Bundesliga-Schiedsrichter Ittrich gesteht Elfmeter-Fehler nach Mainz vs. Augsburg
Ittrich gesteht Elfmeter-Fehler nach Mainz vs. Augsburg

Bundesliga-Schiedsrichter gesteht Fehlentscheidung nach umstrittenem Elfmeter

Der mehr als diskutable Elfmeterpfiff von Patrick Ittrich beim Bundesligaspiel zwischen Mainz und Augsburg bleibt der Aufreger des Spieltags. Im SPORT1-Format Doppelpass äußerte sich der Schiedsrichter nun detailliert über die brisante Szene und gestand einen klaren Fehler ein.

Die umstrittene Szene und Ittrichs Wahrnehmung

Schiedsrichter Patrick Ittrich stand beim 2:0-Sieg der Mainzer gegen den FC Augsburg unfreiwillig im Mittelpunkt. Sein unglücklicher Strafstoß-Pfiff nach einer brenzligen Situation zwischen Stefan Bell und Elvis Rexhbeçaj sorgte beim FCA für gewaltigen Zorn. Keine Kameraeinstellung konnte zweifelsfrei belegen, ob der Augsburger seinen Gegenspieler tatsächlich getroffen hatte.

Im Doppelpass schilderte der live zugeschaltete Ittrich im Detail seine Perspektive: „Ich habe die Situation so wahrgenommen, dass Bell den Ball klar vorher spielt und weg spitzelt und dann Rexhbeçaj voll durchzieht. Ich habe einen Treffer unten wahrgenommen und das charakteristische Geräusch, wenn der Schuh auf den anderen Schuh klatscht. Man kennt dieses Geräusch genau“, führte der 47-Jährige aus. Ittrich betonte, dass er zunächst den Vorteil abgewartet und dann direkt gepfiffen habe. „Es war meine zentrale und überzeugte Wahrnehmung in diesem Moment“, verdeutlichte er.

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VAR-Kontakt bringt keine Klarheit

Im Anschluss an den Pfiff kam es zum obligatorischen Kontakt mit dem Videoschiedsrichter. Ittrich wurde mitgeteilt, dass man nach einem Kontakt suche, jedoch nicht eindeutig feststellen könne, ob dieser tatsächlich stattgefunden habe. Der Schiedsrichter überlegte daraufhin, ob er „selbst zum Monitor gehen und die Bilder ansehen“ solle, entschied sich jedoch dagegen.

„Es stellt sich dann die entscheidende Frage, ob mir die Bilder geliefert werden, die ich benötige, um wirklich überzeugt zu werden. Das wurde mir verneint, deswegen bin ich nicht zum Bildschirm gegangen“, erklärte er seinen Entschluss. Auch VAR Johann Pfeifer habe ihn aufgrund der vorliegenden Aufnahmen, „die weder etwas belegen noch widerlegen konnten und zudem meiner Beschreibung widersprachen“, nicht zum Monitor geschickt.

Selbstkritische Fehlereingeständnis nach dem Spiel

Nach dem Spiel sei ihm beim Betrachten der verschiedenen Kamerawinkel jedoch bewusst geworden, „dass diese Bilder nicht mit meiner ursprünglichen Wahrnehmung übereinstimmen“. Folgerichtig sah Ittrich ein, dass er mit seiner Entscheidung wohl die falsche Wahl getroffen habe. „Da haben wir durch die Kraft der unterschiedlichen Bilder ehrlicherweise keine stichhaltigen Argumente mehr“, zeigte er sich selbstkritisch.

Ittrich betonte, er könne „den berechtigten Frust beim FC Augsburg voll und ganz verstehen“ und wolle „nichts beschönigen oder die Schiedsrichterei blind verteidigen“. Er selbst sei „überhaupt nicht zufrieden“ mit der Entscheidung und den vielen Diskussionen, die daraus entstanden sind. „Ich hatte gestern zehn Kameras vor dem Gesicht. Ich dachte zeitweise, ich befinde mich auf einer Pressekonferenz für den Weltfrieden“, beschrieb er die mediale Aufmerksamkeit.

Experten nehmen Ittrich in Schutz

SPORT1-Experte Stefan Effenberg nahm Ittrich in Schutz und verwies auf die schwierige Bewertungslage: „Patrick hat die Situation anders aufgenommen: Der Kontakt war aus seiner Sicht da, er hat es gehört. Bell hat es - glaube ich - auch bestätigt, dass er getroffen wurde. Deswegen war er überzeugt. Die Bilder sind jedoch so krass verschieden. Auf dem einen habe ich gesagt, ‚es gibt einen Kontakt, man sieht den Abdruck vom Schuh‘, auf dem anderen sieht man überhaupt keinen Kontakt“, führte er aus.

Doppelpass-Gast Kevin Kampl äußerte ebenfalls Verständnis: „Es ist brutal schwierig, es geht alles so schnell im modernen Fußball. Ich finde es absolut super, dass er sich hinstellt und zugibt, vielleicht einen Fehler gemacht zu haben. Das ehrt ihn wirklich. Wir sind alles Menschen und machen alle Fehler“, machte er deutlich, übte aber auch leise Kritik: „Wenn du den VAR zur Verfügung hast, dann musst du ihn auch konsequent nutzen und zum Monitor gehen, wenn du dir nicht absolut sicher bist“.

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Ittrich betont Neutralität als höchstes Gut

Ittrich verwies zum Abschluss der Live-Schalte darauf, immer „unparteiisch und mit voller Neutralität“ in die Spiele zu gehen. „Das ist mein höchstes und unantastbares Gut. Ich kann mir nicht zehnmal Gedanken machen, ‚der oder der wurde jetzt benachteiligt, deswegen gucke ich mal genauer hin‘. So funktioniert Schiedsrichterei nicht. Ich versuche stets nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden“, führte er aus. Er bedauerte zutiefst, dass es in diesem Fall „nicht zu 100 Prozent funktioniert“ habe.

Die folgenschwere Entscheidung beeinflusste die Tabelle dennoch erheblich: Mainz sprang durch den Sieg von Platz 16 auf Rang 14 und liegt nun nur noch einen Punkt hinter dem FC Augsburg, was die Dynamik im Abstiegskampf der Bundesliga weiter verschärft.