Darts-Stars drohen mit Boykott der European Tour
Die langen Wartezeiten an den Grenz- und Passkontrollen deutscher Flughäfen sorgen bei britischen Darts-Profis für erheblichen Unmut. Mit Jonny Clayton und Gary Anderson haben nun zwei Topstars unabhängig voneinander mit einem Boykott der European Tour gedroht, falls sich die Situation nicht zeitnah verbessert. Der Chef der PDC Europe, Werner von Moltke, reagierte bei SPORT1 auf die zunehmend hitzige Debatte.
Verständnis, aber Gelassenheit beim Verband
„Es ist angekommen und es sind auch nicht die einzigen, die es betrifft. Michael Smith beispielsweise hatte ebenfalls Probleme mit der Einreise nach Deutschland“, erklärte von Moltke am Rande des German Darts Grand Prix. Der Verbandsverantwortliche zeigte sich zwar verständnisvoll für die Verärgerung der Spieler, bewahrte jedoch eine gelassene Haltung gegenüber den Boykott-Androhungen.
„Boykott ist ein großes Wort. Es sind Leute, die aus der Verärgerung etwas herauslassen und das geht immer sehr schnell“, kommentierte von Moltke die emotionalen Aussagen der beiden Weltklasse-Dartspieler. Gleichzeitig betonte er: „Ich glaube nicht, dass es mal so dramatisch sein wird. Natürlich ist es ein Ärgernis, aber letztlich ist es immer noch ihr Beruf.“
Brexit als Ursache der Probleme
Die Wurzel der aktuellen Schwierigkeiten liegt im Brexit begründet. Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union vor über sechs Jahren kommt es regelmäßig zu verlängerten Wartezeiten bei Grenz- und Passkontrollen. „Viele haben den Brexit nicht begrüßt und verfluchen ihn. Das ist eine der negativen Folgen“, analysierte der PDC Europe-Chef die Situation.
Besonders betroffen sind laut von Moltke die Premier-League-Spieler, die ohnehin kaum freie Tage haben. „Ich kann die Spieler nachvollziehen – vor allem bei den Premier-League-Spielern, die eigentlich gar keinen freien Tag mehr haben. Da nervt das natürlich“, räumte er ein.
European Tour behält ihren Reiz
Trotz der aktuellen Kontroversen und einiger prominenten Absagen beim German Darts Grand Prix in München – darunter Luke Littler, Luke Humphries und Gerwyn Price – sieht von Moltke die Zukunft der European Tour positiv. „Sie wird immer ihren Charme haben. Nicht umsonst sagt Dan Dawson immer: ‚Die European Tour ist die beste Turnierserie in der Welt des Sports.‘ Da führt kein Weg vorbei“, betonte der Verbandsvertreter.
Die PDC Europe mische sich bewusst nicht in die Reisekalender der Spieler ein, sondern biete lediglich eine umfangreiche Turnierinfrastruktur. „Wir stellen einen breiten Kalender zur Verfügung. Um Profisport zu entwickeln, musst du den Spielern jede Woche die Möglichkeit geben, mit ihrem Beruf Geld verdienen zu können“, erläuterte von Moltke das Konzept.
Abschließend hob er den besonderen Charakter des Darts-Sports hervor: „In anderen Sportarten ist das nicht möglich. Das unterscheidet uns von den großen olympischen Sportarten. Wir haben den Ansatz, eine Plattform und eine Infrastruktur zu bieten, und was dann jeder daraus macht, ist jedem selbst überlassen.“



