Extremwandern im Trend: 100 Kilometer an einem Tag
Extremwandern: 100 Kilometer an einem Tag

Veranstaltungen immer beliebter: Menschen wandern 100 Kilometer an einem Tag. Organisierte 100-Kilometer-Wanderungen dauern einen Tag und eine Nacht. 50, 75 oder sogar 100 Kilometer zu Fuß und in einer bestimmten Zeit: Was für die meisten Menschen völlig verrückt klingt, erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Kaum ein Wochenende vergeht, an dem sich nicht irgendwo Hunderte zum organisierten Extremwandern treffen. „Mammutmarsch“, „Ironwalk“, „Megamarsch“: um eine Großstadt herum, ins Gebirge und zurück, die ganze Nacht hindurch und über körperliche Grenzen hinweg. Das kann fast jeder schaffen, sagen Veranstalter und Wissenschaftler. Sie erklären das Phänomen.

Trend zum Extremwandern

„Mammutmarsch“-Sprecher Alexander Zwiehoff zu BILD: „Was wir beobachten, ist mehr als ein Trend – es ist ein Bedürfnis.“ Hier geht es um „echte“, nicht digitale Erfahrungen. „Wir haben unser Eventangebot im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgebaut.“ Weil sich die Märsche aber nicht wie Großveranstaltungen anfühlen sollen, bleiben die Tickets auch künftig limitiert. Beim „Mammutmarsch“ wandern regelmäßig mehr als tausend Menschen mit. Das gilt auch für den „Ironwalk“, der immer ausverkauft ist. Veranstalter Torsten Dunkelmann: „Die Menschen wollen sich bewegen, wollen sich ablenken, wollen in die Natur. Gemeinsam etwas erleben und in Verbindung mit einer sportlichen Challenge, das kommt anscheinend sehr gut an.“ Aber das Drumherum, etwa die Strecke und die Verpflegung, müssten stimmen.

Wunsch nach extremen Erfahrungen steigt

Prof. Dr. Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln bestätigt gegenüber BILD: „Unser Alltag bietet nicht mehr so viele Herausforderungen. Der Wunsch nach extremen Erfahrungen ist auch in anderen Bereichen zu verspüren. Solche Wanderungen, aber auch Marathons führen zu Befriedigung. Sie sind eine moderne Philosophie des Belohnungssystems.“ Auch die „Megamarsch“-Events sind sehr beliebt. Hinzu kommt der gemeinsame Wille: sich und anderen zu beweisen, wie stark man ist. Und wer antritt, möchte laut Zwiehoff auch ankommen: „Bei kürzeren Strecken wie 30 Kilometern erreichen die allermeisten das Ziel – sehr oft auch Menschen, die sich das vorher selbst nie zugetraut hätten. Mit steigender Distanz wird es dann zur echten Grenzerfahrung.“ Einen 100-Kilometer-Marsch brechen 30 bis 40 Prozent ab.

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Gute Vorbereitung auf Wanderung ist wichtig

Alarmsignale sollten nicht ignoriert werden. Froböse: „Wer plötzlich ein Kältegefühl verspürt oder wessen Puls trotz Pause nicht mehr heruntergeht, muss sofort aufhören.“ Deshalb ist für den Sportwissenschaftler eine gute Vorbereitung unerlässlich. Stütz- und Bewegungssystem sollten stabilisiert, Muskeln trainiert werden. Die Fitness kommt durch regelmäßiges Wandern über Monate im Vorfeld. Aber: „Spazierengehen allein reicht nicht, man sollte auch mal außer Atem geraten.“ Bei Erreichen des Ziels werden Glückshormone ausgeschüttet.

So läuft es sich wie von selbst

Für die Veranstalter ist auch der Kopf entscheidend. Zwiehoff vom „Mammutmarsch“: „Es sind nicht die Schnellsten, die ankommen, sondern die, die weitermachen.“ Viele würden dabei die eigenen Fähigkeiten unterschätzen. Dunkelmann zu BILD: „Jeder der gesund ist und der es auch wirklich will, kann es schaffen.“ Weil die Nachfrage so hoch ist, erdenken die „Ironwalk“-Macher auch neue Formate. Beim ersten Hiking Loop am 1. August in Duisburg wandern die Teilnehmer immer wieder dieselbe Fünf-Kilometer-Runde, wofür sie jeweils eine Stunde Zeit haben. Wer zu langsam ist, ist raus. Froböse empfiehlt dennoch, nur an die oberste Grenze zu gehen – und nicht darüber hinaus: „Dann gerät man in einen meditativen Flow, kommt es zur positiven Stimulation. Man läuft wie von selbst“.

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