Preisschock in Mecklenburg-Vorpommern: Hohe Spritpreise bedrohen Unternehmen und Vereine
Spritpreise in MV: Existenzbedrohung für Firmen und Vereine

Preisschock in Mecklenburg-Vorpommern: Hohe Spritpreise bedrohen Unternehmen und Vereine

Alarmstufe rot an den Tankstellen in Mecklenburg-Vorpommern. Die Benzin- und Dieselpreise haben schwindelerregende Höhen erreicht und setzen nicht nur Pendler, sondern vor allem Unternehmen, Pflegedienste und Sportvereine massiv unter Druck. Die Lage wird von vielen als existenzbedrohend beschrieben.

Transportunternehmer rechnet mit monatlichen Mehrkosten von 100.000 Euro

Alexander Jürges, Unternehmer aus Gnoien, blickt täglich mit Sorge auf die Preistafeln. Sein Unternehmen „Transport, Handel, Service“ setzt etwa 150 Fahrzeuge ein. „Die Lage ist mittlerweile existenzbedrohend“, sagt Jürges. Er rechnet mit monatlichen Mehrkosten von rund 100.000 Euro. Einige Kunden akzeptieren zwar Diesel-Zuschläge, andere „mosern herum“. Der Staat müsse dringend handeln, etwa bei der Mineralösteuer oder der CO2-Bepreisung. „Irgendwann wird der Diesel-Preis ohnehin bei über zwei Euro liegen“, befürchtet der Unternehmer.

Tiefbaufirma fürchtet Vertragsauflösungen

Die Straßen- und Tiefbaufirma Koch in Malchin kämpft gleich mit mehreren Problemen. Nicht nur die Dieselkosten für Lkw, Radlader und Bagger steigen, sondern auch die Materialpreise. „Von den Lieferanten kommt eine Erhöhung nach der anderen“, erklärt Niederlassungsleiter Robert Paries. Das Unternehmen hat Verträge mit Angebotsbindung, die im schlimmsten Fall aufgelöst werden müssten. „Das macht uns zu schaffen“. Die Firma betreut derzeit 12 bis 13 Baustellen und hofft auf das Wohlwollen der Auftraggeber, obwohl Kommunen und Landkreis selbst knapp bei Kasse sind.

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Pflegedienste und Taxiunternehmen in der Zwickmühle

Kathrin Kientopf vom K&K Pflegedienst in Lalendorf sieht der Kostenexplosion ohnmächtig entgegen. „Wir müssen tanken, uns bleibt nichts anderes übrig“. Die neuen Ausgaben seien nicht auffangbar. Anders die Diakonie Sozialstation Güstrow: Sie setzt bereits seit vier Jahren auf eine Flotte von 15 Elektroautos, vor allem für den Stadtverkehr. Für längere Fahrten werden jedoch weiterhin Benziner eingesetzt, die täglich bis zu 3.000 Kilometer zurücklegen.

Frank Hübner, Taxiunternehmer aus Güstrow, rechnet mit Mehrkosten von 15.000 Euro bei 280.000 Jahreskilometern. „Die Preise werden über das Straßenverkehrsamt reguliert“. Eine Preiserhöhung müsse beantragt werden und dauere bis zu einem halben Jahr. Aktuell kann er nicht reagieren und muss die Mehrbelastung schlucken.

Sportverein sagt Pokalrunde ab

Die Motoballer des Malchiner MSC „Kobra“ leiden gleich mehrfach unter den hohen Benzinpreisen. Ihre Motorräder verbrauchen pro Partie etwa 40 Liter Super-Benzin. „Wir haben im Punktspielbetrieb Strecken zwischen 400 bis 600 Kilometer zurückzulegen“, sagt Vereinschef Robert Wenzlaff. Die zusätzlichen Kosten pro Fahrt können bis zu 200 Euro betragen. Als Notbremse nehmen die „Kobras“ in der neuen Saison nicht an den Pokalspielen teil. Eintrittsgelder und Verpflegungspreise für Fans werden jedoch nicht erhöht.

Unternehmen können Kosten kaum weitergeben

Arne Fink von der Teterower Firma Elektro Fink Schaltanlagenbau erklärt das Dilemma vieler Betriebe: „Unvorhergesehene Erhöhungen kann man nicht eins zu eins umlegen“. Lieferwege könnten nicht optimiert werden, da Bauleute auf pünktliche Lieferungen angewiesen sind. Künftig könnten erhöhte Spritpreise in die Kalkulation einfließen, doch aktuell bleibt vielen nur das Durchhalten.

Die Situation in Mecklenburg-Vorpommern zeigt deutlich: Die hohen Spritpreise sind nicht nur ein Ärgernis für Verbraucher, sondern eine ernste Bedrohung für die regionale Wirtschaft und das Vereinsleben.

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