Einblicke hinter die Kulissen des legendären Fußball-Talks
Der „Doppelpass“ gilt seit seiner Premiere am 3. September 1995 als Kult-Sendung für Fußballfans. Chefredaktionsmitglied Robin Halle war zwischen 2000 und 2008 insgesamt 18 Mal als Experte dabei und blickt auf unvergessliche Erlebnisse zurück – von einem Honorar von 300 Euro über eine Klage von Michael Ballack bis hin zu einem live ausgetragenen Streit mit einem HSV-Torwart.
Das Standardpaket: Flug, Hotel und 300 Euro
Die Einladung zum „Doppelpass“ erfolgte typischerweise montags vor der Sendung. Das Gesamtpaket umfasste ein Honorar von 300 Euro, die Kostenübernahme für Hin- und Rückflug sowie eine Übernachtung im Hotel Kempinski am Münchner Flughafen, von wo aus die Livesendung ausgestrahlt wurde. Halle erinnert sich besonders an seinen ersten Auftritt am 30. September 2000: „Sonntagmorgen, 8 Uhr. Trainer-Legende Udo Lattek hockte an der ‚Nightflight-Bar‘ am Flughafen Köln-Bonn und trank das erste Kölsch.“ Während Lattek locker zwei Bierchen allein trank, war Halle vor Aufregung kaum in der Lage, mitzuhalten.
Nervosität und der erste Live-Auftritt
Die Nervosität vor dem ersten Auftritt war enorm: Zwei Stunden live im Fernsehen vor über einer Million Zuschauern. Bei der Sprechprobe pochte sein Herz so laut, dass Moderator Rudi Brückner eingreifen musste: „Junge, das geht so nicht. Werd mal ruhiger. Ich stell’ dir gleich die erste Frage zu Borussia Dortmund. Dann bist du drin …“ Ab der zweiten Sendung verflog die Nervosität jedoch, und es folgten regelmäßige Treffen mit Udo Lattek, bei denen der Ablauf stets gleich blieb: zwei Kölsch, zwei Weißbier, Maske, Sendung.
Die heikle Frage zu Hansa Rostock
Die Lockerheit hatte jedoch auch ihre Tücken. In einer Sendung wurde Halle völlig unvorbereitet von Moderator Jörg Wontorra mit einer Frage zu Hansa Rostocks Transferpolitik konfrontiert. Ohne jegliche Kenntnis der Details antwortete er clever: „Mensch Wonti, so eine Fachfrage um 11.01 Uhr. Das Thema ist viel größer. Da geht’s um den gesamten Fußball im Osten. Um die Schere zwischen Arm und Reich. Das kann nur der Meistertrainer beantworten.“ Das Publikum applaudierte, während Udo Lattek sichtlich ins Schwitzen geriet.
Streit mit HSV-Torwart und Klage von Ballack
Besonders hektisch wurde es in den Werbepausen, wenn Spieler oder Manager in der Redaktion anriefen. Einmal meldete sich Martin Pieckenhagen, Torwart des Hamburger SV, um auf Halles Aussage zum möglichen Abstieg des HSV zu reagieren – was zu einem live ausgetragenen Streit vor einer Million Zuschauern führte. Noch gravierender war jedoch eine Klage von Michael Ballack. Halle hatte in einer Sendung behauptet, Ballack würde bei Chelsea London keinen neuen Vertrag erhalten, was Lattek unterstützte. Noch am selben Nachmittag traf eine Unterlassungserklärung von Ballacks Anwalt ein, die jeweils 500 Euro kostete und das Honorar zunichtemachte.
Hinter den Kulissen: Rauchen und geheime Geschichten
Was den Zuschauern verborgen blieb: Moderator Jörg Wontorra rauchte in jeder Werbepause eine Zigarette – bei kurzen Pausen sogar auf seinem Stuhl. Nach den Sendungen ließ man den Vormittag beim Brunch im Hotel Kempinski ausklingen, wo Trainer, Manager und Spieler interne Geschichten aus der Bundesliga erzählten. Diese Informationen durften jedoch nicht redaktionell verwendet werden, obwohl sie für jeden Fußballfan hochinteressant gewesen wären.
Robin Halle resümiert: „Der Doppelpass war mehr als nur eine Sendung – er war eine Institution mit unvergesslichen Momenten, von legendären Sprüchen bis zu rechtlichen Auseinandersetzungen.“



