Philipp Lahm äußert ernste Bedenken zur Entwicklung im deutschen Fußball
Der ehemalige Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, zeigt sich besorgt über aktuelle taktische Trends im deutschen Fußball. Der 42-Jährige beobachtet mit Sorge eine zunehmende Rückkehr zur Manndeckung in der Bundesliga, die er als problematisch für die langfristige Entwicklung des Sports ansieht.
Kritik an der Manndeckung in der Bundesliga
In einer aktuellen Kolumne für die „Zeit“ und den englischen „Guardian“ äußert sich Lahm deutlich zu diesem Phänomen: „Ich wundere mich, dass jetzt viele Verteidiger in der Bundesliga wieder ihrem Gegner bis aufs Klo folgen“, schreibt der Weltmeister von 2014. Er verweist dabei konkret auf den FC Bayern München, wo Trainer Vincent Kompany teilweise auf Manndeckung setzt.
Lahm betont, dass Manndeckung seiner Meinung nach nur als kurzfristiges taktisches Mittel sinnvoll sei – ähnlich wie im Handball kurz vor Spielende. „Ein Fußballfeld ist dafür zu groß. Es ist kein Konzept für das ganze Spiel“, erklärt der erfahrene Verteidiger. Als Beispiel nennt er den italienischen Verein Atalanta Bergamo, der diese Taktik zuletzt erfolgreich eingesetzt hat.
Warnung vor dem italienischen Weg
Die größte Sorge Lahms betrifft die möglichen langfristigen Folgen dieser Entwicklung. „Italien ist abgehängt. Wenn Deutschland den neuesten Sonderweg geht, könnte uns das auch passieren“, warnt er deutlich. Der Ex-Profi sieht Parallelen zwischen der aktuellen Situation in Deutschland und dem Niedergang des italienischen Fußballs, der international an Bedeutung verloren hat.
Lahm befürchtet, dass eine zu starke Fokussierung auf defensive Manndeckungsstrategien die offensive Spielkultur und die technische Entwicklung deutscher Spieler beeinträchtigen könnte. Dies könnte langfristig zu einem ähnlichen Rückstand führen, wie ihn Italien aktuell im internationalen Fußball erlebt.
Vorbild Spanien und die „spanische Schule“
Als positives Gegenbeispiel und Vorbild für den deutschen Fußball nennt Lahm die sogenannte „spanische Schule“. Er beschreibt diese als „ballorientiertes Verteidigen, klar definierte Positionen und Profile, organisierter Kombinationsfußball, der das Geschehen in die gegnerische Hälfte verlagert“.
Der Erfolg dieser Philosophie sei unbestreitbar: Drei der letzten fünf Europameisterschaften gewann Spanien. „Eine solche Dominanz schaffte nicht mal Deutschland in den Siebzigern und Achtzigern“, stellt Lahm fest und korrigiert damit das berühmte Zitat von Gary Lineker über deutsche Turniersiege.
Aussichten für die kommende Weltmeisterschaft
Mit Blick auf die spanische Nationalmannschaft unter Trainer Luis de la Fuente zeigt sich Lahm beeindruckt: „Bei der WM im Sommer ist de la Fuentes Elf wie selbstverständlich ein Titelkandidat“. Diese Einschätzung unterstreicht seine Überzeugung, dass die spanische Spielphilosophie aktuell die erfolgreichste im internationalen Fußball darstellt.
Die Warnung des erfahrenen Fußballexperten richtet sich an alle Verantwortlichen im deutschen Fußball – von Trainern über Vereinsverantwortliche bis hin zur Nationalmannschaft. Lahm plädiert für eine Rückbesinnung auf offensive Spielprinzipien und warnt davor, kurzfristige taktische Erfolge über langfristige Entwicklung zu stellen.



