Svetislav Pesic: Eine Basketball-Ikone blickt zurück und nach vorn
Über vier Jahrzehnte prägte Svetislav Pesic als Trainer die Basketball-Welt. Im exklusiven Gespräch mit SPORT1 teilt der 76-Jährige nun intime Einblicke in seine bewegte Karriere, seine tiefe Verbundenheit zum FC Bayern München und seine Bewunderung für NBA-Superstar Nikola Jokic. Pesic, der als Weltmeister, Europameister und EuroLeague-Sieger in die Geschichtsbücher einging, steht vor seinem endgültigen Abschied von der Trainerbank – doch sein Herz schlägt weiter für den Basketball.
Die EM 1993: Ein Rücktritt, der nie stattfand
Eine schwierige Entscheidung prägte die Europameisterschaft 1993 in München. Pesic enthüllt im Interview, dass er damals ernsthaft überlegte, sein Amt als Bundestrainer niederzulegen. Grund war der Konflikt um NBA-Spieler Christian Welp, der verspätet zum Trainingslager anreisen wollte. „Ich habe immer meine klare Philosophie: Kein Spieler ist wichtiger als die Mannschaft“, betont Pesic. Das damalige DBB-Präsidium bestand jedoch auf Welps Teilnahme.
In einem emotionalen Dilemma suchte Pesic Rat bei seinem Freund Branimir Volfer, der ihm riet: „Wenn Sie ein sehr guter Trainer werden wollen, müssen Sie ab und zu ordentlich einstecken können.“ Letztlich überließ Pesic die Entscheidung der Mannschaft, die sich für Welp aussprach. „Gott sei Dank war er da“, resümiert Pesic, „denn im Finale traf er den entscheidenden Wurf und wir wurden Europameister.“
Nikola Jokic: Der beste Mannschaftsspieler
Unter den vielen herausragenden Spielern, die Pesic trainierte, sticht einer besonders hervor: Nikola Jokic. „Er war schon speziell“, gesteht der erfahrene Coach. Nicht Jokics Talent als einer der weltbesten Spieler beeindruckt Pesic am meisten, sondern dessen Mannschaftsorientierung. „Nikola ist der beste Mannschaftsspieler. Er macht wirklich alle besser.“
Pesic lobt Jokics uneingeschränkte Arbeitseinstellung: „Er kommt immer eine halbe Stunde vor Trainingsbeginn, bleibt danach noch 30 Minuten und arbeitet immer weiter, immer weiter.“ Diese Disziplin habe es Jokic ermöglicht, sein großes Talent in unglaubliche Qualität umzuwandeln. „So sind die besten Spieler“, fasst Pesic bewundernd zusammen.
Die Herzensverbindung zum FC Bayern
Der FC Bayern Basketball hat im Leben von Svetislav Pesic einen unheimlich großen Stellenwert. „Der Verein liegt mir am Herzen“, betont der Trainer, der eigentlich seine Karriere beenden wollte. Doch als Bayern-Präsident Herbert Hainer ihn um Rückkehr bat, sagte Pesic sofort zu. „Bei keinem anderen Angebot wäre ich wieder zurückgekommen.“
Pesic, der früher dachte, er würde lebenslang in Berlin bleiben, genießt nun das Leben in München. „Ich gehöre mit meinem kompletten Körper zum FC Bayern“, erklärt er leidenschaftlich. Auch nach seiner Trainerzeit will er dem Verein erhalten bleiben. „Ich werde zwar in Zukunft kein Trainer mehr sein, aber werde dem Verein immer helfen, dass er sich weiter so gut entwickelt.“
Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Pesic anerkennt, dass der FC Bayern im Basketball eine der besten Organisationen Europas ist. „Das sagen auch alle anderen Vereine“, so der Experte. Doch es gibt ein zentrales Problem: „Wir können die besten Spieler, die sich bei Bayern zu Top-Spielern entwickelt haben, sehr oft nicht halten, weil sie bei anderen Vereinen deutlich mehr Geld bekommen.“
Diese mangelnde Kontinuität erschwere den Aufstieg in die absolute europäische Spitze. Als Lösung sieht Pesic eine verstärkte Jugendarbeit. „Bayern baut jetzt ein Performance-Zentrum, das 2028 fertig sein soll. Damit können langfristig mehr Spieler aus unserer eigenen Jugend zu den Profis kommen.“
Das große Ziel bleibt das Final Four der EuroLeague. „Bayern muss dahin kommen, dass man immer ums Final Four kämpft“, fordert Pesic. „Wir sind hier immerhin in München, wir sind der FC Bayern.“
Abschied als Trainer, aber nicht als Bayern-Mann
Diese Saison wird Pesics letzte als aktiver Trainer sein. Sein Fokus liegt nun voll auf dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft. „Ich möchte jetzt erstmal alles dafür tun, um mit den Spielern diese Saison die Deutsche Meisterschaft zu gewinnen.“
Danach plant Pesic, in München zu bleiben und dem FC Bayern in einer anderen Funktion erhalten zu bleiben. „Trainer werde ich nicht mehr sein, aber ich möchte trotzdem im Basketball bleiben.“ Die genaue Funktion sei noch unklar, darüber werde man erst nach der Saison sprechen. Eines steht für Pesic jedoch fest: „Der Plan ist, dass es immer weitergeht.“



