Vom Weltreisenden zum Heimatmagier: Olaf Hackbarths zauberhafte Rückkehr
Bad Kleinen • Lesedauer: 6 Minuten
Nach vier Jahren auf den Flüssen Europas und zuvor auf Ozeanen weltweit hat Zauberer Olaf Hackbarth in seinem Heimathafen Bad Kleinen festgemacht. Der Magier, der Passagiere auf Kreuzfahrtschiffen verzauberte, will nun in Mecklenburg-Vorpommern sein Publikum begeistern.
Die Faszination des Unerklärlichen
Olaf Hackbarth blinzelt von seinem Balkon in die Frühlingssonne Bad Kleinens. Die Vögel zwitschern, doch seine Gedanken sind bereits beim heutigen Auftritt im örtlichen Altenheim. „Verblüffte, lachende Gesichter sind es, die ich liebe“, sagt der Zauberer. Egal ob jung oder alt – die Magie verbindet alle Generationen.
Bad Kleinen, bekannt als Eisenbahnknotenpunkt mit seinem charakteristischen Eiertunnel, ist für Hackbarth zum Ankerplatz geworden. Obwohl die Stadt auf den ersten Blick bescheiden wirkt, fühlt sich der Weltenbummler hier am wohlsten. Seine Wohnung nahe dem Bahnhof hat er bewusst gewählt – die vorbeifahrenden Züge stören den Magier kaum.
Ein Leben für die Zauberei
Die magische Karriere begann mit einem Weihnachtsgeschenk: „Der klassische Zauberkoffer“, erinnert sich Hackbarth. Schon als Kind begeisterte er Ferienlager mit seinen Tricks. Sein Chemielehrer erkannte das Talent und schickte ihn zur Talente-Show. Mit 14 Jahren wurde er jüngstes Mitglied im Magischen Zirkel, der weltweiten Vereinigung von Zauberkünstlern.
In der DDR trat Hackbarth regelmäßig bei Feiertagsveranstaltungen auf – selbst während seiner Armeezeit verzauberte er Soldatenkollegen. Nach dem Dienst begann er eine Ausbildung an der Volkskunstschule Leipzig, doch die Wende veränderte alles: „Die Kultur ging den Bach runter und man musste sich neu erfinden“.
Zwischenstationen: Vom IT-Organisator zum Weltenbummler
Der Zauberkoffer wanderte vorübergehend in den Keller. Hackbarth holte sein Abitur nach, studierte Kfz-Technik und arbeitete als IT-Organisator. Familie, Hausbau und Umzüge nach Wismar und Schwerin bestimmten sein Leben. Doch um die Jahrtausendwende meldete sich die Magie zurück.
Ein aufregendes Angebot einer großen Reederei lockte: Kreuzfahrten weltweit. Zunächst zögerte Hackbarth wegen seines Sohnes, doch später sagte dieser: „So, jetzt kannst du“. Monatelang bereiste der Magier norwegische Fjorde, durchquerte den Suezkanal und besuchte Dubai.
Das Leben auf hoher See und den Flüssen
Auf Schiffen mit 3000 bis 4000 Gästen war Hackbarth vielseitig eingesetzt:
- Disco-Motto-Partys mit verschiedenen Musikrichtungen
- Moderation von Veranstaltungen
- Verblüffende Zaubertricks für internationale Publikum
- Besondere Freude an den White Partys auf dem Sonnendeck
„Die Kreuzfahrten haben mich toleranter gemacht“, reflektiert Hackbarth. „Da arbeiten Menschen aus zig Nationen zusammen. Es interessiert keine Sau, wo du herkommst“. Diese Erfahrung kontrastiert für ihn mit manchen Einstellungen in Mecklenburg-Vorpommern, wo er raue Töne und Ängste vor Fremdem kritisiert.
Rückkehr in die Heimat
Die Pandemie beendete vorübergehend die Kreuzfahrtkarriere. Hackbarth schlug sich mit Hausmeister-Jobs durch, kehrte dann aber auf kleinere Flusskreuzfahrtschiffe zurück. Vier Jahre bereiste er Rhein, Mosel und Donau – Kost und Logis inklusive.
Doch auch ein Zauberer kommt in die Jahre: „Die Kreuzfahrerei hat anstrengende Seiten. Du musst jeden Abend in der Woche die Gäste unterhalten und gut gelaunt sein“. Die Sehnsucht nach mehr Nähe zum Publikum wuchs: „Ich mag es, dicht an den Leuten dran zu sein. Bei ihnen am Tisch zu stehen“.
Neue Magie in alter Heimat
Heute ist Olaf Hackbarth bei Hochzeiten, Betriebsfeiern, Kindergeburtstagen und besonderen Events wie dem Magic Dinner im Wiener Ratskeller unterwegs. An freien Tagen trainiert er mit seinen drei Zauberkoffern, probiert alte Tricks aus DDR-Zeiten aus und entwickelt neue Illusionen.
„Manche Tricks gehen wie im Schlaf. Andere muss ich immer wieder üben, wie Klavierspielen“, erklärt der Magier. Auf den Schiffen hatte er den Vorteil, neue Tricks an einem Publikum zu testen, das nicht weglaufen konnte.
Sein unscheinbarer Zauberkoffer – ein Relikt aus vergangenen Zeiten – begleitet ihn weiterhin. In Bad Kleinen und der gesamten Region Mecklenburg-Vorpommern will sich Olaf Hackbarth nun einen Namen machen. Nachdem er die Welt gesehen hat, weiß er: Die wahre Magie findet oft direkt vor der Haustür statt.



