Sachsen vor Badesaison: Rettungsschwimmer fehlen an vielen Gewässern
Mit dem nahenden Start der Freibadsaison in Sachsen zeichnet sich ein deutliches Problem ab: An zahlreichen Badestellen fehlt es an ausreichend Rettungsschwimmern. Während die großen Städte wie Dresden und Chemnitz noch Personal für ihre Freibäder suchen, gibt es in Leipzig laut aktuellen Angaben genügend Kräfte, um auch kurzfristige Ausfälle zu kompensieren. Die eigentliche Herausforderung liegt jedoch an den offenen Badegewässern des Freistaats.
Wachsendes Tourismusangebot überfordert Sicherheitsstruktur
Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) macht deutlich, dass der Ausbau des Wassertourismus im Lausitzer Seenland und im Leipziger Neuseenland die Anforderungen an die Rettungskräfte massiv erhöht hat. Mit dem touristischen Wachstum steigt auch die Zahl der Menschen, die die sächsischen Gewässer zum Baden, für Wassersport oder zur Erholung nutzen. Die vorhandene Sicherheitsinfrastruktur kann jedoch vielerorts nicht mit der Expansion der touristischen Angebote mithalten.
Von den 35 ausgewiesenen EU-Badegewässern in Sachsen sind aktuell nicht einmal die Hälfte regelmäßig bewacht. Dabei zeigt die Erfahrung der Wasserwacht eindeutig: An Badestellen mit besetzten Wasserrettungsstationen steigt die Sicherheit für Badegäste und Wassersportler signifikant. Ein DRK-Sprecher verdeutlichte das Ausmaß des Problems: „Würde man alle bisher unbewachten EU-Badegewässer in Sachsen an den Wochenenden während der Saison und durchgehend in den Sommerferien zumindest mit einer Rettungswache planen, bräuchte es im Freistaat etwa 200 weitere Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer.“
Kommunen greifen zu kreativen Lösungen
Angesichts des akuten Personalmangels greifen einige sächsische Kommunen zu ungewöhnlichen Maßnahmen bei der Suche nach Rettungsschwimmern. Die Stadt Ostritz bei Görlitz wirbt beispielsweise um Bademeister für das Mewa-Bad mit einem besonderen Angebot: Ein fünftägiger kostenloser Familienurlaub im Austausch für zwei Tage Badeaufsicht. Nach Angaben der Stadtverwaltung haben sich bereits drei Interessenten gemeldet, die dieses unkonventionelle Arrangement annehmen würden.
Die DRK-Wasserwacht verfügt derzeit in Sachsen über etwa 3.500 aktive Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer. Diese Zahl reicht jedoch bei weitem nicht aus, um die wachsenden Anforderungen an der steigenden Zahl von Badegewässern zu bewältigen. Besonders an den Wochenenden und während der Sommerferien zeigt sich die Diskrepanz zwischen touristischem Angebot und verfügbaren Sicherheitskräften besonders deutlich.
Die Situation verdeutlicht ein grundlegendes strukturelles Problem: Während der Wassertourismus in Sachsen kontinuierlich expandiert und neue Erholungsgebiete entstehen, bleibt die personelle Absicherung dieser Gewässer hinterher. Experten warnen, dass ohne zusätzliche Maßnahmen zur Gewinnung von Rettungsschwimmern die Sicherheit an vielen sächsischen Badeorten nicht mehr gewährleistet werden kann.



