Ex-Dynamo-Coach Capretti: Meine Zeit in Dresden war goldwert
Capretti: Dresden-Zeit war trotz Abstieg wertvoll

Wenn Dynamo Dresden am Samstag (13 Uhr) den 1. FC Kaiserslautern zum Zweitliga-Knaller empfängt, holt Guerino Capretti (44) die Vergangenheit ein. Der Deutsch-Italiener saß beim dramatischen letzten Duell beider Teams in Dresden auf der Trainerbank. Als Feuerwehrmann im März 2022 geholt, konnte er den Abstieg in die 3. Liga nicht mehr verhindern. In zehn Spielen unter ihm blieb Dynamo sieglos (sechs Remis, vier Niederlagen), die Relegation gegen Lautern (0:0/0:2) besiegelte das Schicksal der SGD. Sportlich endete Caprettis Zeit in Dresden extrem bitter.

War es seine enttäuschendste Station?

Auf die Frage, ob dies rückblickend seine enttäuschendste Trainerstation war, legt Capretti energisch Einspruch ein: „Auf keinen Fall. Klar, das Ziel haben wir verfehlt. Aber ich habe aus dieser Zeit viel mitgenommen und in intensiven Wochen ganz viel über den Profi-Fußball gelernt. Das war goldwert für mich.“

Die Wucht eines Traditionsvereins

Vor seinem Wechsel zu Dynamo trainierte er den SC Verl. „Dort war alles zwei Nummern kleiner. In Dresden waren manchmal mehr Zuschauer beim öffentlichen Training, als in Verl zu den Heimspielen. Diese riesige Fanbase, diese Emotionen, diese Leidenschaft für den Verein, das war unglaublich und überwältigend. Das habe ich vielleicht auch ein bisschen unterschätzt.“

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Genau diese Emotionen schlugen nach dem Spiel gegen Lautern in Wut um. Die Ausschreitungen gipfelten darin, dass einige Chaoten den Kabinentrakt stürmten und die Mannschaft bedrohten. Capretti: „Dass viele den Abstieg auch persönlich genommen haben, konnte ich irgendwo verstehen. Auch wenn es in dem Moment nicht schön war.“

Lehrgeld bezahlt

Auch sportlich gesehen bezahlte er Lehrgeld. „Ich würde den Job immer wieder machen. Die Sache aber anders anpacken“, sagt er rückblickend. Was Capretti damit meint: „Ich stehe zu meiner ballorientierten Spielphilosophie. Damit habe ich mir ja einen Namen und mich für Dynamo interessant gemacht. Aber entscheidend ist der Zeitpunkt. Es funktioniert, wenn man den Reset-Knopf gedrückt hat. Mit neuem Kader und einer kompletten Vorbereitung. Markus Anfang und jetzt Thomas Stamm haben das ja bewiesen.“

Capretti weiter: „Für Ballbesitz-Fußball brauchst du Jungs, die mutig sind. Als ich kam, hatte die Mannschaft aber nach den vielen Niederlagen wenig Selbstvertrauen. Deshalb wäre es in dem Moment richtig gewesen, ihnen das durch die Konzentration auf Defensivarbeit und gewonnene Zweikämpfe zurückzugeben. Das ist deutlich einfacher, als selbst Aktionen mit Ball zu kreieren.“

Heute profitiert er in Lübeck

Seit Sommer 2024 ist Capretti Cheftrainer bei Nord-Regionalligist VfB Lübeck. Von seinen Dresden-Erfahrungen profitiert er auch dort: zum einen, was die Arbeit bei einem Traditionsverein mit all seinen Nebengeräuschen betrifft, zum anderen, was die sportliche Ausrichtung angeht. Die Transfers von John Posselt vor einem Jahr nach Paderborn und Antonio Vrerinac im Winter nach St. Gallen zeugen von guter Arbeit.

Die Norddeutschen wollen irgendwann zurück in die 3. Liga. Noch passen die Rahmenbedingungen dafür aber nicht, der Verein schrammte vor nicht allzu langer Zeit sogar knapp an der Insolvenz vorbei. „Wir müssen uns weiterentwickeln.“

Capretti traut Dynamo den Klassenerhalt zu

Zurück zu Dynamo Dresden: Traut Capretti seinem Ex-Team diesmal den Klassenerhalt zu? „Absolut! Sie haben sich ja keine ganz schlechte Ausgangsposition geschaffen. Ich drücke die Daumen und glaube, dass sie es schaffen können.“ Ein Sieg gegen Lautern würde dabei enorm helfen. So schließt sich der Kreis.

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