Millionenprojekt rettet barockes Gutshaus: Ehepaar bewahrt Adelsgeschichte vor dem Verfall
Millionenprojekt: Ehepaar rettet barockes Gutshaus vor Verfall

Millionenprojekt rettet barockes Gutshaus: Ehepaar bewahrt Adelsgeschichte vor dem Verfall

In Groß Salitz bei Gadebusch kehrt neues Leben in ein bedeutendes Stück mecklenburgischer Geschichte ein. Die Westfassade des barocken Gutshauses aus dem Jahr 1685 wird nun umfassend saniert, nachdem bereits Ost- und Südfassaden erfolgreich restauriert wurden. Am 27. Februar 2026 überbringt Jürgen Hansen, Ortskurator der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, einen symbolischen Fördervertrag über 205.000 Euro an Eigentümerin Susanne Sohayegh.

Das Geld stammt aus einer Kombination von Spenden, Beiträgen der Gerlind & Ernst Denert-Stiftung und Erträgen der GlücksSpirale. Für die Deutsche Stiftung Denkmalschutz ist das historische Ensemble kein unbekanntes Projekt – bereits seit 2021 wird das Gutshaus kontinuierlich gefördert. Insgesamt gehört es zu mehr als 660 Denkmälern in Mecklenburg-Vorpommern, die durch die Stiftung vor dem Verfall bewahrt werden konnten.

Ein Adelssitz trotzt den Jahrhunderten

Das Gutshaus Groß Salitz gilt als eines der ältesten Fachwerk-Gutshäuser der gesamten Region und stellt ein seltenes Beispiel barocker Landbaukunst dar. Erbaut im Jahr 1685, steht es in direkter Nachfolge der jahrhundertealten Adelsfamilie von Lützow, die bereits seit dem 14. Jahrhundert in Groß Salitz ansässig war. Bis zum Jahr 1945 blieb das imposante Anwesen im Besitz dieser Familie, deren Name spätestens seit dem berühmten Freikorpsführer Ludwig von Lützow in den Befreiungskriegen nationale Bekanntheit erlangte.

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Das Herrenhaus selbst beeindruckt nicht nur durch seine zweigeschossige Fachwerkarchitektur mit vorkragendem Obergeschoss und hohem Walmdach. Ein charakteristischer halbrunder Eckturm verbindet zwei Gebäudeteile harmonisch miteinander, während wuchtige Tonnengewölbe im Untergeschoss an noch ältere Bauphasen erinnern. Eine dendrochronologische Untersuchung datiert die verwendeten Hölzer präzise auf das Baujahr 1685 – ein wertvoller wissenschaftlicher Beleg für die Authentizität dieses historischen Bauwerks.

Vom Gutshaus zur Dorfmitte und zurück

Wie viele ehemalige Adelsgüter durchlebte auch Groß Salitz wechselvolle Jahrzehnte voller Transformationen. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es zunächst als Typhus-Krankenhaus, später als Schule, Kindergarten, Konsum und schließlich als LPG-Stützpunkt. Während der DDR-Zeit entwickelte sich das Haus zum zentralen Treffpunkt des gesamten Dorflebens – danach begann jedoch der schleichende Verfall. Erst mit dem engagierten Einsatz von Susanne Sohayegh und ihrem Ehemann Thomas Möller kam die lang ersehnte Rettung für das historische Gebäude.

Das motivierte Paar erwarb das damals heruntergekommene Bauwerk im Jahr 2018, entrümpelte das gesamte Anwesen akribisch und startete umgehend erste dringende Sicherungsmaßnahmen. Der verwilderte Park, der zeitweise als Müllhalde gedient hatte, wird seither wieder nach historischem Vorbild liebevoll gestaltet – ein Garten, der bereits im 18. Jahrhundert kunstvoll angelegt wurde und noch heute die klare Gliederung in Nutz- und Repräsentationsbereiche erkennen lässt.

Förderer mit Leidenschaft und Vision

Neben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz helfen zahlreiche private Zustifter und weitere Stiftungen beim ambitionierten Wiederaufbau dieses architektonischen Juwels. Restauratoren, Bauhistoriker und Ingenieure arbeiten eng zusammen, um die originale historische Substanz bestmöglich zu sichern und zu bewahren. Die Sanierung der Westfassade stellt einen der letzten großen Schritte dar, bevor sich der Fokus auf das Dach des Gebäudes richten wird.

Susanne Sohayegh plant laut Ostsee-Zeitung, das Gebäude künftig als lebendigen Wohn- und Kulturort zu öffnen. Bereits während der laufenden Bauphase fanden erfolgreich Konzerte und Denkmaltage mit mehreren hundert begeisterten Besuchern statt. Das langfristige Ziel ist, das historische Haus Schritt für Schritt zu einem inspirierenden Ort der Begegnung zu machen, an dem Geschichte, Musik und traditionelles Handwerk harmonisch zusammentreffen.

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Hoffnung auf ein zweites Leben

Die gesamten Investitionen in das Gutshaus summieren sich mittlerweile auf einen beeindruckenden siebenstelligen Betrag. Doch die engagierte Eigentümerin bleibt trotz aller Herausforderungen optimistisch: „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass Denkmalschutz kein Luxus, sondern lebendige Kulturpflege ist.“

Wenn voraussichtlich im Jahr 2030 die umfangreichen Bauarbeiten endgültig abgeschlossen sind, soll das einst verfallene Herrenhaus wieder als strahlender Mittelpunkt des Dorfes erstrahlen – ein kraftvolles Symbol dafür, dass aus historischen Ruinen durch Engagement und Vision neue Geschichten entstehen können. Groß Salitz, einst bedeutender Stammsitz alten Adels, wird so erneut zu einem Ort mit echter Zukunftsperspektive und kultureller Strahlkraft.