Freimaurer öffnen ihre geheime Welt: Einblicke in Greifswalder Logen
Freimaurer öffnen ihre geheime Welt in Greifswald

Freimaurer öffnen ihre geheime Welt – Einblicke in die Greifswalder Logen

Sie gelten als der wohl bekannteste Geheimbund der Welt, ihre Symbole wie das allsehende Auge im Dreieck sind weltweit präsent – die Freimaurer. Auch in Vorpommern existieren Logen dieser jahrhundertealten Bruderschaft. Doch was sind ihre wahren Ursprünge, haben Verschwörungserzählungen einen wahren Kern, und wie geheim ist ihre Arbeit wirklich? Der Nordkurier erhielt exklusive Einblicke in eine für viele verborgene Welt.

Die Ursprünge: Von der Antike bis zur Steinmetzbruderschaft

Um die Freimaurerei zu verstehen, muss man weit in der Geschichte zurückgehen. Zusammenschlüsse von Baumeistern existierten bereits in der Antike. Diese sogenannten Bauhütten waren Orte, an denen Handwerker am Bau von Tempeln und Kirchen arbeiteten. Römische Vereinigungen dieser Art wurden Cementarii genannt. Ihre Mitglieder genossen besondere Privilegien, wie Befreiung von bürgerlichen Lasten, und unterlagen eigenen Gesetzen und einer eigenen Gerichtsbarkeit. Von ihnen wurden nicht nur handwerkliche Fähigkeiten verlangt, sondern auch Bildung, Tugend und Rechtschaffenheit.

Um 1300 entwickelten sich aus den Bauhütten die Steinmetzbruderschaften, die als direkte Vorläufer der Freimaurerei gelten. Diese internationalen Vereinigungen waren weiterhin hauptsächlich mit dem Bau von Kathedralen betraut. Die Reformation und der Dreißigjährige Krieg brachten den Sakralbau in Europa jedoch fast zum Erliegen. Die Bruderschaft rettete ihr Wissen und ihre Traditionen auf die britischen Inseln, wo sie überlebten. Der große Brand von London im Jahr 1666, der fast 80 Prozent der Stadt zerstörte, führte zu einer Wiederbelebung der Baukunst und zur Gründung neuer Logen.

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Die moderne Freimaurerei und ihre Logen in Greifswald

Als offizieller Gründungstag der modernen Freimaurerei gilt der 24. Juni 1717, als sich in London vier alte Logen zur ersten Großloge von England zusammenschlossen. Heute gibt es weltweit schätzungsweise sechs Millionen Freimaurer, davon etwa 16.000 in Deutschland, verteilt auf fünf Großlogen. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind zwei Logen aktiv, beide in Greifswald. Die Freimaurerloge Eldena gehört zur Großloge der Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland und ist humanitär ausgerichtet, ohne aktive Rolle des Glaubens. Die St. Johannisloge Carl zu den drei Greifen ist Teil der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland und christlich geprägt.

Die Arbeit am rauen Stein: Symbole und Rituale

Das Ziel eines jeden Freimaurers ist die Arbeit am rauen Stein, um einen Tempel zu errichten – heute symbolisch verstanden. Die Bauhütten heißen nun Logen, der raue Stein steht für die eigene Persönlichkeit, und der Tempel symbolisiert das Ideal einer besseren Gesellschaft. Bernd Eusko, Meister vom Stuhl der Eldena-Loge, beschreibt die Freimaurerei als Lernen, Austausch und Horizonterweiterung. Mehrmals im Monat treffen sich die Brüder, diskutieren, philosophieren und arbeiten an ihrer Persönlichkeit. Geheime Rituale im Tempel unterstützen diesen Prozess.

Die Entwicklung der Mitglieder erfolgt in drei Stufen: Als Suchender beginnt man, dann wird man zum Lehrling (erster Grad), der als rauer, unbehauener Stein gilt. Durch die Arbeit an sich selbst steigt man zum Gesellen und schließlich zum Meister auf, wo man sich mit Endlichkeit, Tod und Wiedergeburt auseinandersetzt. Die Rituale bleiben geheim, um den Anwärtern die Überraschung zu bewahren und die persönliche Entwicklung zu fördern. Vor der Aufnahme beschäftigt sich der Anwärter mit Fragen nach dem Sinn des Lebens und seiner Rolle, die Welt besser zu machen. Die Rituale können zwei bis drei Stunden dauern.

Keine Weltverschwörung, aber offene Türen für Interessierte

Entgegen zahlreicher Verschwörungstheorien wird in den Greifswalder Logen keine Weltpolitik gesteuert. Der Mythos hält sich dennoch, weil berühmte Persönlichkeiten wie Mozart, Goethe, George Washington und Churchill Freimaurer waren. Wer Interesse hat, kann Gästeabende der Logen besuchen. Nach etwa einem Jahr Kennenlernphase kann der Aufnahmeantrag gestellt werden. Die St. Johannisloge Carl zu den drei Greifen bietet ebenfalls öffentliche Gästeabende an.

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