Inka Grings im Exklusivinterview: Vom Rufmord betroffen und mit klarer Haltung
Inka Grings hat den deutschen Frauenfußball über Jahrzehnte maßgeblich geprägt – als Spielerin, als Trainerin und als Persönlichkeit. In einem exklusiven Interview mit SPORT1 spricht die 47-Jährige nun offen über eine besonders schwierige Phase ihrer Karriere, in der sie mit Verleumdung und Rufmord konfrontiert war. Diese Erfahrungen führten schließlich dazu, dass sie ihre Position als Trainerin der Schweizer Nationalmannschaft verlor.
Internationale Erfolge und plötzlicher Rückschlag
Grings blickt auf eine erfolgreiche Zeit als Trainerin beim FC Zürich zurück, wo sie Meisterschaft und Pokal gewann und erstmals die Champions-League-Hauptrunde erreichte. Anschließend übernahm sie die Schweizer Nationalmannschaft und führte das Team bei der WM in Neuseeland zur besten Weltmeisterschaftsleistung der Schweizer Geschichte: Gruppensieger ohne Niederlage und ohne Gegentor, erst im Viertelfinale gegen den späteren Weltmeister Spanien ausgeschieden.
Doch dann kam der Bruch: „Ich bin in Deutschland in die Schlagzeilen geraten – im Zusammenhang mit meinem damaligen Arbeitgeber Hermann Tecklenburg und dem SV Straelen“, erklärt Grings. „Dabei wurden Dinge behauptet, die nicht der Wahrheit entsprachen. Es ging um Sozialabgaben, die der Arbeitgeber nicht bezahlt hat – anscheinend! Ich hatte einen ganz normalen Arbeitsvertrag.“
„Es ging um Verleumdung und Rufmord“
Die ehemalige Nationalspielerin betont, dass nicht die Vorwürfe selbst, sondern der Umgang der Öffentlichkeit damit sie besonders getroffen habe. „Das wurde medial extrem aufgebauscht und teilweise völlig falsch dargestellt“, so Grings. „Ich habe mir sogar einen Medienanwalt an die Seite geholt – es ging um Verleumdung und Rufmord. Am Ende war das auch der Grund, warum ich meinen Job bei der Nationalmannschaft verloren habe. Das war eine sehr harte Zeit.“
Persönlich habe sie diese Phase dank eines starken Unterstützerkreises bewältigt, und das Thema sei für sie heute abgeschlossen. Sportlich ging es danach mit einer Station beim belgischen Club Brugge weiter, wo sie Nationalspielerinnen entwickelte und die Top-Torjägerin der Saison in ihren Reihen hatte.
Blick auf den aktuellen Frauenfußball
Grings äußert sich auch zur Gegenwart des Frauenfußballs. Zum bevorstehenden Wechsel ihrer Freundin Alexandra Popp zu Borussia Dortmund sagt sie: „Das ist ein absoluter Top-Transfer. Borussia Dortmund hat mit Ralf Kellermann enorme Kompetenz geholt – und mit Alexandra Popp kommt eine Spielerin dazu, die sportlich und menschlich extrem viel mitbringt.“
Sie betont die wachsende Akzeptanz des Frauenfußballs: „Das zeigt, wohin wir in Deutschland noch kommen müssen – aber auch, was möglich ist. In Dortmund herrscht eine besondere Fußballkultur, unabhängig vom Geschlecht.“ Grings plädiert dafür, den Frauenfußball endlich als Fußball zu akzeptieren: „Wir sollten aufhören, ständig Vergleiche mit dem Männerfußball zu ziehen. Frauenfußball ist Fußball – Punkt.“
Entwicklung und Herausforderungen
Die ehemalige Stürmerin sieht deutliche Fortschritte in der Professionalisierung des Frauenfußballs. „Für die Voraussetzungen, die Spielerinnen heute haben, haben wir damals viel Vorarbeit geleistet. Heute ist der Frauenfußball deutlich professioneller und im Alltag angekommen.“
Gleichzeitig mahnt sie zur Besonnenheit bei der Entwicklung junger Talente. Bezüglich Jamal Musiala sagt sie: „Aktuell könnte die WM für Jamal Musiala noch zu früh kommen. Da geht es nicht um Qualität, sondern um körperliche Stabilität. Wenn er komplett fit wird, ist es natürlich möglich – aber im Moment sollte man eher vorsichtig sein.“
Ausblick auf die Zukunft
Für den deutschen Fußball insgesamt sieht Grings noch Aufholbedarf, aber auch positive Ansätze. „Wir müssen aufholen, sind aber auf einem guten Weg! Mentalität und Charakter stimmen, aber am Ende zählen Titel. Da haben wir zuletzt zu wenig erreicht.“
Entscheidend für die Rückkehr zur Weltspitze seien mehr Spielzeit für junge Spieler*innen, mehr Mut in den Vereinen und mehr internationale Erfahrung. „Entwicklung passiert auf höchstem Niveau – und am Ende zählen Ergebnisse“, resümiert die erfahrene Trainerin.
Zum Abschluss des Interviews äußert Grings ihre Erwartungen an das bevorstehende Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Schweiz: „Die Schweiz ist ein kompakter, disziplinierter und spielstarker Gegner. Wir müssen laufstark sein und im letzten Drittel konsequent agieren. Ich erwarte ein intensives Spiel – und eines, das zeigt, wo beide Teams wirklich stehen.“



