Morddrohungen gegen Wal-Helfer: Umweltminister verurteilt Anfeindungen nach gescheiterter Rettung
Der vor der Ostseeküste bei Wismar gestrandete Buckelwal liegt im Sterben, nachdem alle Rettungsversuche gescheitert sind. In dieser emotional aufgeladenen Situation werden die Helferinnen und Helfer nun zunehmend angefeindet – bis hin zu Morddrohungen. Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) verurteilt diese Angriffe scharf und kündigt rechtliche Konsequenzen an.
Minister Backhaus: „Ich akzeptiere es nicht, dass Mitarbeitende bedroht werden“
„Bedauerlicherweise nehmen seit dem Zeitpunkt, als klar wurde, dass das Tier nicht zu retten sein wird, die Anfeindungen gegen Beteiligte an der Hilfsmaßnahme zu – bis hin zu Morddrohungen“, sagte Backhaus in einer aktuellen Pressemitteilung. Der Minister zeigte Verständnis für die emotionale Betroffenheit der Menschen, betonte aber gleichzeitig: „Natürlich verstehe ich, dass die Situation für die Menschen sehr emotional ist, auch ich bin traurig. Aber ich akzeptiere es nicht, dass Mitarbeitende auch im Privaten bedroht werden.“
Backhaus machte deutlich, dass strafrechtlich relevante Aussagen, ob in sozialen Medien, per Zettel im Briefkasten oder per E-Mail, konsequent angezeigt werden. Er äußerte jedoch die Hoffnung, dass sich die Lage bald beruhigen werde.
Rund-um-die-Uhr-Betreuung für den sterbenden Wal
Während die Anfeindungen zunehmen, wird der Wal weiterhin intensiv betreut. Die Wasserschutzpolizei und eine Walwache an Land sorgen für eine rund-um-die-Uhr-Überwachung. Kräfte der Feuerwehr benetzen das Tier regelmäßig mit Wasser, um lindernde Umstände zu schaffen. „Wir werden das Tier weiter begleiten – bis zum Schluss. Um ihm seine Situation angenehmer zu machen, wurde heute damit begonnen, den Rücken des Wals, der aus dem Wasser ragt, zu benetzen“, erklärte Backhaus, der persönlich vor Ort war.
Experten hatten diese Maßnahme empfohlen, da die Haut des Wals austrocknet, was schmerzhaft und gefährlich ist. Der Vorgang soll alle zwei bis drei Stunden wiederholt werden. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, die Atmung des Tieres zu kontrollieren, da es immer stärker aus dem Wasser ragt. Sollte vermutet werden, dass der Wal aufhört zu atmen, wird umgehend ein Veterinär hinzugezogen.
Zustand des Wals unverändert – Greenpeace zieht sich zurück
Der Zustand des Buckelwals bleibt nach Angaben der Wasserschutzpolizei und von Greenpeace unverändert kritisch. Eine Sprecherin von Greenpeace erklärte, dass die Organisation den Wal nun in Ruhe lassen und nicht mehr zu ihm fahren wolle. Das primäre Ziel sei stets die Rettung des Tieres gewesen, doch diese sei nicht mehr möglich.
Der Wal hatte sich seit Anfang März viermal festgesetzt und es dreimal geschafft, wieder loszuschwimmen. Nach Sichtungen im Hafen von Wismar und vor dem Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein strandete er schließlich erneut vor Wismar. Die Rettungsversuche wurden am Mittwoch endgültig eingestellt. Fachleute und Meeresschützer vor Ort gehen davon aus, dass das Tier in dieser Bucht sterben wird, wobei die Überlebensdauer ungewiss bleibt.
Vorbereitungen für Bergung und wissenschaftliche Obduktion
Die Bergung des Walkörpers stellt eine erhebliche technische Herausforderung dar, da die Wassertiefe in der Bucht nur zwischen 90 und 110 Zentimetern beträgt. Zur Vorbereitung wurden bereits Aufnahmen mit einer Unterwasserdrohne gemacht, die den Hautzustand und die Liegeposition des Wals dokumentieren. Diese Bilder sollen tiermedizinisch ausgewertet werden. Zudem erkundete ein Vermessungsboot behutsam das Terrain um den Wal.
Das Deutsche Meeresmuseum plant zusammen mit den Behörden eine wissenschaftliche Obduktion für den Fall, dass der Wal stirbt. Nach seinem Tod soll das Tier zur Insel Dänholm zwischen Stralsund und Rügen transportiert werden, wo externe und unabhängige Expertinnen und Experten die Untersuchung durchführen werden. Neben der Klärung der Todesursache und möglicher Krankheiten sollen Körper und Organe vermessen, gewogen und beprobt werden. Die Proben werden später der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Ein Großteil des Walkörpers wird fachgerecht durch ein spezialisiertes Entsorgungsunternehmen behandelt.



