Der Urlaub in Deutschland könnte in diesem Jahr noch beliebter werden als ohnehin schon. Grund dafür sind unter anderem steigende Spritpreise und die Sorge vor einem Kerosin-Mangel. Doch drohen deshalb höhere Preise oder ausgebuchte Unterkünfte an der Ostsee? Der Tourismusexperte Lars Schwarz, Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DEHOGA) in Mecklenburg-Vorpommern, gibt Einschätzungen und Ratschläge.
Deutschland-Urlaub wird immer attraktiver
Laut der 42. Deutschen Tourismusanalyse plant jeder vierte Deutsche (25 Prozent) in diesem Jahr einen Urlaub im Inland. Der Urlaub im eigenen Land ist nicht nur besonders beliebt, sondern in der Regel auch günstiger. Für einen Haupturlaub in Deutschland gaben die Deutschen 2025 im Schnitt 1636 Euro pro Person aus – für einen Urlaub im europäischen Ausland waren es durchschnittlich rund 400 Euro mehr. In diesem Jahr, in dem sich die Sorge vor Kerosin-Mangel breit macht und massiv gestiegene Spritpreise die Reisekosten nach oben treiben, wird der Urlaub im eigenen Land immer attraktiver.
Ostsee als beliebteste Urlaubsregion
Zu den beliebtesten Urlaubsregionen gehört die Ostsee. An der polnischen Küste haben in dieser Saison vor allem die Preise in der Gastronomie spürbar angezogen. Wie die „Ostsee-Zeitung“ berichtet, kostet die Kugel Eis vielerorts mittlerweile mehr als 2 Euro, ein Fischgericht über 40 Euro. Somit werde ein Restaurantbesuch mitunter teurer als eine Nacht im Hotel. Doch drohen auch an der deutschen Ostseeküste steigende Preise? „Das glaube ich nicht“, erklärt Lars Schwarz gegenüber der „Bild“. Die Preise seien aktuell sehr stabil und mit der Mehrwertsteuersenkung habe man auch ein gewisses Spiel, sie stabil zu halten. „Es war der richtige Schritt, die Mehrwertsteuer auf 7 Prozent zu senken, weil das überall im europäischen Nachbarausland auch so ist“, erklärt Schwarz.
Sicherheitslage im Ausland spricht für Urlaub in Deutschland
„Wir merken, dass es eine große Unsicherheit gibt“, kommentiert Schwarz den vermeintlichen Trend zum Urlaub in Deutschland. Die Kerosinpreise seien dabei nur ein Teilaspekt: „Wir merken, dass diejenigen, die um die Sicherheitslage besorgt sind, Deutschland und Mecklenburg-Vorpommern als Urlaubsland Nummer 1 in die Planung einbeziehen.“ Gleichzeitig sei Mecklenburg-Vorpommern ein Flächenbundesland im äußersten Norden, was für viele die Anreise aufgrund der steigenden Spritpreise teurer machen dürfte: „Wir schauen, ob und rechnen eigentlich damit, dass der Tankrabatt verlängert wird. Es würde wenig Sinn machen, ihn zum Start der Feriensaison auslaufen zu lassen“, so Schwarz im „Bild“-Interview.
Frühzeitige Buchung empfohlen
Der Dehoga-Chef könne sich vorstellen, dass der Deutschland-Tourismus und damit auch der Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern von der aktuellen Lage profitiere: „Es kann dazu kommen, dass es mehr Nachfrage, mehr Buchungen und mehr Gäste gibt.“ Schwarz rät daher, eher früher zu buchen, insbesondere in der Hauptsaison. Denn aufgrund des relativ engen Zeitfensters vom Ferienstart des ersten Bundeslands bis zum Ferienende im letzten und den großen Überschneidungen der jeweiligen Sommerferien sei die Hauptsaison an den touristischen Destinationen immer sehr gut ausgebucht. „Wer schulpflichtige Kinder hat und auf die Hauptsaison angewiesen ist, sollte möglichst früh buchen.“ Für diejenigen, die bei der Urlaubsplanung etwas flexibler sind, könne es sich mitunter auszahlen, auf ein Sparangebot oder Restkontingente zu warten. Jedoch rät Schwarz: „Ich glaube, in diesem Jahr ist der Tipp, den Haupturlaub eher früher zu buchen und bei einem passenden Angebot für den Zweiturlaub oder an einem Wochenende spontan zuzuschlagen.“



