Meeresschützer geben nicht auf: Zweiter Rettungsversuch für verirrten Finnwal in der Ostsee
Nach einem spektakulären Rettungseinsatz im Wismarer Hafen planen Meeresschützer einen weiteren Versuch, um einen jungen Finnwal von gefährlichen Leinen zu befreien. Die Crew des Schiffes "Triton" kündigte am Donnerstag, dem 5. März 2026, an, dass die etwa doppelt so langen Leinen wie der Wal selbst eine ernsthafte Bedrohung darstellen.
Gefahr durch wachstumsbedingtes Einschneiden der Leinen
Florian Stadler von Sea Shepherd Deutschland erklärte: "Da der Wal noch relativ jung ist, wird er weiter kräftig wachsen. Dabei könnten sich die Leinen tief einschneiden und das Tier schwer verletzen." Der 39-Jährige war bereits am 3. März 2026 bei einem ersten Rettungseinsatz an Bord der "Triton", bei dem ein etwa 50 Meter langes Stellnetz entfernt werden konnte.
Stadler betonte den enormen Widerstand des Netzes im Wasser: "Es hatte einen wahnsinnig großen Widerstand, gegen den das Tier ankämpfen musste. Die Berufsfeuerwehr Wismar hat dabei einen richtig tollen Job gemacht und das Überleben des Wales gesichert."
Komplexe Rettungsoperation mit Tauchereinsatz
Nach der erfolgreichen Befreiung vom Hauptnetz leitete die Crew den Finnwal aus dem Hafen in Richtung Wismarbucht. Dabei kam ein Taucher zum Einsatz, der zeitweilig hinter dem Wal herschwamm, jedoch die verbleibenden Leinen nicht lösen konnte. Die Meeresschützer waren eigens von Travemünde aus mit der "Triton" nach Wismar geeilt.
Bei einer späteren Patrouillenfahrt entdeckte die Crew das Tier vor Brook, konnte jedoch mit dem 23 Meter langen Schiff nicht nahe genug heranfahren, ohne den Wal zu gefährden. Spezielle Werkzeuge für die Leinenentfernung kamen daher nicht zum Einsatz.
Suche nach dem verirrten Wal und historische Vorfälle
Der aktuelle Aufenthaltsort des Finnwals ist unklar. Sea Shepherd Deutschland setzt nun auf Meldungen von Walsichtungen, die per E-Mail an die Organisation gesendet werden können. Florian Stadler vermutet, dass sich der etwa zehn Meter lange Wal einfach verirrt hat: "Das passiert ab und zu bei den Tieren. Wahrscheinlich ist er beim Schwimmen oder Jagen in dieses Stellnetz geraten."
Dies ist nicht der erste Vorfall dieser Art in der Ostsee. Laut der Deutschen Stiftung Meeresschutz wurde Anfang Januar 2026 in der Flensburger Förde ein etwa 17 Meter langer Finnwal entdeckt, möglicherweise dasselbe Tier, das bereits im Dezember 2025 im Kleinen Belt gesichtet worden war. Stadler wies darauf hin, dass wesentlich kleinere Schweinswale in solchen Netzen elendig ertrinken würden.
Die Meeresschützer bleiben wachsam und bereit für einen weiteren Rettungseinsatz, sobald der Wal wieder lokalisiert wird.



