie Hausmüll aus umliegenden Regionen vorsortiert und wertvolle Reststoffe wie Metalle aussortiert. Die nun geplante direkte Entsorgung in Verbrennungsanlagen beendet diese Wiederverwertung recycelbarer Materialien. Die hochwertige Verwertung von Reststoffen stand bisher im Vordergrund, doch die Kommunen sparen durch die direkte Verbrennung Geld.

Axmann bedauerte, dass die IAG nicht weiter als Hausmüllentsorger für die Heimatregionen fungieren könne. Die fehlenden Entsorgungsverträge ließen keinen wirtschaftlichen Betrieb der Sortieranlage mehr zu. Zudem kritisierte er, dass längere Transportwege für den Hausmüll die CO2-Belastung in der Region erhöhen würden.

Gefährlicher Müll aus mehr als vier Jahrzehnten

Am Ihlenberg wurde in den vergangenen über 40 Jahren Norddeutschlands Giftmüll eingelagert:

  • 20,7 Millionen Kubikmeter Bauschutt und Hausmüll
  • Asbesthaltiges Dämmmaterial
  • Mit Dieselöl verseuchte Böden
  • Schwermetallhaltige Industrieaschen
  • Plastik, Farben und ätzende Säuren

Die Einlagerung von hochgefährlichem Sondermüll der Gefahrenklasse DK III ist nach aufgedeckten Mängeln im Kontroll- und Risikomanagement 2018 deutlich zurückgegangen. Das Landeskabinett beschloss, die Einlagerung solcher Abfälle bis 2035 zu beenden. Danach soll nur noch weniger belasteter Müll der Deponieklasse II eingelagert werden.

Deponie bleibt bis 2051 in Betrieb

Die finanziellen Folgen für die IAG sind bereits spürbar: Die Umsätze brachen zwischen 2021 und 2024 um knapp sieben Millionen auf etwa 25,6 Millionen Euro ein. Bis 2027 wird ein weiterer Rückgang auf 21 Millionen Euro erwartet.

Die Anwohner am Ihlenberg müssen noch Jahrzehnte mit der Deponie leben: Nach einem Rekultivierungs- und Nachsorge-Gutachten wird der aktive Bereich noch bis 2051 betrieben und dann stillgelegt. Verhandlungen mit norddeutschen Nachbarländern über einen neuen Deponiestandort für hochbelasteten Müll dauern an, eine Einigung steht jedoch noch aus.

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