Schweriner Politiker lehnen Denkmalschutz für Lenin-Denkmal ab
Die Schweriner Stadtvertretung hat sich mit klarer Mehrheit dagegen ausgesprochen, das Lenin-Standbild in der Landeshauptstadt unter Denkmalschutz zu stellen. Das Votum fiel am Montagabend mit 24 zu 13 Stimmen bei einer Enthaltung deutlich aus und markiert eine wichtige Weichenstellung im Umgang mit dem umstrittenen DDR-Erbe.
Deutliche Ablehnung aus politischen Gründen
In ihrem Beschluss begründeten die Stadtvertreter ihre Entscheidung damit, dass die 3,50 Meter hohe Bronzestatue des sowjetischen Revolutionsführers für viele politisch Verfolgte, Angehörige und Opferverbände ein Symbol für Repression, Gewalt und Entrechtung darstelle. Aus den Erfahrungen dieser Menschen erwachse eine besondere Sensibilität und historische Verantwortung, heißt es in dem offiziellen Dokument.
„Die Stadtvertretung stellt klar, dass eine Unterschutzstellung in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation weder angemessen noch verantwortungsvoll ist und einer Aufarbeitung der historischen Belastungen zuwiderlaufen würde“, so die formulierte Position. Den entsprechenden Antrag hatten zuvor die Grünen in der Stadtvertretung eingebracht.
Nächster Schritt bei Landesbehörde
Nach dem Nein der kommunalen Politik ist nun die Denkmalschutzbehörde des Landes Mecklenburg-Vorpommern am Zug. Diese hatte im vergangenen Jahr unter Verweis auf die historische Bedeutung den Denkmalwert der Statue festgestellt und die Landeshauptstadt zur Stellungnahme aufgefordert.
„Die Stadt wird jetzt die obere Denkmalschutzbehörde über das Votum der Stadtvertretung informieren“, teilte eine Sprecherin der Stadtverwaltung mit. Die Landesbehörde muss nun über die Eintragung in die Denkmalliste entscheiden. Sollte diese Entscheidung der Stadt missfallen, behält sich Schwerin das Recht vor, gerichtlich dagegen vorzugehen.
Gegensätzliche Positionen zum Umgang mit DDR-Erbe
Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege begründet seinen Vorschlag für Denkmalschutz mit dem hohen historischen Zeugniswert des Lenin-Denkmals. „Es besitzt damit ein nationales Alleinstellungsmerkmal als Dokument für die Geschichte der DDR“, argumentiert die Behörde.
Auch der zurückgetretene Oberbürgermeister Rico Badenschier (SPD) hatte die Unterschutzstellung positiv bewertet. „Infolge der Dezimierung politischer Kunst aus DDR-Zeiten im Schweriner Stadtraum stellt das Lenin-Standbild auch ein wichtiges kulturelles und politisches Zeugnis der jüngeren deutschen Vergangenheit dar“, erklärte er. „Nur wenn es erhalten wird, besteht auch weiterhin die Chance zur konstruktiven Auseinandersetzung mit unserer jüngeren Geschichte.“
Alternative Vorschläge für den Umgang mit der Statue
Kritische Stimmen wie die Autorin Grit Poppe und der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk schlugen in einem offenen Brief aus dem vergangenen Herbst einen anderen Umgang mit der Bronzeplastik aus dem Jahr 1985 vor.
„Wir wollen Geschichte nicht entsorgen“, heißt es in dem Schreiben. „Daher regen wir an, die Lenin-Statue zu entfremden, mit Pflanzen überwuchern zu lassen oder mit entsprechenden Hinweistafeln im Innenhof des ehemaligen KGB-Gefängnisses am Demmlerplatz in Schwerin aufzustellen.“ Dieser Vorschlag wurde auch vom Leiter der Dokumentationsstelle Dresden/Stiftung Sächsische Gedenkstätten, Bert Pampel, unterstützt.
Politische Weichenstellung vor Oberbürgermeisterwahl
Die Stadtvertretung forderte zudem den Oberbürgermeister, dessen Neuwahl am 12. April ansteht, auf, sich bei der Denkmalschutzbehörde des Landes „entschieden“ gegen eine Eintragung der Statue in die Denkmalliste auszusprechen. Damit wird die Frage nach dem Umgang mit dem DDR-Erbe zu einem zentralen Thema im bevorstehenden Wahlkampf.
Die 3,50 Meter hohe Bronzestatue steht im Plattenbaugebiet Großer Dreesch und stellt seit Jahrzehnten ein umstrittenes Symbol dar. Während einige sie als wichtiges historisches Dokument bewahren wollen, sehen andere in ihr ein schmerzhaftes Erinnerungszeichen an Unterdrückung und Gewaltherrschaft.



