Rostocker Jäger warnt: Doppelstrategie im Umgang mit dem Wolf in MV ist gefährlich
Jäger warnt: Doppelstrategie bei Wolf in MV gefährlich

Rostocker Jäger warnt vor gefährlicher Doppelstrategie im Umgang mit dem Wolf

Das neue Bundesjagdgesetz sorgt beim Wolfsmanagement in Mecklenburg-Vorpommern weiterhin für erhebliche Unsicherheiten. Die Jäger des Bundeslandes warten nun dringend auf klare Vorgaben durch die Landesgesetzgebung, um endlich Rechtssicherheit zu erhalten.

Rechtliche Grauzone durch widersprüchliche Gesetze

Der Rostocker Jäger Roland Schneider, Leiter der Hegegemeinschaft Groß Lüsewitz, äußert deutliche Kritik: „Die Doppelstrategie im Umgang mit dem Wolf ist gefährlich.“ Mit dieser Doppelstrategie meint Schneider die problematische Kombination aus Bundesnaturschutzgesetz und dem neuen Bundesjagdgesetz. Diese rechtliche Gemengelage führe zu erheblichen Unklarheiten und verzögere nach Schneiders Ansicht dringend notwendige Maßnahmen zur Regulierung des Wolfsbestandes in Mecklenburg-Vorpommern.

In seinem Revier vor den Toren Rostocks ist der Wolf längst zum Alltag geworden. Mindestens ein Rudel mit fünf Tieren streift dort regelmäßig umher. Schneider betont: „Die Wiederansiedlung ist an sich eine feine Geschichte und der Wolf ist auch ein toller Mitjäger.“ Der Raubvogel nehme gezielt kranke Tiere aus dem Wildbestand und trage so zur Gesunderhaltung der Population bei.

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Wölfe lernen menschliches Verhalten

Die Tiere haben jedoch erstaunliche Anpassungsfähigkeiten entwickelt. Schneider beobachtete, dass Wölfe seine Jagdaktivitäten als regelrechte „Buffet-Glocke“ interpretieren: „Die Jungs wissen: Ein Schuss bedeutet Beute.“ Mehrfach seien nach einem erfolgreichen Rehschuss bereits Wölfe in seiner unmittelbaren Nähe aufgetaucht, angelockt von der Aussicht auf leichte Beute.

„Sie sind extrem clever und lernen schnell“, erklärt der erfahrene Jäger. Erst im März wurden in seinem Bereich 16 Schafe und mehrere Lämmer eines örtlichen Bauern gerissen. Die Wölfe hätten die Herde gezielt attackiert und so in Panik versetzt, dass die Tiere den Schutzzaun durchbrachen. „Das waren übrigens Wolfsschutzzäune“, ergänzt Schneider nachdrücklich.

Landesjagdverband fordert klare Regelungen

Dr. Florian Asche, Präsident des Landesjagdverbands Mecklenburg-Vorpommern, unterstützt diese Einschätzung: „Die Landwirtschaft ist zu Recht verstimmt, dass eine Bejagung von Schadwölfen bislang an übertrieben hohe Maßstäbe geknüpft wurde.“ Zahlreiche Entnahmeanordnungen seien von Gerichten aus Gründen des Naturschutzes revidiert worden. „Das dürfte sich jetzt ändern.“

Ende März beschloss der Bundesrat zwar das neue Bundesjagdgesetz, doch Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) lehnte es ab. Seine Begründung: Das Gesetz stelle keinen klaren Vorrang gegenüber Bestimmungen des Bundesnaturschutzgesetzes her. Dadurch entstünden weiterhin widersprüchliche Regelungen, weil der Wolf zugleich jagd- und naturschutzrechtlich erfasst werde.

Neuland Wolf im Jagdregime

Dr. Florian Asche ist überzeugt: „Mit einer landesrechtlichen Vollregelung im Gesetz und der Jagdzeitenverordnung ist hinreichende Rechtssicherheit zu schaffen.“ Der Ball liege nun beim Land und dem zuständigen Ministerium. „Aktuell müssen wir auf den Gesetzgeber warten, wenn es um die konkrete Bejagung geht.“ Es brauche jetzt dringend Vorgaben zum Managementplan und zur Rissbegutachtung. Der Verbandspräsident hofft auf eine Umsetzung „bis zu den Sommerferien“.

Mit der Überführung des Wolfs in das Jagdregime betrete man absolutes Neuland, so Asche weiter. Der eingeschlagene Pfad sei richtig, aber steinig. Dass der Umgang mit dem Wolf bei der Jägerschaft in den richtigen Händen liegt, davon zeigt er sich überzeugt: „Wir sind die einzigen Naturschützer, die eine Prüfung abgelegt haben.“

Die Situation bleibt angespannt. Kürzlich wurde ein zerfetztes Kalb in der Nähe von Rostock gemeldet, bei dem ein möglicher Wolfsriss nicht ausgeschlossen werden kann. Die Frage, ob der Wolf nun endgültig in der Hansestadt angekommen ist, beschäftigt Bürger und Behörden gleichermaßen.

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