Tauwetter-Krise in Vorpommern: Feuerwehren im 24-Stunden-Einsatz gegen Überschwemmungen
Tauwetter-Krise: Feuerwehren im Dauereinsatz gegen Fluten

Tauwetter-Krise in Vorpommern: Feuerwehren im 24-Stunden-Einsatz gegen Überschwemmungen

Das Nordatlantiktief „Alina“ hat in Mecklenburg-Vorpommern am Wochenende nicht nur für erhebliches Tauwetter gesorgt, sondern brachte auch intensive Regenfälle mit sich. Die enormen Mengen an Schmelz- und Regenwasser konnte der bis zu 60 Zentimeter tief gefrorene Boden nicht aufnehmen, sodass es seit Samstagnachmittag vielerorts zu „Land unter“ kam. Feuerwehren und das Technische Hilfswerk (THW) waren mit ihren Pumpen im Dauereinsatz, um die Wassermassen dort zu bekämpfen, wo sie eine Gefahr für Leib und Leben der Anwohner sowie deren Häuser darstellten.

Über 120 Einsätze und verstärkte Leitstellen

Laut Kreissprecher Florian Stahlkopf gingen in der Leitstelle des Kreises bis Sonntagmittag in diesem Zusammenhang rund 120 Einsatzmeldungen ein. Aufgrund der sich zuspitzenden Gefahrenlage wurde das Personal dort kurzfristig verstärkt. In den Vormittagsstunden des Sonntags liefen kreisweit parallel 23 Einsätze, wie Stahlkopf berichtete. Ein Schwerpunkt der Einsätze bildete dabei das Anklamer Umland. Insbesondere die Gemeinde Spantekow war mit gleich mehreren Einsatzorten am stärksten von den Überschwemmungen betroffen.

Spantekow im Fokus: Ununterbrochene Pumpeneinsätze

Seit Samstag um 13 Uhr koordinierte Spantekows Wehrführer André Dietmann die Einsätze an vier verschiedenen Stellen in seiner Gemeinde. Am schlimmsten waren die Ortsteile Spantekow und Rebelow betroffen, wo seit der Alarmierung ununterbrochen Pumpen liefen, um die Fluten einzudämmen und Entlastung für die Anwohner zu schaffen. In Rebelow forderte der Einsatzleiter in der Nacht sogar die Unterstützung des THW an, um Wasser aus dem Dorfteich abzupumpen und so als Puffer für das Schmelzwasser der umliegenden Flächen zu dienen – ein Versuch, der jedoch nicht gelang.

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Nachdem das THW abzog, kämpften die Spantekower Feuerwehrleute mit eigener Kraft weiter. Der Regen am Sonntagvormittag verschärfte die Situation zusätzlich, und die Wehrleute versuchten, die Wassermengen mit langen Schlauchverbindungen über 400 Meter bis ins Landgrabental zu pumpen. Dietmann betonte den Ernst der Lage: Die gesamte Spantekower Wehr samt aller Löschgruppen sei im Dauereinsatz und 6-Stunden-Schichtbetrieb unterwegs. Für den Ortsteil Neuendorf B wurde am Samstag und Sonntag die Feuerwehr aus Iven hinzugezogen, in Fasanenhof half die Feuerwehr Sarnow/Wusseken, und in Rebelow kam die Wehr aus Neuenkirchen zur Unterstützung.

Vorsorge und weitere Einsatzorte

Auch andernorts kämpften die Freiwilligen Feuerwehren unermüdlich gegen das Wasser. Die Wehr aus Neuenkirchen unterstützte nicht nur tatkräftig die Nachbargemeinde Spantekow, sondern war auch von Samstagnachmittag bis Sonntag im eigenen Ortsteil Müggenburg aktiv, wo sie mit Pumpen gegen die Wassermassen vorging. Wehrführer Guido Wegner erklärte, man habe die drohende Gefahr bereits im Vorfeld erkannt und am Freitag vorsorglich Sandsäcke zur Gefahrenabwehr vorbereitet.

In Krusenkrien drohte das Schmelzwasser am Sonntag erneut, Grundstücke und Wohnhäuser zu überfluten, nachdem die Feuerwehren aus Krien und Krusenfelde bereits Tage zuvor für Entlastung gesorgt hatten. Einsatzleiter Jörg Levermann zog am Sonntagnachmittag einen Fachberater des THW hinzu, doch aufgrund der starken Auslastung im gesamten Bereich Ostvorpommern konnten auch diese nur bedingt helfen. Levermann äußerte große Sorgen über den für den späten Nachmittag angekündigten Regen, der die Situation weiter verschlimmern würde.

Weitere betroffene Gemeinden im Peenetal

Im Ortsteil Tramstow war die Gemeindewehr Görke/Postlow am Samstag und auch im Tagesverlauf des Sonntags auf dem Grundstück eines Anwohners im Einsatz, wo das Wasser ins Haus zu fließen drohte oder bereits in die Klärgrube eingedrungen war. Wehrführer Oliver Huff setzte dabei zwei Schwimmsaugkörbe, eine Tauchpumpe und insgesamt 14 Wehrleute ein. Ebenfalls mit Schmelzwasserüberschwemmungen zu kämpfen hatten die Wehren aus Anklam, Neetzow-Liepen, Boldekow, Butzow und Medow/Wussentin.

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Im oberen Peenetal war am Samstag hauptsächlich der Loitzer Ortsteil Düvier von den Überschwemmungen betroffen, wo neben der Feuerwehr auch das THW zum Einsatz kam. Im weiteren Verlauf kamen jedoch viele weitere Orte hinzu, sodass es laut Leitstelle kaum eine Gemeinde im Bereich um Jarmen, Tutow und Loitz gab, die nicht von den Folgen des Tauwetters und des anhaltenden Regens in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Krise zeigt, dass fast jeder Ort im oberen Peenetal von den extremen Wetterbedingungen betroffen ist.