Geheime Katastrophen der DDR-Luftwaffe: Abstürze von der Ostsee bis zum Peenetal
Geheime Katastrophen der DDR-Luftwaffe in Vorpommern

Geheime Katastrophen der DDR-Luftwaffe: Von der Ostsee bis zum Peenetal

Im idyllischen Nordosten Deutschlands, insbesondere in Vorpommern, herrschte während der DDR-Zeit nicht nur Fluglärm, sondern auch eine erschreckende Häufung von Militärjetabstürzen. Oft endeten diese tragischen Vorfälle tödlich, während die Öffentlichkeit durch strikte Geheimhaltung kaum etwas erfuhr. Erst nach der Wende konnten viele Details durch ehemalige Angehörige der Fliegertruppen, örtliche Chronisten und Internetforen ans Licht gebracht werden.

Militärstützpunkte und ihre Schattenseiten

Das Geschehen konzentrierte sich auf den Raum Neubrandenburg sowie die Insel Usedom mit dem angrenzenden Festland. In Trollenhagen bei Neubrandenburg war seit 1960/61 das Jagdfliegergeschwader 2 der Nationalen Volksarmee (NVA) stationiert, während in Peenemünde an der Ostsee das JG 9 seinen Sitz hatte. Zusätzlich dienten die Flugplätze Garz und Tutow häufig als Ausweichstandorte, wobei Tutow eigentlich unter sowjetischer Kontrolle stand.

Die Geheimhaltung bei Havarien oder Katastrophen außerhalb des Militärgeländes war extrem, sodass viele Vorfälle erst Jahrzehnte später näher untersucht werden konnten. Trotz der gesammelten Informationen bleiben oft Unklarheiten, da nicht alle Berichte zweifelsfrei sind.

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Chronik der tödlichen Vorkommnisse

In umfangreichen Quellen wie „MiGs über Peenemünde“ von Manfred Kanetzki und „30 Jahre Starten und Landen“ von Gunter Harzbecher, Hans Joachim Hardt und Karl-Erich Hauschildt werden die Ereignisse dokumentiert. Das Buch „11-80, katapultieren Sie!“ von Thomas Bußmann, Horst Kleest und Lutz Freundt listet für die gesamte NVA-Luftfahrt von 1956 an insgesamt 120 tödliche Vorkommnisse mit Luftfahrzeugen auf, zu denen noch zahlreiche Brüche und Havarien hinzukamen.

Bereits im Juni 1960 ereignete sich in Tutow ein erster Crash, bei dem eine Jak-11 nach der Landung mit einem Fahrzeug kollidierte. Nur fünf Tage später wurde eine MiG-17F bei einer zu hohen Aufsetzgeschwindigkeit beschädigt. Der erste Verlust eines NVA-Piloten in der Region trat am 16. März 1961 ein, als ein Unterleutnant mit seiner MiG-17F bei einer Notlandung in Trollenhagen ums Leben kam.

Besonders tragische Fälle

Im Jahr 1965, während der Einführung der MiG-21, häuften sich die Unfälle. Ein Flugzeug stürzte am 23. Juni nordwestlich von Görmin auf einem Acker ab, wobei der Leutnant an Bord starb. Am 13. August verunglückte der Geschwaderkommandeur Günter Schmidt in Sassen. Obwohl er sich katapultieren konnte, erlitt er tödliche Verletzungen. Seine MiG explodierte am Dorfrand, setzte einen LPG-Hühnerstall und eine Scheune in Brand, doch glücklicherweise kamen keine weiteren Personen zu Schaden.

Weitere Vorfälle folgten, wie im August 1967, als eine MiG-21PFM nach einem Triebwerksausfall bei Burow niederging, oder im Oktober 1971, als ein Hauptmann bei einer Flugvorführung in Garz nach einem Strömungsabriss starb. Ein besonders öffentlichkeitswirksamer Unfall ereignete sich im Mai 1986, als ein MiG-23-Doppelsitzer zwischen Greifswald und Wolgast nach dem Streifen von Baumwipfeln bei Hanshagen abstürzte, wobei sich die Crew retten konnte.

Die letzten Katastrophen

Am 12. September 1989 geriet eine Aero L-39 „Albatros“ bei Anklam in Not, als das Triebwerk an Schub verlor. Fehleinschätzungen führten dazu, dass eine kontrollierte Landung verpasst wurde, und sowohl der Fluglehrer als auch sein Schüler erlitten beim Betätigen des Schleudersitzes tödliche Verletzungen.

Die allerletzte Flugkatastrophe der DDR fand am 13. September 1990 in Peenemünde statt, nur wenige Tage vor der Wiedervereinigung. Vor Mitgliedern des Bundestages verlor ein Pilot einer MiG-23 in den Wolken die räumliche Orientierung und stürzte in den Greifswalder Bodden, wobei er eine Frau und drei Kinder hinterließ.

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Nach der Wende: Ein Nachhall

Es war nicht der letzte Absturz eines Düsenjets sowjetischer Produktion in deutschen Diensten. Am 25. Juni 1996, bereits mit dem Balkenkreuz der Luftwaffe, verunglückte eine MiG-29 der Bundeswehr im Trebeltal zwischen Demmin und Dargun. Der Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz, während das Flugzeug in einer Wiese nahe der Trebel einschlug und ausbrannte. Diese Maschinen, ursprünglich für die DDR beschafft, dienten danach auch der NATO-Luftverteidigung und waren bei westlichen Piloten als Sparringspartner beliebt.

Insgesamt verdeutlichen diese Ereignisse das dunkle Kapitel der DDR-Militärluftfahrt in Vorpommern, das lange im Verborgenen blieb und erst durch beharrliche Recherchen teilweise aufgeklärt werden konnte.