Fast täglich Unfälle: Polizeiautos in MV mit hoher Schadensquote
Polizeiautos in MV: Fast täglich Unfälle und Schäden

Fast täglich Unfälle: Polizeiautos in MV mit hoher Schadensquote

Im Einsatz für Sicherheit und Ordnung setzen sich Polizeibeamte täglich Risiken aus – auch im Straßenverkehr. Neue Zahlen aus Mecklenburg-Vorpommern belegen nun eindrücklich, wie häufig Streifenwagen bei ihrer Arbeit beschädigt werden oder in Unfälle verwickelt sind.

Landesweit 172 beschädigte Polizeifahrzeuge

Das Innenministerium des Bundeslandes gab auf Anfrage bekannt, dass im vergangenen Jahr insgesamt 172 Fahrzeuge der Landespolizei Schäden erlitten oder verunfallten. Hochgerechnet bedeutet dies, dass im Durchschnitt fast jeden zweiten Tag ein Polizeiauto betroffen war. Sieben dieser Fahrzeuge waren derart stark beschädigt, dass sie nicht mehr repariert werden konnten und über ein Restwertgebot veräußert wurden.

Die Reparaturkosten für die übrigen Unfallschäden beliefen sich auf beachtliche 395.553,45 Euro. Als Ersatz für die Ausfälle wurden landesweit 89 neue Fahrzeuge angeschafft – eine Investition im Millionenbereich.

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Besonders betroffen: Das Polizeipräsidium Rostock

Allein im Gebiet des Polizeipräsidiums Rostock, das neben der Hansestadt Rostock auch die Landeshauptstadt Schwerin sowie die Landkreise Rostock, Ludwigslust-Parchim und Nordwestmecklenburg umfasst, wurden 69 Polizeiautos beschädigt oder in Unfälle involviert. Drei dieser Fahrzeuge mussten ebenfalls veräußert werden, während Reparaturkosten in Höhe von 174.991,81 Euro anfielen.

Innerhalb dieses Präsidiums verzeichnete die Polizeiinspektion Rostock mit 19 Unfällen die höchste Zahl. Als mögliche Gründe für diese Spitzenposition gelten die großstädtischen Bedingungen mit viel Verkehr, höherer Kriminalitätsbelastung und zahlreichen Einsätzen. Weitere Unfallzahlen:

  • Polizeiinspektion Ludwigslust: 15 Unfälle
  • Polizeiinspektion Wismar: 12 Unfälle
  • Polizeiinspektion Schwerin: 14 Unfälle (davon vier bei der Kriminalpolizei)

Gewerkschaft fordert mehr Fahrtrainings und bessere Ausstattung

Christian Schumacher, Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei in Mecklenburg-Vorpommern (GdP), sieht in den Zahlen ein Zeichen dafür, dass die Polizei viel auf den Straßen des Bundeslandes unterwegs ist. Gleichzeitig benennt er klaren Verbesserungsbedarf bei Ausbildung und Ausstattung.

„Zu Verringerung von Unfällen gibt es zwar bereits Fahrsicherheitstrainings, aber Fakt ist, dass sich viele Beamten mehr solcher Übungseinheiten wünschen“, so Schumacher. Zusätzlich könnten Saisonreifen statt Ganzjahresreifen – insbesondere Winterreifen – dienlicher sein, um die Sicherheit zu erhöhen.

Mehrere Risikofaktoren identifiziert

Neben den Einsatzbedingungen spielen laut Gewerkschaftsvorsitzendem weitere Faktoren eine Rolle bei den Unfallzahlen:

  1. Demografie: Im Streifendienst sind viele junge Kollegen im Einsatz, die in der Regel weniger Fahrpraxis und Ortskenntnisse haben.
  2. Einsatzfahrten: Bei Inanspruchnahme von Sonder- und Wegerechten besteht ein erhöhtes Unfallrisiko.
  3. Grundrisiko: Polizisten in Streifenwagen haben mindestens das gleiche Risiko, in Unfälle verwickelt zu werden wie andere Verkehrsteilnehmer.

Ein weiteres Problem sieht Schumacher in der angespannten Haushaltslage, die die Erneuerung und Neubeschaffung von Fahrzeugen in Zukunft erschweren dürfte. „Aktuell fehlen uns aber nicht Fahrzeuge, sondern die Menschen dafür“, betont der GdP-Chef abschließend.

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