Emotionale Demonstration in Wismar: Minister Backhaus stellt sich Wal-Schützern
Die misslungene Rettungsaktion für den gestrandeten Wal Timmy hat am Freitagnachmittag auf dem Wismarer Rathausplatz zu einer emotional aufgeladenen Demonstration geführt. Landwirtschaftsminister Till Backhaus (67) stellte sich dabei mehr als eineinhalb Stunden lang teils wütenden Bürgern, die die Vorgehensweise der Behörden scharf kritisieren.
„Wir fliegen zum Mond und schaffen das nicht?“
Horst Bartels (76) aus Wismar zeigte sich fassungslos über die gescheiterte Rettungsaktion: „Wir fliegen zum Mond und das schaffen wir nicht? Man müsste ihn doch irgendwie mit einem Riesennetz rausholen und mit einem Hubschrauber wegfliegen können“, sagte der Demonstrant. Die Theorie, der Wal sei extra zum Sterben in die Bucht geschwommen, wies Bartels entschieden zurück: „Der Mensch hat das angerichtet. Die Schleppnetze, die er im Maul hat, sind vom Menschen.“
Familie reist extra aus Rostock an
Sandra (37) war mit ihrem 13-jährigen Sohn Jack eine Stunde mit dem Zug aus Rostock angereist, um ihrer Betroffenheit Ausdruck zu verleihen. Jack hielt ein selbstgemaltes Plakat mit der Aufschrift „Das Herz blutet, die Meere weinen“. „Wir würden uns wünschen, dass dem Wal geholfen wird, er will leben“, erklärte Sandra. „Er schreit, er pustet.“ Ihr Sohn forderte, dass zumindest alle möglichen Rettungsversuche unternommen werden sollten, bevor man zu anderen Maßnahmen übergeht: „Dann sollte man ihn möglichst schmerzlos einschläfern.“
Minister Backhaus weist Vorwürfe zurück
Landwirtschaftsminister Till Backhaus trat vor die etwa 20 stark emotionalisierten Demonstranten und diskutierte ausführlich mit ihnen. Auf den Vorwurf einer jungen Frau, die gesamte Aktion sei von langer Hand geplant gewesen, um ein Skelett für ein Museum zu erhalten und damit Geld zu verdienen, reagierte der Minister deutlich: „Das weise ich zurück. Die ganze Sache kostet dem Land richtig Geld!“
Backhaus berichtete von Morddrohungen, die er in den letzten Tagen erhalten habe, betonte aber: „Wie Sie sehen, bin ich ohne Sicherheitsleute hier.“ Den Namen „Hope“ für das Tier bezeichnete er als passend, da er trotz der schlechten Prognosen noch Hoffnung habe. Ein „Freibaggern“ sei aufgrund der gewaltigen Sandmassen diesmal anders als beim Timmendorfer Strand nicht möglich.
Persönliche Betroffenheit des Ministers
Der Minister zeigte sich persönlich tief betroffen: „Ich habe dem Tier in die Augen geschaut und es hat mich erkannt. Diesen Eindruck, den ich dort mitgenommen habe, den werde ich in meinem ganzen Leben niemals, niemals, niemals vergessen.“ Mit feuchten Augen schilderte er die prekäre Situation: Der Wasserstand betrage etwa einen Meter, die Organe des 13-Tonnen-Kolosses würden von seinem eigenen Gewicht zerdrückt.
Ein Unterwasser-Roboter habe Bewegung und Atmung des Wals bestätigt, aber: „Was seine Konstitution anbetrifft, ist das deutlich schlechter geworden. Er hat erheblich viele Hautplaquen verloren.“ Die seit dem Vormittag von der Feuerwehr durchgeführte Befeuchtung des Tieres verteidigte Backhaus als verantwortungsvolle Maßnahme, die auf Empfehlung der Hochschule Hannover erfolgt sei.
Warum stellt sich der Minister den Demonstranten?
Auf die Frage, warum er sich so lange den teils beschimpfenden Demonstranten stelle, antwortete Backhaus: „Weil ich ein Mensch bin. Und ich liebe Tiere. Und nehme jeden ernst, das sehen Sie doch.“ Die emotionale Auseinandersetzung auf dem Wismarer Rathausplatz zeigt, wie sehr das Schicksal des gestrandeten Wals die Menschen in Mecklenburg-Vorpommern bewegt und welche ethischen Fragen die misslungene Rettungsaktion aufwirft.



