Castor-Transporte in NRW: Atommüll-Serie mit 152 Behältern rollt unter Polizeischutz
Castor-Transporte: Atommüll-Serie mit 152 Behältern in NRW

Castor-Transporte in NRW: Atommüll-Serie mit 152 Behältern rollt unter Polizeischutz

Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen hat in Nordrhein-Westfalen einer der umfangreichsten Atommüll-Transporte seit Jahrzehnten begonnen. Ein erster Schwerlasttransporter mit einem Castor-Behälter verließ das Gelände des ehemaligen Versuchsreaktors in Jülich und machte sich auf den Weg zum Zwischenlager im münsterländischen Ahaus. Der Konvoi wird von einem Großaufgebot der Polizei begleitet – und von lautstarken Protesten entlang der gesamten Strecke.

Massiver Polizeieinsatz und Proteste

Nach Angaben der Behörden sind rund 2.400 Polizeikräfte im Einsatz, um den Transport zu sichern. Dutzende Einsatzfahrzeuge begleiten den Konvoi über eine Strecke von etwa 170 Kilometern. Die genaue Route wurde aus Sicherheitsgründen nicht öffentlich bekannt gegeben. Zeitweise kommt es zu Sperrungen von Autobahnabschnitten, insbesondere auf der A44, wo ein Überholen des Schwertransports nicht möglich ist.

Bereits zum Start des Transports versammelten sich zahlreiche Protestierende in Jülich sowie entlang möglicher Routen. Immer wieder kam es zu kleineren Blockadeversuchen und Kundgebungen, die jedoch von der Polizei aufgelöst wurden. Die Umweltorganisation BUND hatte zuvor versucht, die Transporte gerichtlich zu stoppen – allerdings ohne Erfolg. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg entschied Anfang März in einem Eilverfahren, dass die Transporte stattfinden dürfen.

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Auftakt einer umfangreichen Transportserie

Der aktuelle Konvoi stellt nur den Beginn einer ganzen Serie dar: Insgesamt sollen 152 Castor-Behälter mit etwa 300.000 Brennelemente-Kugeln von Jülich nach Ahaus gebracht werden. Für diese umfangreiche Operation stehen lediglich wenige Spezialfahrzeuge zur Verfügung, die jeweils nur einen Behälter transportieren können. Daher wird sich die gesamte Aktion voraussichtlich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

Hintergrund der Transporte

Die Betriebsgenehmigung für das Zwischenlager in Jülich ist bereits im Jahr 2013 ausgelaufen. Weil die Erdbebensicherheit nicht ausreichend nachgewiesen werden konnte, ordnete das Land Nordrhein-Westfalen 2014 die Räumung an. Ein Neubau vor Ort wurde verworfen – stattdessen fiel die Entscheidung zugunsten einer Verlagerung nach Ahaus.

Kritik von Polizeigewerkschaft und Umweltaktivisten

Auch seitens der Polizei stößt der umfangreiche Einsatz auf deutliche Kritik. Vertreter der Gewerkschaft der Polizei (GdP) bezeichneten die Transporte bereits im Vorfeld als "sinnlose Mammutaufgabe". Der enorme Personalaufwand sei auch Folge einer ungelösten Grundsatzfrage: Deutschland verfügt weiterhin über kein Endlager für hochradioaktiven Müll.

Stattdessen wird der Atommüll derzeit in Zwischenlagern aufbewahrt – wie jenem in Ahaus. Für viele der Demonstrierenden stellt genau dies den Kern des Problems dar. Sie kündigten bereits weitere Proteste gegen die kommenden Transporte an und betonen die anhaltende Debatte um die Endlagerfrage in Deutschland.

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