HSV-Kabinentrick gegen Dortmund: Motivation funktionierte nur eine Halbzeit
HSV-Kabinentrick gegen Dortmund: Nur eine Halbzeit erfolgreich

HSV-Kabinentrick gegen BVB: Motivation funktionierte nur eine Halbzeit

Als die Spieler des Hamburger SV vor dem Bundesliga-Kracher im Dortmunder Westfalenstadion die Kabine betraten, erwartete sie eine besondere Überraschung. Auf jedem Platz lag ein Foto vom ersten Profispiel der jeweiligen Karriere. Das Trainerteam um Merlin Polzin wollte mit diesem Motivations-Kick eine emotionale Brücke schlagen – von einem besonderen Moment zu einem anderen.

Erfolgreicher Start mit historischen Fotos

Die Idee ging in der ersten Halbzeit voll auf. Vor 81.365 Zuschauern trumpften die Hamburger groß auf und führten nach Toren von Philip Otele (19. Minute) und Albert Sambi Lokonga (38. Minute) mit 2:0. Borussia Dortmund leistete sich vor beiden Gegentoren wilde Ballverluste. Torwart Daniel Heuer Fernandes, der zahlreiche Hochkaräter entschärfte, bilanzierte: „In der ersten Halbzeit ist unser Matchplan überragend aufgegangen.“

Auf dem Platz von Heuer Fernandes lag ein Foto von seinem ersten Profispiel am 21. Juli 2013 mit dem VfL Osnabrück. Ähnliche persönliche Erinnerungsstücke fanden alle Spieler vor – ein psychologisch kluger Schachzug des Trainerteams.

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Nach der Pause brach die Leistung ein

Nach der Halbzeitpause ging bei den Hamburgern jedoch nichts mehr. Sportdirektor Claus Costa analysierte: „Wir hatten uns in der Halbzeit vorgenommen, weiter mutig zu bleiben und zu spielen. Das war unsere Marschroute. Wir wollten auch in der zweiten Halbzeit selbst Ballbesitzphasen haben. Der Gegner hat uns hintenraus erdrückt.“

Vom ursprünglichen Spielplan konnte der HSV kaum noch etwas umsetzen. Eigentlich hatten die Trainer vorgegeben, die Abwehrkette deutlich vor dem Strafraum zu positionieren und selbst für Entlastung zu sorgen. Stattdessen lieferte man nur noch eine Abwehrschlacht rund um den eigenen 16er.

Drei Elfmeter und taktische Fehler

Gegen die Offensiv-Power der Dortmunder konnte sich der HSV im zweiten Abschnitt kaum wehren. Bei dem unterschiedlichen Kräfte-Verhältnis – Champions-League-Dauerbrenner gegen Aufsteiger – kann das passieren. Völlig unnötig allerdings, dass die Hamburger drei Elfmeter verursachten. Davon zwei (durch Omari und Mikelbrencis) ohne jede taktische Notwendigkeit.

Dazu kam ein verunglückter Mikelbrencis-Einwurf vorm BVB-Ausgleich zum 2:2 durch Serhou Guirassy in der 78. Minute. Trainer Merlin Polzin kommentierte: „Bei drei Elfmetern gegen uns ist es in der Fußball-Bundesliga extrem schwer zu bestehen. Wir müssen an Details in unserem eigenen Strafraum arbeiten. Das wissen wir und das werden wir auch machen.“

Schwieriges Restprogramm für den HSV

Viel Zeit für Verbesserungen bleibt nicht. 30 Punkte nach 27 Spieltagen sind anständig, aber das Restprogramm des HSV ist brutal. Von den letzten sieben Partien finden nur drei im heimischen Volksparkstadion statt. Mit Werder Bremen gibt es im Saisonfinale nur noch einen Gegner aus dem unteren Tabellenbereich.

Das Positive für die Polzin-Truppe: Die Konkurrenten im Abstiegskampf, VfL Wolfsburg (0:1 gegen Bremen) und FC St. Pauli (1:2 gegen Freiburg), kassierten ebenfalls Niederlagen. So bleibt der HSV-Vorsprung auf Rang 17 (Wolfsburg) bei neun Punkten und der auf Relegationsplatz 16 (St. Pauli) bei sechs Zählern.

Der Kabinentrick mit den historischen Fotos zeigte somit nur eine Halbzeit lang Wirkung. Während die emotionale Motivation in der ersten Spielhälfte zu einer überragenden Leistung führte, brach die Konzentration und Spielstärke nach der Pause deutlich ein. Ein Lehrstück darüber, wie schnell psychologische Impulse verpuffen können, wenn sie nicht durch taktische Disziplin und mentale Stärke über 90 Minuten getragen werden.

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