Bürgermeister greift durch: Feuerwehrmann nach Einsatzfahrt geblitzt - jetzt wird der Brandschutz neu geordnet
Feuerwehrmann bei Einsatz geblitzt - Bürgermeister ordnet Brandschutz neu

Bürgermeister greift durch: Zoff um geblitzten Feuerwehrmann

Ein Verfahren gegen einen ehemaligen Retter der Feuerwehr Taucha sorgt für erheblichen Wirbel in der sächsischen Stadt. Jetzt greift Bürgermeister Tobias Meier (47, FDP) durch und ordnet den Brandschutz grundlegend neu. Mit sofortiger Wirkung zieht er die Zuständigkeit über die Freiwillige Feuerwehr Taucha, die bisher beim Ordnungsamt lag, an sich. Auslöser war ein Bußgeld-Eklat, der die Feuerwehrgemeinschaft verunsichert.

Einsatzfahrt mit Folgen

Ray Lange (55) war 34 Jahre lang bei der Freiwilligen Feuerwehr Taucha im Dienst. Am 7. Mai 2025 fuhr er mit der Drehleiter zur Interimsgrundschule, nachdem die Brandmeldeanlage ausgelöst hatte. Er war mit voller Berechtigung – Blaulicht und Martinshorn aktiviert – unterwegs. Um 15.27 Uhr passierte es auf der Sommerfelder Straße: Der Feuerwehrmann wurde von einer Geschwindigkeitskontrolle erfasst. Nach Abzug der Toleranz wurden 69 km/h bei erlaubten 30 km/h gemessen, was einer Überschreitung von 39 km/h entspricht.

Ray Lange hat mittlerweile seine Uniform abgelegt und ist nicht mehr bei der Feuerwehr aktiv. Das Bußgeldverfahren der Stadt Taucha sieht 2 Punkte in Flensburg, ein einmonatiges Fahrverbot und ein Bußgeld in Höhe von 368,50 Euro vor. „Nach all den Jahren wird mir von der eigenen Stadt so ins Knie geschossen. Das lasse ich nicht mit mir machen“, erklärte Lange gegenüber Medien. Aus Protest trat er aus der Feuerwehr aus. Der Fall soll nun am Amtsgericht Eilenburg geklärt werden.

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Bürgermeister reagiert mit strukturellen Veränderungen

Bürgermeister Tobias Meier bestätigte den Vorgang und verwies auf bestehende Empfehlungen: „Es gibt die Empfehlung für die Kommunen, in solchen Fällen bei Überschreitungen bis 20 km/h die Verfahren einzustellen. Hier war es aber mehr.“ Nach aktuellen Informationen läuft das Verfahren weiter. Landesfeuerwehrverbandspräsident Gunnar Ullmann (50) äußerte sich besorgt: „Das Bußgeld-Verfahren sorgt bei den Feuerwehrleuten für Unverständnis und verunsichert sie beim täglichen Dienst.“

Die Reaktion des Bürgermeisters fiel anders aus als erwartet. Statt das Verfahren einzustellen, machte er den Brandschutz und die Freiwillige Feuerwehr zur Chefsache und entzog dem Ordnungsamt die Verantwortung. Ullmann kommentierte diese Entscheidung: „Es ist eine angemessene Reaktion des Bürgermeisters nach dem Motto: Es muss sich etwas verändern. Es zeigt, dass die Reaktion des Ordnungsamtes vermutlich nicht korrekt war. Und es verdeutlicht den hohen Stellenwert der Freiwilligen Feuerwehr.“

Experte klärt über Sonderrechte auf

Der renommierte StVO-Experte Prof. Dr. Dieter Müller (66) erläuterte die rechtlichen Grundlagen für Fahrten mit Sonder- und Wegrechten: „Als Faustregel gilt innerhalb von Ortschaften eine zulässige Überschreitung von 50 Prozent.“ Konkret bedeutet dies: Der Feuerwehrmann hätte in der 30-km/h-Zone maximal 45 km/h fahren dürfen. Viele Einsatzkräfte seien sich dieser Grenzen nicht bewusst, da Kommunen häufig auf notwendige Schulungen verzichten.

Die strukturelle Neuordnung durch Bürgermeister Meier markiert einen Wendepunkt in der Verwaltungspraxis der Stadt Taucha. Sie unterstreicht die Bedeutung klarer Zuständigkeiten und angemessener Handhabung von Verfahren gegen Einsatzkräfte im Dienst. Die Feuerwehrgemeinschaft blickt nun gespannt auf die weitere Entwicklung und die gerichtliche Klärung des Falls.

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