Im Sommer des Jahres 1976 holt die Fußball-Nationalmannschaft der DDR bei den Olympischen Spielen in Montreal die Goldmedaille und feiert damit ihren größten Triumph. In Schweden veröffentlicht die Band ABBA den Song „Dancing Queen“ und steigt damit endgültig zu weltweiten Superstars auf. Und in Ducherow stellen sich die Schüler einer zehnten Klasse zum vorerst letzten Klassenfoto auf. Die Röcke der Mädchen sind kurz, die Haare der Jungs dafür umso länger.
Dem Lehrer die Hosenbeine zugenäht
Was sie nun erwartet – Lehre, Wehrdienst, Studium, Familie – wissen sie vielleicht schon. Dass es ein gutes Dutzend Jahre später ganz anders kommt mit der DDR, können sie allerdings noch nicht wissen. Womöglich ahnen sie aber, dass sie eine der besten Zeiten ihres Lebens gerade hinter sich gebracht haben. Nun, 50 Jahre später, hat sich die Abschlussklasse von 1976 wieder getroffen, um im Anklamer Hotel Pommernland in Erinnerungen an jene Zeit zu schwelgen. Das taten die inzwischen gestandenen Frauen und Männer in der Zwischenzeit zwar schon öfter, aber ein halbes Jahrhundert ist dann doch etwas ganz Besonderes.
Eingeladen waren alle, die zusammen in Ducherow die Schulbank gedrückt haben. Auch diejenigen, die nach der achten Klasse abgegangen oder an der EOS weitergemacht haben. Erschienen sind tatsächlich fast alle, denen es noch möglich war, freute sich unter anderem Silvia Zerbaum, geborene Schöttler. Nicht wenige waren dafür von außerhalb angereist, zum Teil sogar aus dem Ausland. Etliche leben aber auch immer noch in Ducherow und Umgebung.
20 Mädchen und 10 Jungen – „Wir hatten die Jungs im Griff“
20 Mädchen und 10 Jungen habe es damals in der Klasse gegeben, berichtet Silvia Zerbaum und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Wir hatten die Jungs im Griff.“ Dass die Jungs auf Klassenfahrt einem Lehrer die Hosenbeine zunähten, konnten sie aber auch nicht verhindern. Allerdings waren die Mädchen in dieser Hinsicht wohl auch nicht ganz untätig. „Streiche haben wir ohne Ende gespielt“, berichten die Teilnehmer des Klassentreffens vergnügt.
Zusammenhalt auch ohne soziale Medien
Generell sind die Klassenfahrten zu verschiedenen Orten in guter Erinnerung geblieben. Die Ziele wie Bellin oder Sassnitz lagen zwar alle in der damaligen DDR, aber das tat der Sache ja keinen Abbruch. Was bei dem Treffen nach 50 Jahren auch immer wieder betont wurde, war der Zusammenhalt, den es damals unter den Schülern gab, und ein Miteinander auch ganz ohne soziale Medien, um das aktuelle Befinden mit anderen zu teilen. Die Erinnerungen, die die Teilnehmer dieses Klassentreffens nun gemeinsam hervorgeholt haben, befanden sich denn auch auf keinem Handy, sondern wurden mit einer simplen Frage geweckt: „Weißt Du noch?“



