Kaufkraft-Studie enthüllt: Sachsen-Anhalt holt dank niedriger Mieten auf
Eine aktuelle Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln hat die reale Kaufkraft in Deutschland unter die Lupe genommen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Einkommensvergleichen berücksichtigt diese Studie nicht nur die durchschnittlichen verfügbaren Einkommen, sondern auch die jeweiligen Lebenshaltungskosten in den Regionen. Die Ergebnisse zeigen ein überraschendes Bild: Wo hohe Einkommen erzielt werden, sind oft auch die Preise hoch, während in günstigeren Regionen die Verdienste tendenziell niedriger ausfallen.
Sachsen-Anhalt springt auf Rang 10
Die Auswertung, die auf Zahlen aus dem Jahr 2023 basiert, offenbart, dass Sachsen-Anhalt durch diese Neuberechnung deutlich aufholt. Während das Bundesland bei reinen Erwerbseinkommensvergleichen regelmäßig auf den hinteren Plätzen landet, klettert es bei Einbeziehung der Lebenshaltungskosten auf den bemerkenswerten Rang 10. Damit steht Sachsen-Anhalt hinter Thüringen und Sachsen auf Platz 3 der ostdeutschen Länder, noch vor dem Saarland und deutlich vor den westdeutschen Stadtstaaten Hamburg und Bremen.
Nach Bereinigung um regionale Preisunterschiede verfügen die Menschen in Sachsen-Anhalt über ein reales Jahreseinkommen von 27.358 Euro. Das sind zwar rund 3.000 Euro weniger als in Bayern, aber gleichzeitig etwa 3.000 Euro mehr, als den Einwohnern Berlins pro Jahr zur Verfügung stehen.
Abstand zwischen Ost und West verringert sich
Obwohl die Berücksichtigung der Lebenshaltungskosten den Abstand zwischen Ost und West spürbar verringert, belegen die Daten weiterhin ein deutliches Gefälle. Vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Teilen Hessens sowie in einigen nördlichen Regionen wie Hamburg bleibt die Kaufkraft überdurchschnittlich hoch. Der Osten Deutschlands fällt hingegen fast durchweg unter den gesamtdeutschen Durchschnitt.
Nahezu alle Landkreise und kreisfreien Städte in Ostdeutschland unterschreiten den Durchschnittswert. Selbst wirtschaftlich starke Regionen wie der Landkreis Potsdam-Mittelmark in Brandenburg oder der Landkreis Leipzig schaffen es nicht in die Top 100 der Wohlstandshochburgen.
Die Mischung macht den Unterschied
Die Spitzenplätze der Kaufkraft-Rangliste werden von Heilbronn in Baden-Württemberg, dem bayerischen Starnberg und dem ebenfalls in Bayern liegenden Landkreis Rhön-Grabfeld angeführt. Interessanterweise sind nicht alle drei Regionen klassische Reichenhochburgen. Während im Landkreis Starnberg tatsächlich sehr hohe Durchschnittseinkommen die überdurchschnittlichen Lebenshaltungskosten mehr als ausgleichen, punktet Rhön-Grabfeld mit einer ausgewogenen Mischung aus vergleichsweise hohen Einkommen und zugleich moderaten Preisen.
Sachsen-Anhalt gleicht seine Einkommensnachteile zwar teilweise mit niedrigen Lebenshaltungskosten aus. Vor allem die günstigen Mieten stellen hier einen entscheidenden Faktor dar, wie das IW betont. Doch dieser Vorteil wiegt die deutlich niedrigeren Einkommen nicht vollständig auf.
Mieten als entscheidender Faktor
Während ein Einwohner von Heilbronn auf eine reale Kaufkraft von 39.424 Euro zurückgreifen kann, sind es in Halle nur 24.184 Euro. Auch Magdeburg kommt lediglich auf 26.058 Euro. Halle landet damit auf Platz 391 der 400 vom IW verglichenen Standorte, Magdeburg auf Platz 348. Der Bördelandkreis, der mit einem Durchschnittseinkommen von 29.161 Euro die internen Kaufkraftcharts im Land anführt, schafft es im Bundesvergleich immerhin auf Platz 180.
Da die Kosten für Lebensmittel, Mode, Elektronik und Internetkäufe deutschlandweit kaum Preisunterschiede aufweisen, sind es vor allem die Mieten, die über die Platzierungen der Großstädte entscheiden. Selbst München, beim Durchschnittseinkommen mit 38.190 Euro auf Rang 6, rutscht durch 24 Prozent über dem Bundesschnitt liegende Preise auf Rang 68 ab. Noch deutlicher fällt der Abstieg für Stuttgart aus – von Platz 48 auf 249 – und für Hamburg von Rang 116 auf 331.
Frankfurt am Main, wo die Einkommen rund 3.000 Euro höher sind als in Halle, landet dadurch statt auf Platz 125 auf Rang 358, nur knapp vor der Saalestadt und noch hinter Magdeburg. Diese Entwicklung unterstreicht, wie stark die regionalen Mietkosten die reale Kaufkraft beeinflussen und traditionelle Einkommenshierarchien verschieben können.



