Seltenes Naturphänomen: Der tiefe Tollensesee in Neubrandenburg ist plötzlich zugefroren
Im Neubrandenburger Kulturpark bietet sich Besuchern derzeit ein außergewöhnlicher Anblick: Der normalerweise nicht zufrierende Tollensesee präsentiert sich als ausgedehnte Eisfläche. Dieses seltene Naturphänomen sorgt für Aufsehen in der Region, wo andere Seen zwar regelmäßig im Winter zufrieren, der tiefe Tollensesee jedoch meist eisfrei bleibt.
Ein ungewöhnlicher Anblick für die Stadt
Der bis zu 33 Meter tiefe Tollensesee erstreckt sich über zehn Kilometer Länge und zeigt sich derzeit großflächig mit einer Eisschicht bedeckt. Ob die Eisdecke tatsächlich die gesamte Seefläche bedeckt, lässt sich vom Kulturpark aus nicht mit Sicherheit sagen, doch der Anblick ist beeindruckend. Die Stadt Neubrandenburg warnt ausdrücklich davor, die Eisfläche zu betreten und erteilt grundsätzlich keine Freigaben für solche Aktivitäten.
Warum friert dieser See normalerweise nicht zu?
Im Gegensatz zur nahegelegenen Müritz und anderen flacheren Gewässern der Region friert der Tollensesee unter normalen Bedingungen nicht vollständig zu. Dies hat mehrere Gründe:
- Die extreme Tiefe von bis zu 33 Metern sorgt dafür, dass das Wasser in den unteren Schichten länger braucht, um vollständig durchzukühlen
- In den Tiefen halten sich Temperaturen von etwa vier Grad Celsius, was Fische anzieht
- Der Wind hält das Wasser normalerweise in Bewegung und verhindert so die Bildung einer geschlossenen Eisdecke
Die anhaltenden eisigen Temperaturen der vergangenen Wochen haben jedoch offenbar ausgereicht, um diese natürlichen Barrieren zu überwinden und zur Bildung der aktuellen Eisschicht geführt.
Historische Vergleiche und aktuelle Beobachtungen
Ein völlig neues Phänomen ist der zugefrorene See allerdings nicht. Bodo Heise, Abteilungsleiter im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt, verwies in einem früheren Gespräch mit dem Nordkurier auf historische Aufnahmen, die sogar Autos auf dem gefrorenen Tollensesee zeigen - ein Bild, das normalerweise Booten vorbehalten ist.
Auch in diesem Winter haben bereits einige Menschen die Eisfläche betreten, wie Fußspuren am Uferbereich belegen. Die Stadtsprecherin Anja Seugling betonte jedoch bereits im Januar: „Grundsätzlich geben wir keine Freigaben für das Betreten von Eisflächen. Das Betreten erfolgt auf eigene Gefahr.“
Auswirkungen auf die Tierwelt
Für die Tierwelt gibt es trotz der ungewöhnlichen Situation positive Aspekte. Rund um die Bootsschuppen haben sich einige nicht vereiste Wasserflächen erhalten, an denen sich zahlreiche Vögel versammeln. Ein kleiner Vogel wurde sogar dabei beobachtet, wie er die seltene Gelegenheit nutzte und über die Eisfläche spazierte.
Die Situation bei der benachbarten Lieps
Südlich des Tollensesees liegt die Lieps, die mit dem größeren See durch einen Kanal verbunden ist. Mit einer durchschnittlichen Wassertiefe von etwas mehr als zwei Metern ist dieser vergleichsweise kleine See bereits seit Wochen größtenteils zugefroren. Auch hier gilt jedoch die gleiche Warnung: Keine Behörde erteilt eine Freigabe zum Betreten der Eisflächen.
Wie geht es weiter mit der Eisdecke?
Die ungewöhnliche Eisperiode am Tollensesee dürfte nicht mehr lange andauern. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes könnten ab Mittwoch, dem 25. Februar, bereits zweistellige Plusgrade erreicht werden. Diese höheren Temperaturen werden voraussichtlich dazu führen, dass die Eisschicht langsam verschwindet und der See zu seinem normalen Zustand zurückkehrt.
Bis dahin bleibt das seltene Naturphänomen eine Attraktion für Besucher des Kulturparks - wenn auch nur aus der sicheren Entfernung des Ufers zu betrachten. Die Stadt Neubrandenburg wiederholt ihre eindringliche Warnung: Das Betreten der Eisflächen ist lebensgefährlich und erfolgt ausschließlich auf eigene Verantwortung.



