Tradition trifft Gegenwart: Wismarer Heringstage mit großem Umzug eröffnet
Pünktlich um 10 Uhr legte der Kutter am Alten Hafen in Wismar an, beladen mit dem sehnlichst erwarteten Gut: dem frischen Hering. Ohne diesen Fisch wären die Wismarer Heringstage schließlich undenkbar. Schnell wurde die kostbare Fracht von Bürgermeister Thomas Beyer, Landrat Tino Schomann sowie Köchen des Hanseatischen Köcheclubs Wismarbucht in Empfang genommen und auf traditionelle Holzkarren verladen.
Festlicher Umzug mit historischem Flair
Mit dem Blasorchester Dorf Mecklenburg und dem Schützenverein Wismar an der Spitze setzte sich der bunte Zug in Bewegung, begleitet von zahlreichen Schaulustigen. Der Weg führte vom Alten Hafen direkt zum historischen Marktplatz, wo das große Heringsbraten beginnen sollte. Bereits vor der Mittagszeit ließen sich viele Fischfans den frisch angelandeten Fang schmecken.
Handwerker und Kaufleute steuern essentielle Zutaten bei
Zu einem gelungenen Heringsessen gehören jedoch mehr Zutaten als nur das „Silber des Meeres“. Entlang des Umzugs steuerten Wismars Handwerker und Kaufleute die notwendigen Beigaben bei:
- Das Fruchtkontor spendierte frische Zitronen und Dill
- Die Bäckerei Tilsen übergab Brot und Salz
- Die Konditorei Senf kreierte einen passenden Marzipanhering als Nachtisch
- Die amtierende Rapskönigin von Poel, Melanie Korkor, brachte Rapsöl zum Braten
- Galeria Wismar steuerte einen passenden Umtrunk bei
Mit allen Zutaten bestückt, konnte auf dem Marktplatz das traditionelle Heringsbraten beginnen.
23. Auflage erinnert an historische Bedeutung
Bereits zum 23. Mal finden die Heringstage auf Initiative des Hanseatischen Köcheclubs Wismarbucht statt. Sie erinnern an die einst große wirtschaftliche Bedeutung des Herings für die Region. Schon im elften Jahrhundert segelten Wismarer Fischer zur schwedischen Südwestküste, um Heringe zu fangen, diese zu konservieren und von Wismar aus nach ganz Europa zu exportieren.
„Mit den Heringstagen wird daran erinnert, dass der Hering einst der Brotfisch hier in unserer Region war“, sagte Bürgermeister Thomas Beyer bei der Eröffnung. „Es steckt sehr viel Erinnerung darin. Die Wirklichkeit heute ist ein bisschen anders: Es gibt strenge Quoten, und das hängt damit zusammen, dass auch überfischt worden ist – aber nicht durch unsere Fischer, sondern dadurch dass eben auch industriell der Fisch aus dem Meer geholt wird.“
Letzte Heringstage für Bürgermeister Beyer
Für Thomas Beyer sind es die letzten Heringstage, die er als Bürgermeister der Hansestadt begleitet. In knapp vier Wochen wird in Wismar ein neues Stadtoberhaupt gewählt. Beyer tritt nach 16 Jahren im Amt nicht wieder zur Wahl an.
Nach dem gelungenen Auftakt können sich Fischfans noch bis Ende März auf besondere Heringsgerichte und -spezialitäten in den Restaurants der Hansestadt freuen. Die Tradition lebt weiter, auch wenn sich die Rahmenbedingungen für die Fischerei verändert haben.



