Vom Holz-Yo-Yo zum deutschen Meistertitel
Der zehnjährige Neo hat sein Yo-Yo immer dabei. Egal ob im Park, zu Hause oder unterwegs – für ein paar Tricks ist fast immer Zeit. „Ich mag, dass es dabei kein Limit gibt“, erklärt der junge Sportler. „Man kann ganz viel ausprobieren, lernen und immer besser werden.“
Der Anfang auf Kreta
Vor fast drei Jahren entdeckte Neo sein Talent während eines Familienurlaubs auf Kreta. In einem Spielzeugladen wählte er ein einfaches Holz-Yo-Yo aus. Den gesamten Urlaub verbrachte er mit ersten Versuchen. Zurück in Deutschland durfte er das moderne Metall-Yo-Yo seines Vaters testen, das sich mit einem Kugellager deutlich länger dreht.
„Mein Vater zeigte mir dann ‚Rock the Baby‘, einen beliebten Anfängertrick“, erinnert sich Neo. „Den fand ich richtig cool.“ Seitdem hat der Junge nicht mehr aufgehört. Nach den Basics mit seinem Vater suchte er sich Tutorials auf YouTube heraus und studierte Videos von Meisterschaften.
Der Weg zur deutschen Meisterschaft
Vor anderthalb Jahren wagte Neo den Schritt zu seiner ersten deutschen Meisterschaft. „Ich wollte unbedingt hin, weil ich vorher noch keine anderen Yo-Yo-Spieler getroffen hatte“, erklärt er. Bei solchen Wettbewerben führen die Teilnehmer nacheinander auf einer Bühne ihre Choreografien zu selbst gewählter Musik vor.
Die Nervosität war groß, doch Neo überzeugte: Er erreichte das Finale und belegte Platz zehn. „Es war toll, endlich andere mit demselben Hobby zu treffen“, schwärmt er. „Einander zuzuschauen, Tricks beizubringen und sich zu unterhalten – das hat mich noch weiter motiviert.“
Freundschaft mit einem Nachbarn und Begegnung mit einem Weltmeister
Bei der Meisterschaft lernte Neo Vincent kennen, der nur wenige Straßen entfernt wohnt und einige Jahre älter ist. Die beiden treffen sich regelmäßig zum gemeinsamen Training. Zusammen besuchten sie sogar eine Show des mehrfachen japanischen Weltmeisters Shu Takada in einem Varieté-Theater.
„Shu ist richtig nett“, berichtet Neo begeistert. „Er hat sich total gefreut, dass wir da waren und hat uns später sogar zu Hause besucht.“ Der Weltmeister half den beiden beim Training für die Weltmeisterschaften in Prag, für die sich Neo und Vincent als deutsche Top-Ten-Spieler qualifiziert hatten.
Die Weltmeisterschaft in Prag
In Prag zeigte Neo eine starke Vorrunden-Performance. „Auf der Bühne war ich total aufgeregt“, gesteht er. „Daran konnten die zwei bis drei Stunden tägliches Training vor dem Wettbewerb nichts ändern.“ Doch als die Zuschauer bei einem besonders schwierigen Trick zu jubeln begannen, fiel die Anspannung ab.
„Ab da habe ich einfach weitergespielt wie geübt – fast fehlerfrei“, erzählt Neo stolz. Für das Halbfinale reichte es zwar nicht, doch das Zuschauen bei internationalen Top-Spielern wie dem zweifachen japanischen Meister Kohei Nishimura war ein besonderes Erlebnis.
Der Triumph bei den deutschen Meisterschaften
Einige Monate später bei den deutschen Meisterschaften hatte Neo ein klares Ziel: „Ich wollte einer der besten fünf werden, vielleicht sogar einer der besten drei.“ Im Finale legte er dann den saubersten Auftritt des gesamten Wettbewerbs hin.
„Viele Tricks brauchen extrem präzise Bewegungen“, erklärt der Zehnjährige. „Und mit der Aufregung auf der Bühne machen selbst die Besten der Welt Fehler.“ Umso überraschter war er, als er bei der Siegerehrung seinen Namen als Ersten hörte. „Es hat sich toll angefühlt, deutscher Meister zu sein“, strahlt Neo.
Zukunftspläne und tägliches Training
Neos nächster großer Traum ist das Finale bei den Europameisterschaften. Bis dahin trainiert er weiterhin täglich und lernt neue Tricks. Das Yo-Yo bleibt sein ständiger Begleiter – ein kleines Sportgerät, das große Leidenschaft wecken kann.
„Egal wo ich bin, ich habe eigentlich immer ein Yo-Yo dabei“, sagt der junge Meister. „Das ist eine der Sachen, die ich so daran mag – man kann es überallhin mitnehmen und für zwischendurch nutzen.“



