Leitungswasser in Mecklenburg-Vorpommern: Trotz Keimvorfällen weiterhin Spitzenqualität?
Leitungswasser in MV: Spitzenqualität trotz Keimvorfällen?

Leitungswasser in Mecklenburg-Vorpommern: Zwischen Spitzenqualität und Keimvorfällen

Das deutsche Leitungswasser gilt weltweit als eines der besten. Doch in Mecklenburg-Vorpomstern mussten in den Jahren 2025 und 2026 mehrere Zehntausend Menschen ihr Trinkwasser vorübergehend abkochen, nachdem Keimbelastungen festgestellt worden waren. Die Gesundheitsämter der Landkreise und kreisfreien Städte erließen entsprechende Anordnungen, um die Bevölkerung zu schützen.

Abkochanordnungen in verschiedenen Regionen

Im September 2025 waren 60.000 Einwohner von Greifswald betroffen, nachdem Darmkeime im Wasser entdeckt wurden. Im selben Monat traf es 7.900 Menschen in der Region Grimmen im Landkreis Vorpommern-Rügen. Im Februar 2026 folgte eine weitere Anordnung für rund 14.000 Bewohner mehrerer Gemeinden im Landkreis Vorpommern-Greifswald, darunter Ueckermünde und Eggesin.

Die Behörden betonen jedoch, dass das Trinkwasser insgesamt sicher sei. Eine Sprecherin der Stadt Schwerin erklärt: „Es handelt sich bei den Abkochgeboten um mikrobielle Belastungen, die genau nach Trinkwasserverordnung definiert sind. Dazu gehören darmpathogene Erreger wie Enterokokken oder E.coli.“ Das Wasser werde engmaschig kontrolliert, und bereits bei geringen Auffälligkeiten werde gehandelt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Keine generelle Zunahme der Keimbelastungen

Die Landkreise und Städte sehen keine steigende Tendenz bei Verunreinigungen. „Der Eindruck täuscht“, heißt es aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen. Auch in früheren Jahren seien in seltenen Fällen Keimbelastungen festgestellt worden.

Für den Landkreis Vorpommern-Greifswald berichtet Sprecher Florian Stahlkopf von jeweils einer Abkochanordnung in den Jahren 2023, 2024, 2025 und 2026. In Rostock, Schwerin und dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gab es im gleichen Zeitraum keine derartigen Anordnungen. Der Landkreis Nordwestmecklenburg meldet sogar, dass in den letzten zehn Jahren kein Abkochgebot erforderlich war.

Ursachensuche und Vorsorgemaßnahmen

Die Gründe für Verunreinigungen sind oft schwer zu ermitteln. Im Februar 2026 mussten etwa 14.000 Einwohner im Raum Ueckermünde ihr Wasser drei Tage lang abkochen, nachdem Enterokokken gefunden wurden. Der Versorger überprüfte akribisch alle Entnahmestellen, Leitungen und Einzugsgebiete – ohne Erfolg. Nun soll ein Treffen mit Gesundheitsamt, Probenehmer und Labor Klarheit schaffen.

In Greifswald war die Ursache schneller gefunden: eine beschädigte Rohwasserleitung, die sofort repariert wurde. Thomas Prauße, Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald, will die Vorsorge weiter verbessern und erwägt den Einsatz von UV-Desinfektion. „Damit können 99,9 Prozent aller Legionellen, Mikroben und Viren im Wasser abgetötet werden“, erklärt er.

Geothermie als potenzielle Gefahr für das Trinkwasser

Mit Blick auf klimaneutrales Heizen wird viel über Geothermie diskutiert. In Greifswald sieht man jedoch Risiken für das Trinkwasser, sollte salzhaltiges Tiefenwasser in Trinkwasserleiter eindringen. Landrat Michael Sack (CDU), Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne) und Wasserwirtschaftspraktiker haben ein Memorandum unterzeichnet, das den Vorrang der öffentlichen Wasserversorgung fordert.

„Konkret fordern wir, dass es keine Geothermiebohrungen in den Trinkwasserschutzzonen I, II und III geben darf“, sagt Prauße. „Sollte eine Trinkwasserfassung durch giftigen Sole-Eintrag kontaminiert werden, hilft auch kein Abkochen mehr.“

Das Schweriner Umweltministerium verweist auf bestehende Regelungen: Bohrungen in Schutzzonen I und II sind grundsätzlich verboten, in Zonen III, IIIa und IIIb sind Ausnahmen möglich – wie etwa in Schwerin. Das Ministerium sieht derzeit keine Notwendigkeit, diese Regelungen zu verschärfen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration