Brauereien in Mecklenburg-Vorpommern kämpfen mit sinkendem Bierkonsum und setzen auf Limonade
MV-Brauereien: Bierkonsum sinkt, Limonade als Hoffnungsträger

Brauereien in Mecklenburg-Vorpemmern schlagen Alarm: Bierkonsum im freien Fall

Der Nordosten Deutschlands steht vor einer ernüchternden Entwicklung: Die traditionelle Brauereibranche in Mecklenburg-Vorpommern gerät zunehmend unter Druck. Insgesamt etwa 30 Brauereien, von kleinen Familienbetrieben mit angeschlossener Gastronomie bis hin zu industriell produzierenden Tochtergesellschaften internationaler Konzerne, kämpfen mit einem stetig sinkenden Bierkonsum. Diese Unternehmen, die für den ländlichen Raum einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen, sehen sich zusätzlich mit wachsender Unsicherheit konfrontiert, die durch bürokratische Hürden und infrastrukturelle Defizite verschärft wird.

„Nach 150 Jahren fangen wir mit Limonade an“ – Ein radikaler Strategiewechsel

Bei einem kürzlich veranstalteten Brauereiabend unter dem Motto „Hopfen und Heimat“ in der Mecklenburger Landesvertretung in Berlin nutzten sieben Brauereivertreter die Gelegenheit, ihre Sorgen deutlich zu artikulieren. Bastian Pochstein, Geschäftsführer der Mecklenburgischen Brauerei Lübz, brachte die Situation auf den Punkt: „Der Konsum lässt nach, gepaart mit einem Rückgang des Bierkonsums, auch bei jüngeren Menschen, die teilweise gar keinen Alkohol mehr trinken.“ Als Reaktion darauf setzt sein Unternehmen auf einen ungewöhnlichen Schritt: „Nach 150 Jahren Unternehmensgeschichte fangen wir deswegen mit einer Limonade an“, erklärte Pochstein. Dieser strategische Wechsel stößt intern nicht überall auf Begeisterung, ist aber aus seiner Sicht unvermeidlich, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Planungsunsicherheit und infrastrukturelle Herausforderungen belasten die Branche

Markus Berberich, Geschäftsführer der Rügener Insel-Brauerei, berichtete von erheblichen Hindernissen bei Investitionen und Planungen. „Die Unsicherheit ist sehr hoch“, betonte er und verwies auf mögliche Mehrwertsteuererhöhungen, die das gesamte Geschäftsmodell gefährden könnten. „Wir haben kein Vertrauen in die Politik, wir haben kein Vertrauen in die exogenen Schocks, die wir erleben“, so Berberich. Hinzu kommen restriktive Gesetze im Sozialbereich, die flexible Personalentscheidungen erschweren.

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Andreas Hüttmann, Geschäftsführer des Vielanker Brauhauses, kritisierte die schlechte Infrastruktur im ländlichen Raum. Sein Unternehmen hat den touristischen Bereich massiv ausgebaut, stößt jedoch auf langwierige Genehmigungsverfahren und Lieferengpässe. Ein besonders drastisches Beispiel: Die Wartezeit für digitale Türschlösser in Hotelzimmern betrug fast acht Monate. Zudem schilderte Hüttmann die prekäre Verkehrsanbindung: Während er mit dem Auto eine Stunde zur Berufsschule in Parchim benötigt, brauchte ein Auszubildender aus Vietnam mit öffentlichen Verkehrsmitteln rekordverdächtige sechs Stunden.

Wirtschaftliche Bedeutung und politische Reaktionen

Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Schulte (SPD) würdigte bei der Veranstaltung die wichtige Rolle der Brauereien für die regionale Wertschöpfung und die Menschen vor Ort. „Bier ist ein Genussprodukt“, so Schulte, der betonte, dass man sich davon nicht abbringen lassen sollte, auch wenn es Menschen gebe, die es übertreiben. Dennoch machen die Brauereivertreter deutlich, dass ohne konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Rahmenbedingungen die Zukunft der Branche in Mecklenburg-Vorpommern ungewiss bleibt. Die Kombination aus sinkendem Absatz, bürokratischen Hemmnissen und infrastrukturellen Mängeln zwingt die Unternehmen zu innovativen Lösungen wie der Limonadenproduktion, um langfristig überleben zu können.

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