Tankpreise in MV: Neubrandenburg sticht als teuerste Region hervor
Die Spritpreise treiben aktuell viele Menschen um, besonders in Mecklenburg-Vorpommern, dem Bundesland mit den niedrigsten Nettolöhnen Deutschlands. Ein genauer Vergleich der Tankpreise lässt die Augen groß werden und zeigt: In der Region Neubrandenburg ist das Tanken besonders teuer – und das völlig unabhängig vom aktuellen Iran-Krieg.
Heimatkolumne „Ich bin wieder hier“: Rückkehr mit Preisschock
Nach 20 Jahren durch Deutschland getingelt zu sein – mit Stationen in Marburg, Tübingen, Düsseldorf und Berlin – kehrte der Autor in seine Heimat zurück. In seiner Kolumne „Ich bin wieder hier“ schreibt er über das, was ihm in Stadt und Region auffällt. Besonders eindrücklich: der Preisunterschied an den Zapfsäulen zwischen Berlin und Neubrandenburg.
„Ich musste unbedingt in Berlin tanken, weil ich sichergehen konnte, dass es in der Heimat sieben, acht, neun, ja manchmal zehn Cent pro Liter teurer war“, beschreibt der Autor seine Erfahrungen. Die Spritpreise in Mecklenburg-Vorpommern und speziell die Gegend rund um Neubrandenburg kennen kein Erbarmen.
Beispieltag zeigt: Der Preisunterschied ist eklatant
Ein konkreter Preisvergleich vom 27. Februar, also vor der Krise im Nahen Osten, macht das Phänomen deutlich:
- In Berlin kostete Super zwischen 1,75 und 1,80 Euro pro Liter
- Zur gleichen Zeit lagen die Preise in Neubrandenburg bei 1,85 oder 1,86 Euro
- Das sind bis zu zehn Cent mehr pro Liter
Vergleichswerte aus anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns:
- Neustrelitz: 1,81 bis 1,83 Euro
- Demmin und Dargun: 1,80 Euro
- Stralsund: 1,76 bis 1,77 Euro (Berliner Niveau)
- Rostock: 1,77 bis 1,80 Euro
- Insel Rügen: 1,80 bis 1,83 Euro
- Usedom: 1,77 bis 1,82 Euro
- Schwerin: 1,82 bis 1,84 Euro
- Wismar: knapp über 1,80 Euro
- Region Pasewalk, Torgelow, Löcknitz: 1,82 bis 1,83 Euro
Klar ist: Unabhängig vom Iran-Krieg ist das Tanken in Mecklenburg-Vorpommern vielerorts teurer als in Berlin. Neubrandenburg sticht dabei besonders heraus – nur die beliebte Touristenstadt Waren kann da „mithalten“.
Tankriesen mauern, Lobbyverband liefert unbefriedigende Antworten
Die Königsfrage lautet: Woran liegen diese großen regionalen Unterschiede? Gibt es Preisabsprachen zwischen den Tankstellen, die kartellrechtlich eigentlich untersagt sind?
Nachfragen bei HEM, Shell, Aral, Agip und den SB-Tankstellen brachten wenig Klarheit. „Leider muss ich auf das Kartellrecht verweisen, das uns untersagt, durch Medien gewollt oder ungewollt ‚Signaling‘ zur Preisfindung zu betreiben“, heißt es von HEM.
Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie, der unter anderem für die Markentankstellen in Deutschland steht, verweist auf freie Preisgestaltung bei hoher Markttransparenz. „Unterschiedliche Nachfrage, auch temporär, und Tankstellendichte je nach Region können zu den Preisdifferenzen beitragen“, lautet die Erklärung.
Dabei hat Neubrandenburg eine geringere Tankstellendichte als Rostock, aber nicht merklich weniger Zapfsäulen als andere Regionen. Als flächenmäßig langgezogene Autostadt dürfte die Nachfrage nicht besonders niedrig ausfallen. „Allein zu unserer Kita kommen fast alle mit ihrem Wagen statt mit dem Fahrrad“, beobachtet der Autor.
Der Lobbyverband rät übrigens dazu, die Preisvergleichs-Apps zu nutzen. Man verstehe die Verwunderung mancher Autofahrer darüber, dass die Preise in einem Ort erkennbar höher oder niedriger sind als im anderen. Doch gute Preise an der Zapfsäule sind in der nächsten Zeit wohl nirgendwo zu erwarten – besonders nicht in Neubrandenburg.



