Traumjob auf Schienen: Junger Zugführer steuert historischen Molli zwischen Ostsee und Kohlenstaub
Traumjob auf Schienen: Junger Mann steuert historischen Molli

Traumjob auf historischen Schienen: Der junge Molli-Zugführer

Für Maurice Peters ist jeder Arbeitstag ein Stück gelebte Nostalgie. Der 23-Jährige aus der Nähe von Cottbus steuert als Zugführer die historische Schmalspurbahn Molli zwischen Kühlungsborn und Bad Doberan – und erfüllt sich damit einen Kindheitstraum. Seit etwa anderthalb Jahren ist er quasi täglich mit dem dampfenden Zug unterwegs, der bereits am 9. Juli 1886 erstmals zwischen Doberan und Heiligendamm fuhr.

Leidenschaft für historische Technik

„Der Molli war schon immer mein Traum“, erklärt der junge Eisenbahnfan. Während seiner Urlaube an der Ostseeküste faszinierte ihn die älteste Schmalspurbahn der Region bereits als Kind. Diese Faszination teilt er mit vielen seiner Kollegen bei der Mecklenburgischen Bäderbahn (MBB), denn hier ist noch echte Handarbeit gefragt. Moderne Sensoren und Elektronik sucht man bei der Dampflok vergebens – stattdessen ist Tüftlergeist gefordert.

Frank-Christian Kant von der MBB erklärt: „Funktioniert etwas nicht, müssen wir selbst kreativ werden. Ersatzteile für die Loks und Waggons gibt es nicht einfach zu bestellen – sie werden in unserer eigenen Werkstatt hergestellt.“ Der Fuhrpark umfasst aktuell vier Dampfloks und 37 Reisezugwagen aus den 1910er- und 1920er-Jahren, die in den 1970ern rekonstruiert wurden.

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Alltag zwischen Kohlenstaub und Fahrgastfragen

Maurice Peters‘ Aufgaben sind vielfältig: Er kontrolliert und verkauft Fahrkarten – mittlerweile mit moderner Technik –, überprüft die Bremsen der einzelnen Waggons und sorgt dafür, dass drinnen alles in Ordnung ist. Besonders im Winter war die Heizungsfunktion bei frostigen Temperaturen entscheidend.

Etwa 500.000 Fahrgäste reisen jährlich mit dem Molli im Stil von vor 100 Jahren. Sie wollen nicht nur wissen, wo sie am besten aussteigen oder was sie in Bad Doberan oder Kühlungsborn unternehmen können. „Auch technische Fragen werden uns regelmäßig gestellt“, berichtet Peters. Eine häufige Frage: Wie viel Kohle verbraucht die Dampflok eigentlich?

Die Wissenschaft des Dampfmachens

Die Antwort: Zwischen 1,5 und 2 Tonnen Kohle verdampft der Molli pro Tag. Peters hat sich bereits als Heizer versucht und weiß: „Das ist gar nicht so einfach. Das richtige Beheizen der Lok ist eine kleine Wissenschaft für sich.“ Die Kohle muss an genau die richtigen Stellen geschüttet werden, um ordentlich Dampf zu erzeugen.

Frank-Christian Kant ergänzt: „Bis eine Lok auf Betriebstemperatur ist, dauert es mehrere Stunden. Deshalb ist sie gleich für mehrere Tage am Stück im Einsatz und wird Tag und Nacht beheizt.“ Für echte Dampflok-Enthusiasten bietet die MBB sogar Sonderfahrten an, bei denen sie Lokführer und Heizer bei ihrer Arbeit beobachten können.

Der besondere Charme des Molli

Was macht den Molli so besonders? Für Maurice Peters sind es die alte Technik, der aufsteigende Rauch, das typische Rattern sowie das Läuten und Pfeifen. Und ein weiterer Vorteil: Die Fahrgäste seien hier deutlich entspannter als beim modernen Pendant der Deutschen Bahn.

Am Bahnhof in Heiligendamm wurde die historische Technik des Schaltwerks originalgetreu erhalten – ein Symbol für die lebendige Nostalgie, die zwischen Kohlenstaub und Ostseeblick weiter dampft. Für Maurice Peters bleibt es sein Traumjob: „Hier verbinde ich Leidenschaft mit Beruf – das ist einfach perfekt.“

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