Finnwal im Wismarer Hafen: Rettungsaktion nach Verheddern in Stellnetz
Finnwal in Wismarer Hafen: Rettung nach Netzverhedderung

Großwal sorgt für spektakuläres Hafenereignis in Wismar

Ein ungewöhnlicher Besucher hat am Dienstag den Hafen von Wismar in Aufregung versetzt: Ein mehrere Meter langer Finnwal schwamm in das Hafengebiet und zog dabei ein etwa hundert Meter langes Stellnetz hinter sich her. Nach Angaben des Deutschen Meeresmuseums handelte es sich bei dem beeindruckenden Meeressäuger um einen Finnwal – eine Spezies, die normalerweise nicht in derart küstennahen Gewässern der Ostsee anzutreffen ist.

Großangelegte Rettungsaktion im Einsatz

Die Feuerwehr war mit einem Boot vor Ort, während die Wasserschutzpolizei mit zwei weiteren Booten unterstützte. Am Abend gesellte sich noch die Organisation Sea Shepherd mit einem speziellen Schiff hinzu, und auch das Deutsche Meeresmuseum entsandte Personal zur Unterstützung der Rettungsbemühungen. Etwa 50 Schaulustige beobachteten das außergewöhnliche Schauspiel am Nachmittag, nachdem zunächst der Sender Ostseewelle über den Vorfall berichtet hatte.

Marco Trunk, Sprecher der Stadt Wismar, erklärte: „Ich habe heute Mittag davon erfahren.“ Wie lange sich das Tier bereits im Hafenbereich aufgehalten hatte, konnte er nicht genau sagen. Gegen 18 Uhr verließ der Wal den Hafen wieder, allerdings nicht vollständig befreit von seiner gefährlichen Last.

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Komplizierte Befreiungsversuche

Ein Sprecher von Sea Shepherd schilderte die schwierige Situation: „Das Tier ist sehr, sehr stark gestresst.“ Die Einsatzkräfte hatten zuletzt versucht, sich mit einem Taucher dem Wal zu nähern, um das Netz zu entfernen. Zwar gelang es in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, das Hauptnetz zu befreien, doch eine Leine hatte sich um den Körper des Wales gewickelt und konnte bis zuletzt nicht entfernt werden.

Der Wal wird auf eine Länge von zehn bis zwölf Metern geschätzt – für einen Finnwal, der bis zu 25 Meter lang werden kann, also noch relativ jung. „Man muss davon ausgehen, dass das Tier noch weiter wächst“, erklärte der Sea-Shepherd-Sprecher. „So eine Leine schneidet sich dann einfach noch weiter und weiter ein.“

Außergewöhnliches Ereignis für die Ostsee

Während sich Schweinswale (auch Kleine Tümmler genannt) mit einer maximalen Länge von 1,80 Metern relativ häufig in Ostseenetzen verheddern, stellt die Verwicklung eines Großwals ein Novum dar. „Jetzt hat es einen Großwal erwischt“, betonte der Sea-Shepherd-Sprecher die Besonderheit des Vorfalls.

Die Einsatzkräfte gaben dem gestressten Tier zunächst etwas Ruhe, in der Hoffnung, später einen weiteren Befreiungsversuch unternehmen zu können. „Wir hoffen natürlich, dass wir in der Lage sind, das Tier zu befreien – vollständig“, äußerte der Sprecher.

Für Wismar sind derartige Wal-Sichtungen äußerst ungewöhnlich. Zwar gibt es immer wieder Schweinswale in der Region, aber Großwale dieser Art werden nur selten gesichtet. Erst Anfang des Jahres war mehrfach ein Finnwal in der Flensburger Förde in der westlichen Ostsee beobachtet worden – ein Hinweis darauf, dass sich die Verhaltensmuster dieser majestätischen Meeressäuger möglicherweise verändern.

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