Winterwetter bremst Baustellen im Norden: Verzögerungen bei Straßen und Schienen
Wochenlange Kälte, Frost und Schnee haben in Norddeutschland nicht nur den Alltag beeinträchtigt, sondern auch zahlreiche Baustellen ausgebremst. Eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt, dass Arbeiten an Straßen und Gleisen verschoben werden mussten, weil die Temperaturen für viele Tätigkeiten zu niedrig waren. Die Auswirkungen sind jedoch meist begrenzt, da witterungsbedingte Einschränkungen in der Planung berücksichtigt werden.
Bahnstrecken: Generalsanierung Hamburg-Berlin verzögert sich
Die größten Auswirkungen des Winterwetters gab es bei der Bahn. Die Generalsanierung der Strecke Hamburg-Berlin wird nun „wenige Wochen“ länger dauern als ursprünglich geplant. Züge sollten dort eigentlich ab dem 30. April 2026 wieder rollen, nachdem umfangreiche Bauarbeiten abgeschlossen sind. Ob die Verzögerung auch Arbeiten an der Strecke Hamburg-Hannover betrifft, wo am 1. Mai eine Qualitätsoffensive starten soll, wird noch geklärt.
Darüber hinaus gibt es im Norden zahlreiche weitere Bahnbaustellen, darunter:
- Die neue Friesenbrücke für die Wunderline zwischen Leer und Groningen in Ostfriesland
- Der Neubau der Huntebrücke bei Elsfleth
- Vorbereitende Arbeiten für die Generalsanierung zwischen Lehrte und Berlin
- Gleisarbeiten zwischen Lübeck und Kiel sowie im Harburger S-Bahn-Tunnel bei Schwerin
Die Bahn betonte, dass witterungsbedingte Einschränkungen grundsätzlich eingeplant werden, besonders im Winter. Aufgrund der Vielzahl an Bauvorhaben könnten jedoch nicht alle Auswirkungen im Detail aufgeschlüsselt werden.
Autobahnen: Beton- und Markierungsarbeiten betroffen
Auf den Autobahnen hat das Winterwetter vereinzelt zu Verzögerungen geführt, wie die Autobahngesellschaft mitteilte. Besonders betroffen waren Beton- oder Markierungsarbeiten, für die Temperaturen von mindestens fünf Grad Celsius erforderlich sind. Konkrete Beispiele sind:
- Die Autobahn 7 bei Hildesheim, wo seit Sommer 2024 die Fahrbahn erneuert wird
- Die A39 zwischen dem Dreieck Salzgitter und Baddeckenstedt
- Die A27 zwischen Stotel und Hagen im Bremischen sowie im Bereich Bremerhaven-Wulsdorf
Die Verzögerungen haben jedoch keine Auswirkungen auf den Abschluss der Bauarbeiten. Äußere Einflüsse wie ungünstige Witterung werden bei der Zeitplanung generell berücksichtigt, besonders bei Brückenarbeiten.
Bundes- und Landstraßen: Winterpausen sind üblich
Bei der Planung von Bundes- und Landesstraßen sowie im Brückenbau wird das winterliche Wetter grundsätzlich einberechnet. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in Rostock erklärte, dass witterungsbedingte Unterbrechungen bei Frost oder anhaltender Nässe üblich sind und nicht automatisch zu längeren Bauzeiten führen. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es bei großen Projekten wie den Ortsumgehungen in Mirow und Wolgast oder dem Neubau der Peenebrücke keine nennenswerten Verzögerungen.
In Schleswig-Holstein verschiebt sich der Baubeginn für die Erneuerung der Landesstraße 57 an der Ortsdurchfahrt Schönwalde wegen der extremen Kälte von Februar auf März. Der Fertigstellungstermin soll jedoch eingehalten werden. Auch der Neubau eines Radwegs an der Kreisstraße 55 in der Gemeinde Süsel dauert länger als geplant.
In Hamburg verzögern sich einige Bauabschnitte um wenige Wochen, etwa bei den neuen Elbbrücken oder der Wartenaubrücke. Die Erneuerung der Berlinertordammbrücke ist nicht betroffen. In Niedersachsen gibt es aktuell keine nennenswerten Verzögerungen bei Straßenerhaltungs- und Brückenbaumaßnahmen. Bei der Sanierung der Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 27 in Braunlage im Harz wurde eine Winterpause eingelegt.
Technische Gründe: Asphaltarbeiten nur über 5 Grad
Die Landesbehörden planen in der Regel Winterpausen und zeitliche Puffer ein. „Viele Projekte starten ohnehin erst im Frühjahr, wenn die Witterung dauerhaft geeignet ist“, so das Rostocker Landesamt. Besonders wetterabhängig sind:
- Asphaltarbeiten
- Erd- und Betonarbeiten
- Markierungs- und Abdichtungsarbeiten
Asphaltarbeiten werden aus bautechnischen Gründen bei Temperaturen unter 5 Grad Celsius vermieden. „Bei niedrigen Temperaturen, starkem Regen oder Frost kann der Asphalt nicht in der erforderlichen Qualität verarbeitet werden, was zu Schäden und einer verkürzten Lebensdauer der Fahrbahn führen würde“, erklärte die Hamburger Behörde. Auch Beton kann unter diesen Bedingungen nicht richtig aushärten. Starke Niederschläge und anhaltende Nässe können zudem Baugruben instabil machen und die Arbeitssicherheit gefährden.



