Ostsee-Urlaub 1963: Frau erinnert sich an „herrlich primitive“ DDR-Zeit auf Usedom
Karin, eine lebhafte 86-jährige Dame aus Nordwestmecklenburg, die ihren Nachnamen nicht öffentlich nennen möchte, blättert gerne in ihrem Fotoalbum. Darin bewahrt sie kostbare Erinnerungen an einen unbeschwerten Sommerurlaub im Jahr 1963 in Ückeritz auf der Insel Usedom. Ein Zeitungsartikel über eine Ausstellung zu Ostsee-Urlauben in der DDR weckte kürzlich diese nostalgischen Gefühle wieder.
Jugendliche Unbeschwertheit mit Zelt und Zug
Gemeinsam mit ihrem damaligen Freund Dieter und einem befreundeten Paar, das noch studierte, startete Karin die Reise mit dem Zug. Mit Sack und Pack reisten die jungen Leute nach Usedom, um den Sommerurlaub zu genießen. Sie packten Zelt, Luftmatratzen, einen Spirituskocher, eine Bratpfanne, einen Topf und all die kleinen Dinge, die einen Campingurlaub besonders machen. Sogar Nassrasierer fanden Platz im Gepäck.
„Alles war herrlich primitiv, sorglos, entspannend“, beschreibt Karin mit einem Schmunzeln die Atmosphäre. Auf einem privaten, wilden Plätzchen nahe dem Meer bauten sie improvisierte Tisch- und Sitzgelegenheiten aus Materialien, die der Wald bot. Obwohl das Wetter oft wechselhaft war und erst gegen Ende des Urlaubs wirklich freundlich wurde, verbrachten sie die Tage am Strand mit Ballspielen und ausgelassenem Baden in der erfrischenden Ostsee.
Lesen, Tanzen und kulinarische Entdeckungen
Karin, die damals bereits als Lehrerin für Deutsch und Russisch arbeitete, erinnert sich an viel Zeit zum Lesen. „Damals las ich hauptsächlich Autoren aus dem englischen Sprachraum, wie Hemingway, Goldsmith und Brain“, erzählt sie. Einige Abende verbrachte die Gruppe im Tanzlokal des Ortes, wo sie sich beim Twist richtig austobte.
Ein besonderes Highlight war die kulinarische Entdeckung: Ein Fischer aus der Nähe verwöhnte sie mit frischem Hornhecht. Dieses damals unbekannte, aber aufregend außergewöhnliche Gericht mit seinen grünen Gräten prägte sich tief in Karins Erinnerungen ein. „Wir waren so schön jung, so unbeschwert“, sagt sie mit einem Ausdruck von Wehmut und Freude zugleich.
Spätere Jahre und bleibende Eindrücke
Karin heiratete später einen anderen Mann, und die junge Familie unternahm regelmäßig Ausflüge an die Ostsee, die für sie zur schönen Normalität gehörten. „Die Ostsee liegt für uns ganz nah, keine 30 Kilometer entfernt“, erklärt sie. Als Lehrerin erkundete sie mit ihren Schülern internationale Ziele wie Moskau, London und Polen, während sie in Sommerferien in Ferienlagern in Tarnewitz und Prerow eingesetzt wurde.
Ihre Erinnerungen an jenen sommerlichen Ostsee-Urlaub in Ückeritz, geprägt von jugendlicher Unbeschwertheit und spontaner Lebensfreude, bleiben für immer. Die selbst gezimmerten Sitzgelegenheiten, die gemeinsamen Abende und der Geschmack des Hornhechts sind Teil einer vergangenen, aber unvergesslichen Zeit.



