Bayer Leverkusen im kritischen Übergangsjahr: Trainer und Kader vor tiefgreifenden Veränderungen
Das Duell zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen am Samstag ist weit mehr als nur ein Bundesliga-Spiel. Für die Werkself geht es nicht nur um drei mögliche Punkte im Kampf um die Champions-League-Qualifikation, sondern auch um die Zukunft von Trainer Kasper Hjulmand und die nächste Phase eines massiven Umbruchs.
Champions-League-Qualifikation auf der Kippe
Während Borussia Dortmund als Tabellenzweiter die Qualifikation für die Königsklasse des europäischen Fußballs bereits am Wochenende perfekt machen könnte, kämpft Bayer Leverkusen mit vier Punkten Rückstand auf Rang vier um den begehrten Einzug. „Wir fahren mit dem großen Ziel dahin, um zu siegen. Das wäre ein großer, großer Push“, sagte Hjulmand vor dem West-Schlager. Der Däne, der am Donnerstag 54 Jahre alt wurde, weiß um die Bedeutung dieses Spiels.
Denn Leverkusen steht nicht nur in Dortmund, sondern auch noch gegen Leipzig und Stuttgart im Endspurt der Saison vor schweren Aufgaben. Die sportliche Zukunft des Clubs hängt maßgeblich von diesen Begegnungen ab. Trotz des offiziell deklarierten Übergangsjahrs nach dem Meistertitel 2024 sollte die erneute Champions-League-Qualifikation eigentlich das Minimalziel sein.
Trainer Hjulmand unter Druck
Kasper Hjulmand, der im September 2025 auf den enttäuschenden Erik ten Hag folgte und bis 2027 vertraglich gebunden ist, könnte bereits zum Saisonende das Aus drohen. Nach dem schwächsten Jahresauftakt seit 2004 schien das Übergangsjahr unter dem Dänen zwischenzeitlich auf Kurs. Doch nach mehreren Patzern im Rennen um die Champions-League-Plätze wuchs intern zuletzt die Unzufriedenheit.
„Wenn so viele Spieler neu sind, dann braucht das Zeit. Die Spieler haben alle eine tolle Qualität, es braucht Zeit“, verteidigte sich Hjulmand. Doch genau diese Zeit könnte ihm nicht mehr bleiben. Hätte Leverkusen am vergangenen Wochenende aus dem zwischenzeitlichen 1:3 gegen Wolfsburg nicht noch spektakulär ein 6:3 gemacht, würde Hjulmand wohl schon beim BVB nicht mehr auf der Bayer-Bank sitzen.
Personeller Umbruch trotz Übergangsjahr
Trotz des massiven Umbruchs im vergangenen Sommer mit 14 neu besetzten Kaderplätzen stehen bei Bayer Leverkusen schon wieder tiefgreifende Veränderungen an. Sportboss Fernando Carro hatte trotz des Übergangsjahrs das Ziel ausgerufen, „die nächste Meistermannschaft“ aufzubauen. Sportgeschäftsführer Simon Rolfes betonte jedoch realistisch: „Wir können keine Meistermannschaft wie 2024 zusammenkaufen, wir können uns keinen Florian Wirtz kaufen, den müssen wir dann entwickeln.“
Genau diese Entwicklung scheint jedoch bereits ins Stocken geraten zu sein. Zur kommenden Saison gilt Fabian Hürzeler von Brighton & Hove Albion aus der englischen Premier League als möglicher Nachfolger für Hjulmand.
Kader im Wandel: Verkäufe und Neuzugänge geplant
Auch im Spielerkader stehen umfangreiche Veränderungen bevor:
- In der Offensive könnte es durch Rückkehrer wie Kerim Alajbegovic und Francis Onyeka ein Überangebot geben
- Erfahrene Spieler wie Jonas Hofmann, Martin Terrier oder Eliesse Ben Seghir gelten als Verkaufskandidaten
- Edmond Tapsoba soll offenbar mit einem Wechsel in die Premier League liebäugeln
- Bei Jarell Quansah könnte sein Ex-Verein Liverpool die Rückkaufoption ziehen
Unbedingt halten will Bayer Leverkusen trotz Wechselgerüchten Außenverteidiger Alejandro Grimaldo. Daneben sucht der Club vor allem einen neuen Abwehrchef, der das Niveau der Mannschaft anheben kann und Führungsqualitäten mitbringt. Der zuletzt vermehrt in der Defensive eingesetzte Kapitän Robert Andrich konnte diese Anforderungen nicht zufriedenstellend erfüllen. Trotz Vertrags bis 2028 ist auch die Zukunft des 31-Jährigen bei der Werkself ungewiss.
Herausforderer-Duelle mit veränderter Dynamik
Borussia Dortmund gegen Bayer Leverkusen war in den vergangenen Jahren stets das Duell um die Herausforderer-Rolle von Rekordmeister Bayern München. Zwei Jahre lang hatte die Werkself vom Bayer-Konzern die Nase vorn, aktuell ist der Traditionsclub aus Dortmund wieder enteilt und 15 Punkte voraus. „Nächste Saison müssen wir diese Lücke natürlich wieder schließen“, sagte Hjulmand vor dem West-Schlager am Samstag.
Ob der Däne dann aber überhaupt noch bei Bayer im Amt ist, um diese Aufgabe anzugehen, bleibt ungewiss. Das Übergangsjahr mit seinen Tücken könnte für Leverkusen schneller enden als geplant – und einen erneuten Umbruch einläuten, der die Zukunft des Konzernclubs nachhaltig prägen wird.



