Iran-Konflikt trifft norddeutsche Schifffahrt: Kreuzfahrer fest, Frachter auf Umwegen
Iran-Krieg: Folgen für Schifffahrt und Häfen in Norddeutschland

Iran-Konflikt trifft norddeutsche Schifffahrt: Kreuzfahrer fest, Frachter auf Umwegen

Der eskalierende Krieg im Iran hat weltweite Konsequenzen, die nun auch die maritime Wirtschaft Norddeutschlands spürbar treffen. Kreuzfahrtschiffe deutscher Reedereien stecken in Häfen der Golfregion fest, während Frachter gezwungen sind, massive Umwege zu fahren. Die daraus resultierenden Störungen im Schiffsverkehr führen bereits zu steigenden Transportkosten und verlängerten Lieferzeiten.

Kreuzfahrtbranche mit direkten Auswirkungen

Für Kreuzfahrtanbieter sind die Folgen unmittelbar sichtbar. Schiffe der deutschen Reedereien Tui Cruises und MSC Cruises können derzeit Häfen in der Golfregion nicht verlassen. Zwei Tui-Schiffe mit einer Kapazität von jeweils etwa 2.500 Gästen liegen in Abu Dhabi und Doha fest. Ein MSC-Schiff, das bis zu 6.300 Urlauber aufnehmen kann, befindet sich im Hafen von Dubai. „Wir befolgen die Anweisungen der regionalen US-Militärbehörden, das Schiff im Hafen von Dubai zu belassen“, erklärte eine Sprecherin von MSC Cruises.

Deutschlands größter Kreuzfahrtanbieter Aida Cruises hat hingegen keine Schiffe in der Region stationiert. Die Reederei hatte bereits im vergangenen Sommer entschieden, aufgrund der angespannten Sicherheitslage keine Reisen in das Gebiet anzubieten.

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Internationaler Seehandel massiv gestört

Der internationale Seehandel erlebt derzeit erhebliche Beeinträchtigungen. Am Persischen Golf ist die strategisch wichtige Straße von Hormus praktisch gesperrt. Tanker kehren an dieser Meerenge um, wie Analysen der Schifffahrtsfirma Windward zeigen. Dies ist besonders kritisch, da rund ein Fünftel der globalen Öltransporte täglich durch diese Passage fließt. Jede Störung kann Energiepreise in die Höhe treiben und internationale Märkte verunsichern.

In der Nähe des Konfliktgebiets befinden sich weitere essentielle Seehandelsrouten. Besonders bedeutsam für die Containerschifffahrt ist das Rote Meer, das in Friedenszeiten als Hauptverkehrsader für Waren zwischen Europa und Asien dient. Windward zufolge haben Anhänger der Huthi-Miliz angekündigt, Angriffe auf die Schifffahrt im Roten Meer wieder aufzunehmen. Sollte diese Route unsicher werden, sind Reedereien gezwungen, den weiten und kostspieligen Umweg um die Südspitze Afrikas zu nehmen.

Containerreedereien reagieren mit Routenänderungen

Die Schifffahrtsunternehmen passen ihre Operationen bereits an. Die weltgrößte Containerreederei Mediterranean Shipping Company hat Kunden informiert, dass sie Buchungen in der Region vorübergehend aussetzt. Auch Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd und die dänische Reederei Maersk haben mitgeteilt, die Straße von Hormus nicht länger zu durchfahren.

Maersk vermeidet zudem die Meerenge am südlichen Ende des Roten Meeres und leitet Schiffe wie die französische Reederei CMA CGM stattdessen um das Kap der Guten Hoffnung. Diese Umwege führen zu erheblichen Verzögerungen und erhöhten Betriebskosten.

Unsicherheit für norddeutsche Seehäfen

Die konkreten Auswirkungen des Krieges auf die norddeutschen Seehäfen sind derzeit noch schwer abzusehen. Mehrere Umschlagsunternehmen, die von der Deutschen Presse-Agentur kontaktiert wurden, gaben an, keine akuten Beeinträchtigungen im Umschlag zu verzeichnen.

Der Hamburger Hafenlogistiker HHLA betonte, im ständigen Austausch mit den Kunden zu stehen. Ähnlich äußerte sich der Hafenlogistiker Eurogate, der Terminals in Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven betreibt. Ein Eurogate-Sprecher sagte, dass sich Auswirkungen auf den Umschlag derzeit nicht bestimmen ließen. Das Unternehmen unterhalte zudem keine Geschäftsbeziehungen mit dem Iran und den Staaten der Golfregion.

Deutschlands einziger Tiefwasserhafen für den Containerumschlag, der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, rechnet vorerst nicht mit Einschränkungen. „Die relevanten Containerreedereien umfahren die Region schon seit mehreren Monaten weiträumig“, teilte eine Sprecherin mit.

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Dennoch bereitet die Situation der Branche Sorgen. Eduard Dubbers-Albrecht vom Präsidium der Bremischen Hafen- und Logistikvertretung rechnet mit verschobenen Aufträgen, Stornierungen, Umwegen und daraus resultierenden höheren Transportkosten.

Ölimporte unter Beobachtung

Wie der Krieg den Ölumschlag in den deutschen Häfen beeinflussen wird, ist noch kaum absehbar. Deutschland als einer der größten Mineralölverbraucher weltweit ist fast vollständig auf Importe angewiesen. Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stammte das Erdöl zuletzt vor allem aus den USA, Kasachstan, Großbritannien und Norwegen.

Der Ölhafen in Wilhelmshaven ist einer der wichtigsten Umschlagsorte für Rohöl. Allein an der Umschlagsanlage des Unternehmens Nord-West Oelleitung wurden 2024 rund 22 Prozent der deutschen Rohölimporte angelandet – das entsprach einer Menge von etwa 18,4 Millionen Tonnen.

Die maritime Logistikbranche rechnet insgesamt mit weiteren Umwegen und steigenden Kosten. André Grobien, Vorsitzender der Industrie- und Handelskammern Nord, fasste die Lage zusammen: „Für die stark exportorientierte und logistikgeprägte Wirtschaft im Norden ist das unmittelbar spürbar.“ Die vollständigen Auswirkungen auf den Umschlag bleiben jedoch vorerst schwer absehbar.