Thüringen plant spezielle Beratungsstelle für Opfer digitaler sexualisierter Gewalt
Die Thüringer Landesregierung hat einen umfassenden Maßnahmenplan zur Bekämpfung sexualisierter Gewalt im digitalen Raum vorgestellt. Sozial-Staatssekretärin Tina Rudolph und die Gleichstellungsbeauftragte Nadja Sthamer präsentierten die Pläne, die eine spezielle Beratungsstelle für Betroffene vorsehen. Bislang existiert eine solche Einrichtung im Freistaat nicht, sie soll jedoch an bestehende Strukturen angegliedert werden.
Konkrete Unterstützung für Betroffene durch Ausleihgeräte
Ein zentraler Bestandteil des Maßnahmenplans ist die Bereitstellung von Ausleihgeräten für Opfer digitaler Gewalt. Betroffene sollen diese Geräte erhalten können, wenn ihre eigenen Endgeräte mit Spyware oder Schadprogrammen infiziert sind oder von Ermittlungsbehörden sichergestellt wurden. Diese praktische Unterstützung soll es den Betroffenen ermöglichen, weiterhin sicher zu kommunizieren und Zugang zu digitalen Ressourcen zu behalten, während ihre eigenen Geräte untersucht oder gesäubert werden.
Fortbildung und Prävention als weitere Säulen
Der Maßnahmenplan setzt nicht nur auf direkte Hilfe für Betroffene, sondern auch auf strukturelle Verbesserungen. So sind Fort- und Ausbildungsmaßnahmen für die Kriminalpolizei und Polizeiinspektionen vorgesehen, um die Kompetenzen im Umgang mit digitaler Gewalt zu stärken. Im Bereich der Prävention plant die Landesregierung einen Sicherheitscheck für digitale Endgeräte, umfassende Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit sowie täterbezogene Studien. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, das Phänomen digitaler sexualisierter Gewalt besser zu verstehen und präventiv einzugreifen.
Politische Diskussion und rechtliche Grundlagen
Das Thema sexualisierte Gewalt im digitalen Raum wird in Thüringen bereits seit längerem politisch diskutiert. In der vergangenen Legislaturperiode hatte der Landtag beschlossen, eine Definition für „geschlechtsspezifische Gewalt im digitalen Raum“ zu erarbeiten. Diese Definition soll als Grundlage für den nun vorgelegten Maßnahmenplan dienen, der die Bereiche Polizei, Justiz, Bildung und Jugend sowie die Beratungsstellen umfasst. Frauenministerin Katharina Schenk (SPD) hatte zuvor bereits den Bedarf an speziellen Beratungsmöglichkeiten für Betroffene in Thüringen betont.
Der vorgestellte Maßnahmenplan markiert einen wichtigen Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt im digitalen Raum. Durch die Kombination aus praktischer Unterstützung für Betroffene, Fortbildung für Sicherheitsbehörden und präventiven Maßnahmen soll ein umfassender Schutz vor digitaler Gewalt aufgebaut werden. Die geplante Beratungsstelle wird dabei eine zentrale Anlaufstelle für Betroffene darstellen und ihnen niedrigschwellige Hilfe anbieten.



