Rostock-Warnemünde: Sicherer Hafen und Tor zur Welt
Den grünen Leuchtturm von Rostock-Warnemünde und seinen roten Zwilling im Ortsteil Hohe Düne müssen alle Schiffe passieren, um im Hafenbecken der Hansestadt zu landen. Im zweiten Teil über die coolste Stadt an der Küste stellen wir ihren Hafen an der Unterwarnow vor und bummeln vom IGA-Park bis zum Yachthafen Hohe Düne.
DDR nach dem Krieg benachteiligt
Ob Absicht oder nicht – die Sowjetische Besatzungszone (SBZ) und die DDR kamen bei der Hafenverteilung schlecht weg. Lübeck fiel an die Briten, Stettin an Polen. Die Oder-Neiße-Linie wurde kurz vor Stettin verlassen, sodass Stettin, links der Oder gelegen, nicht zur SBZ gehörte. Auch Wolin und der Ostteil Usedoms gingen an Polen. Zwischen Lübeck und Stettin gab es keinen Hafen für die junge DDR – also musste sie sich ein Tor zur Welt bauen.
Entstehung des Überseehafens
Die Staatsführung spannte die Bevölkerung mit der Aktion „Steine für Rostock“ ein. Beim Bau des Rostocker Überseehafens und des Seekanals entstand in Warnemünde-Hohe Düne eine neue Ostmole. Ab Februar 1958 wurden Feldsteine gesammelt – bis Mitte 1958 kamen mindestens 50.000 Tonnen Feldsteine, 11.000 Tonnen Bruchsteine und 4000 Tonnen Steine aus der Ostsee zusammen. Am 7. Oktober 1958 wurde der Seekanal eröffnet, der Überseehafen entwickelte sich zum zentralen Umschlagplatz der DDR. Der neue Hafen wurde um 1960 bei Petersdorf am Breitling angelegt.
Deutschlands größtes schwimmendes Museum
Diese Geschichte erlebt man im Schifffahrtsmuseum Rostock an Bord des Traditionsschiffes Dresden nach. Das Museum gehört zum IGA Park Rostock, liegt am S-Bahnhof Lütten Klein und ist über die B 103 erreichbar. Die Dresden wurde 1956/57 auf der Warnowwerft gebaut, war das fünfte Schiff der Typ-IV-Reihe (10.000-Tonnen-Frachter) und wird seit 1970 als Museum genutzt.
Mit über 12.000 Exponaten zeigt das Museum die Entwicklung des Schiffbaus – vom Einbaum bis zur computergesteuerten Fertigung. Das beeindruckendste Exponat ist der Stahlriese selbst: Kombüse, Maschinenraum, Kommandobrücke, Funkraum und Kabinen lassen den Alltag der Seeleute erahnen. Rund um das Schiff gibt es den Seezeichenpfad, mehrere Schiffe und den Schwimmkran Langer Heinrich, ein über 100 Jahre altes technisches Kleinod. Angetrieben mit Dampf, war er einer der größten Schwimmkräne der Welt. Ein weiteres Exponat ist die Saturn, ein Hafenschlepper von 1908, der bis 1979 auf der Warnowwerft diente – eines der letzten genieteten Dampfschiffe der DDR.
Im Mittelpunkt der Ausstellung auf Deck 3 steht die Deutsche Seereederei Rostock (DSR), gegründet 1952, eine der größten Universalreedereien Europas. Vom ersten Handelsschiff Vorwärts bis zu den Passagierschiffen Fritz Heckert und Völkerfreundschaft wird berichtet. Zwölf der Typ-IV-Frachter fuhren für die DSR, nur die Dresden ist erhalten.
Von Warnemünde zum Yachthafen Hohe Düne
Warnemünde gehört seit 700 Jahren zu Rostock, erstmals erwähnt 1195. Der Name leitet sich von der Warnow ab, die hier in die Ostsee mündet. Die Eingemeindung gab Rostock Zugang zur Ostsee. Zu den Sehenswürdigkeiten zählen der aktive Leuchtturm (40 Meter), der Teepott (entworfen von Ulrich Müther), das Kurhaus im Art-déco-Stil und der Hotelriese Neptun (64 Meter, 19 Etagen), eröffnet in den 1970er-Jahren. Zu DDR-Zeiten war das Neptun ein Devisenhotel, nach der Wende saniert und 2017 an einen russischen Investor verkauft.
Ein weiteres Highlight ist der Yachthafen Hohe Düne, erreichbar per Fähre von Warnemünde. Dort befindet sich die Yachthafenresidenz Hohe Düne, ein Wellnesshotel mit dem Feinschmecker-Restaurant Der Butt unter Sternekoch André Münch. Die Lage ist ideal für zahlungskräftige Gäste – im Yachthafen ankern viele Hobby-Matrosen, und die Touristenhochburg Warnemünde ist nah.



