Gladbach-Fans attackieren eigenen Kapitän Rocco Reitz mit Hassplakaten und Pfeifkonzert
Gladbach-Fans attackieren Kapitän Reitz mit Hassplakaten

Gladbach-Fans greifen eigenen Kapitän Rocco Reitz an

Es hätte ein besonderes Spiel für Rocco Reitz werden sollen – stattdessen wurde es zu einer persönlichen Demütigung. Der 23-jährige Kapitän von Borussia Mönchengladbach, der seit seinem siebten Lebensjahr für den Verein spielt, wurde beim Auswärtsspiel bei RB Leipzig von den eigenen Fans attackiert. Grund ist sein bereits feststehender Wechsel zum sächsischen Klub im Sommer.

Spruchbänder und Trillerpfeifen gegen das Klub-Urgestein

Mit dem Anpfiff in Leipzig enthüllten die Gladbach-Anhänger im Gästeblock ein deutliches Hassplakat. „Wer das hier will, darf niemals unser Kapitän sein!“ stand darauf zu lesen. Mit „das“ meinten die Fans das Gesamtkonstrukt RB Leipzig, gegen das sie seit einem Jahrzehnt protestieren. Nur wenige Minuten später folgte das nächste Spruchband mit der Aufschrift: „Keine Akzeptanz für Reitz.“ Kurz danach verdeckten die Borussia-Anhänger den Namen „Reitz“ demonstrativ mit den Buchstaben „RB“.

Doch die Proteste beschränkten sich nicht nur auf visuelle Botschaften. In den ersten 19 Spielminuten pfiffen die eigenen Fans Reitz bei fast jedem Ballkontakt aus – ein eigentlich gegen RB Leipzig gerichteter Trillerpfeifen-Protest, der sich nun gegen den eigenen Spieler richtete. Diese Aktion gegen das Klub-Urgestein wird von vielen Beobachtern als unwürdig bewertet.

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Reitz‘ emotionale Bindung und wirtschaftliche Notwendigkeit

Rocco Reitz hatte Mitte März nach Bekanntwerden seines Wechsels betont: „Ich kann euch versprechen, dass ich mich in jedem verbleibenden Spiel mit allem, was ich habe, für unsere Borussia zerreißen werde.“ Der ehemalige U21-Nationalspieler führt die Mannschaft auch weiterhin mit der Kapitänsbinde auf den Platz.

Für Borussia Mönchengladbach ist der Transfer wirtschaftlich überlebenswichtig. RB Leipzig zahlt im Sommer eine Sockelablöse von 18 Millionen Euro, die durch Boni auf bis zu 23 Millionen Euro ansteigen kann. Manager Rouven Schröder hatte bereits deutlich gemacht, dass der Verein ohne diese Einnahmen auf dem Transfermarkt praktisch handlungsunfähig wäre. Diese wirtschaftliche Realität scheint für einen Teil der Fans jedoch keine Rolle zu spielen.

Ein schwieriges Erbe für Spieler und Verein

Die Situation zeigt die tiefe emotionale Bindung zwischen Verein und Fans – und gleichzeitig die Grauzonen des modernen Profifußballs. Während Reitz seinen vertraglichen Verpflichtungen nachkommt und einen Vertrag bis 2031 bei RB Leipzig unterschrieben hat, fühlen sich viele Gladbach-Anhänger vom Wechsel ihres Kapitäns zu einem verhassten Konkurrenten verraten.

Das Spiel in Leipzig wird als das schwerste der Saison für Reitz in Erinnerung bleiben – nicht wegen der sportlichen Herausforderung, sondern wegen der feindseligen Stimmung aus den eigenen Reihen. Die Ereignisse werfen Fragen auf über den Umgang mit Spielerwechseln im modernen Fußball und die Grenzen fanatischer Vereinstreue.

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